
DÜSSELDORF. RWE will im neuen Geschäft mit Energiesparen und Elektromobilität zügig Geld verdienen. "In jedem unserer drei Bereiche, der Elektromobilität, dem Informationsportal Energiewelt.de und der Hausautomatisierung wollen wir innerhalb von drei Jahren positive Beiträge erwirtschaften", sagt Norbert Verweyen, Geschäftsführer der neuen Tochter RWE Effizienz GmbH, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Große Hoffnungen setzt das Unternehmen unter anderem auf den Einstieg in den Markt für Hausautomatisierung, wo es schon im kommenden Herbst eine computergestützte Steuerung für Heizung und Strom anbieten will.
RWE hatte die neue Gesellschaft, die sich um das Thema Energieeffizienz kümmern soll, im Juli gegründet. EU-Kommission und Bundesregierung propagieren vehement Maßnahmen zum Energiesparen, um den Klimaschutz voranzutreiben. Experten sehen allein bei Heizungen in Privathaushalten Einsparmöglichkeiten von rund 40 Prozent.
Das zunehmende Sparbewusstsein der Verbraucher setzt Energieversorger unter Druck. "Was passiert, wenn wir den Kunden nicht Angebote zum Energiesparen unterbreiten? Dann wechseln sie den Versorger", sagt Verweyen. "Mir ist ein Kunde, der nur noch 60 oder 70 Prozent verbraucht, lieber als ein verlorener Kunde." Für RWE sei das Geschäft aber nicht bloß der Versuch, Kunden zu binden, sondern ein Wachstumsmarkt: "Wir wollen mit Energieeffizienz Geld verdienen, und das soll ein wichtiges Geschäftsfeld werden."
Für den Privatmarkt brauchen Versorger standardisierte Produkte
Für den Energieexperten Berthold Hannes von der Unternehmensberatung Bain ist der Ansatz richtig. "Es ist für Versorger wichtig, das Thema zu besetzen, sonst drohen durch Effizienzmaßnahmen deutliche Geschäftseinbrüche." Die Ansprüche der Kunden würden sich ändern. Auch nach Ansicht von Stephan Werthschulte von Accenture wird das Thema in den kommenden Jahren die Agenda bestimmen: "Das Wachstumspotenzial ist erheblich, allerdings benötigt man dafür einen langen Atem." Das Engagement koste zunächst Geld, die Margen seien auch eher klein.
Schon lange kümmert sich die Energiebranche bei Großkunden um die Effizienz. Viele Versorger haben Abteilungen oder Sparten, die Energiedienstleistungen für Industrie und Gewerbe anbieten. Sie beraten Unternehmen, wie sie ihre Versorgung mit Strom, Gas und Prozessdampf sparsamer organisieren können. Das Geschäft mit Unternehmen ist allerdings sehr beratungsintensiv.
RWE ist nun der erste Versorger, der sich im großen Stil und mit einer spezialisierten Tochter an das Geschäft mit den Privatverbrauchern wagt. "Dafür braucht man standardisierte Produkte, die man in derselben Form mehrmals verkaufen kann", sagt Verweyen. RWE konkurriert hier vor allem mit Elektronikherstellern, die einzelne Automatisierungen anbieten.
RWE macht erste Umsätze mit Elektroautos
Die neue Tochter baut als Start-up drei Geschäftsfelder auf, die schon bald substanzielle Umsätze und vor allem auch Gewinne erzielen sollen. Erstens hat sie die Aktivitäten des Energiekonzerns mit der boomenden Elektromobilität gebündelt, die als standardisiertes Produkt ins Konzept der Tochter passen. RWE baut wie kein zweiter deutscher Energiekonzern Ladesäulen in immer mehr Städten auf. Zudem hat das Unternehmen schon konkrete Produkte im Angebot. Über die Homepage können der Kleinwagen Fiat 500 und ein Lieferwagen mit Elektroantrieb sowie Ladesäulen bestellt werden. Die Preise sind zwar noch sehr hoch und bislang nur für Großkunden akzeptabel, RWE generiert aber bereits erste Umsätze.
Zweitens lockt der Versorger mit dem Portal Energiewelt.de täglich im Schnitt 40 000 Verbraucher an, die sich zum Thema Energiesparen informieren können. Von Firmen, die darauf werben, verlangt RWE ebenso Gebühren wie von Handwerkern, die sich über die Homepage vermitteln lassen können.
RWE verspricht schnelle Einsparungen mit intelligenten Zählern
Drittens steigt RWE in den Markt für Hausautomatisierung (Smart Home) ein. Dahinter steckt die Vision, dass der Stromverbrauch von Privathaushalten längerfristig über intelligente Zähler besser an das schwankende Stromangebot angepasst werden kann, indem einzelne Geräte gezielt gesteuert werden. Beispielsweise müssen Tiefkühltruhen, Heizungen oder Klimageräte nicht permanent am Netz sein. Mit speziellen Tarifmodellen könnten die Kunden überzeugt werden, die Steuerung zum Teil dem Versorger zu überlassen.
Intelligente Zähler haben auch Konkurrenten wie Eon und Yello im Angebot. RWE will aber schon im Oktober, zu Beginn der Heizperiode, ein erstes Paket auf den Markt bringen, mit denen Verbraucher Heizung und einzelne Geräte besser steuern können.
Der Versorger wird gemeinsam mit dem Elektronikanbieter ELV/eQ-3 ein Starterset aus einer Steuerungseinheit, Heizungsthermostaten und schaltbaren Steckdosen vermarkten. Die Steuerungseinheit kann über ein einfaches Menü am Computer programmiert werden und die Geräte per Funk so steuern, dass sie zu bestimmten Zeiten an- und ausgeschaltet werden. Sie ist so ausgelegt, dass sie später auch mit einem intelligenten Zähler kombiniert werden kann. Der Standard wird offen sein, damit sie zahlreiche Funktionen übernehmen kann - auch Bewegungs- oder Rauchmelder oder Notrufe für Senioren.
"Innerhalb der ersten fünf Jahre wollen wir eine halbe Million Sets verkaufen", sagt Verweyen. Die Partner wollen im Frühjahr in Feldtests die endgültigen Konditionen testen. Letztlich dürfte der Preis laut Verweyen aber bei fünf bis sieben Euro je Quadratmeter liegen. "Den Preis dürfte ein Kunde in spätestens drei Jahren wieder heraushaben." Mit Hausautomatisierung lasse sich der Verbrauch mit kleinem Aufwand um bis zu 15 Prozent senken.
Intelligenter Strom
Smart Grid Versorger und IT-Firmen arbeiten am Stromnetz der Zukunft. Mit einer intelligenten Steuerung soll der Stromfluss besser geregelt werden, da die Anforderungen an die Stabilisierung des Netzes steigen. Durch erneuerbare Energien wird Strom unregelmäßig und dezentral eingespeist.
Smart Meter Um die Nachfrage besser zu erfassen, sollen in Privathaushalten intelligente Stromzähler installiert werden. Sie liefern den Versorgern genauere Daten, wann wie viel Strom verbraucht wird. Zugleich können sie Impulse für die Hausautomatisierung aussenden.
Smart Home Mit der Hausautomatisierung sollen Geräte gezielt angesteuert werden, um sie möglichst effizient zu nutzen. Beispielsweise kann die Heizung besser an den Tagesbedarf angepasst werden, oder Waschmaschinen gehen nur zu Zeiten mit ansonsten geringer Nachfrage ans Netz.













