Produktionsverlagerung: Deutsche Baufirma steht wegen Nokia-Fabrikbau am Pranger

Produktionsverlagerung: Deutsche Baufirma steht wegen Nokia-Fabrikbau am Pranger

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Nokias neues Handywerk im rumänischen Cluj (Klausenburg), etwa 450 km nordwestlich von Bukarest.

Der deutschen Baufirma Goldbeck beschert die Verlagerung der Nokia-Produktion von Bochum nach Rumänien einen Millionenauftrag – und einigen Ärger.

Bis vor einem Jahr fuhren die Einwohner des siebenbürgischen Dorfs Jucu mit dem Pferdekarren auf Schlammpisten zur Arbeit. Und auf dem 159 Hektar großen Dorfacker herrschte Stille. Seit Frühjahr 2007 dröhnen hier die Bagger, das Bielefelder Bauunternehmen Goldbeck stampft ein Hightechdorf aus dem Boden: das Nokia-Village. Die Verlagerung der Bochumer Nokia-Produktion nach Rumänien hat Goldbeck einen 40 Millionen Euro schweren Großauftrag beschert. Und einigen Ärger, denn der Job entwickelte sich für Unternehmenschef Uwe Goldbeck unerwartet zu einer hochpolitischen Angelegenheit.

Das familiengeführte Unternehmen gehört in Deutschland zu den zehn größten Hochbauunternehmen und macht mit seinen etwa 1800 Mitarbeitern 757 Millionen Euro Jahresumsatz, 30 Prozent davon im Ausland, vor allem in Osteuropa. An den Standorten Bielefeld und Plauen produziert Goldbeck Bauelemente aus Stahl und Aluminium, die später vor Ort montiert werden – wie nun in Rumänien, wo Goldbeck für Nokia als Generalunternehmer auftritt und nur seine eigenen Monteure mitbringt. Auch die Gebäudetechnik wird von deutschen Unternehmen geliefert. Vor einem halben Jahr begann Goldbeck mit dem Bau der Fabrik, inzwischen laufen die ersten Handys „made in Romania“ serienmäßig vom Band.

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Ein ehemaliger tschechischer Auftraggeber hatte Goldbeck dem finnischen Handykonzern empfohlen, die Aufforderung zur Teilnahme an der Ausschreibung kam direkt aus Helsinki. Der Baudienstleister machte das Rennen gegen Konkurrenten aus Finnland und Rumänien. „Wir haben uns durchgesetzt, weil wir preislich wettbewerbsfähig sind,“ sagt Geschäftsführer Goldbeck, „und mit hoher Geschwindigkeit arbeiten.“

In Deutschland fühlt sich Goldbeck nun an den Pranger gestellt, heimische Jobvernichtung wird den Bielefeldern vorgeworfen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers etwa mimt den Empörten. Obwohl er Unternehmensgründer Ortwin Goldbeck noch im letzten Jahr das Bundesverdienstkreuz für wertorientiertes Unternehmertum verliehen hatte, kritisiert er nun scharf, dass durch Abwandern und Jobvernichtung massiv Angst verbreitet, der Aufschwung gebremst und die gesamte Konjunktur gestört würde. Auch die illegale Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer wird dem Bauunternehmen angekreidet. Bei einer Kontrolle der Baustelle in Jucu seien 161 Beschäftigte ohne gültige Arbeitserlaubnis entdeckt worden, teilte die Aufsichtsbehörde in Bukarest mit. Die betroffenen 13 Firmen, alles Subunternehmer von Goldbeck, müssen insgesamt 16 000 Euro Strafe zahlen. Das Bielefelder Unternehmen weist den Vorwurf der Schwarzarbeit zurück. Die Subunternehmen hätten nicht gewusst, dass sie ihre Arbeiter zusätzlich beim rumänischen Arbeitsamt hätten melden müssen.

"Es hieß immer: Nutzt die Chancen, die im Ausland liegen. Und nun das“ empört sich Unternehmenschef Goldbeck Junior. Davon, dass das Bochumer Werk geschlossen werden soll, habe er wie alle anderen aus der Presse erfahren. Nokia habe als Auftragsgrund für den Neubau stets eine reine Kapazitätserweiterung angeführt. Das Unternehmen Goldbeck sei, so wiegelt der Geschäftsführer ab, nur „untergeordneter Handwerker mit einem direkten Weisungsauftrag“, mehr nicht. Außerdem habe Goldbeck in den vergangenen Jahren trotz der schlechten deutschen Baukonjunktur an den heimischen Standorten investiert und mehr als 1000 Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen.

In Rumänien hat sich Goldbeck indes nicht nur durch den Vorwurf der Schwarzarbeit wenig Freunde gemacht. Dort hat die Auftragsvergabe an ein deutsches Unternehmen zu herber Enttäuschung geführt. „Man war überrascht“, sagt Goldbeck, „und nicht erfreut.“ In Jucu arbeitet der Dienstleister mit einer bunten Mischung europäischer Handwerksunternehmen zusammen. Die Fachkräfte sind überwiegend polnischer, slowakischer oder tschechischer Herkunft. Rumänische Arbeitskräfte beschäftigt die deutsche Firma kaum. „Die Leistungsfähigkeit der Anbieter vor Ort liegt einfach noch nicht vor“ sagt Goldbeck.

So profitieren in Rumänien bislang andere vom Bau der neuen Produktionsanlage. Nur mit der Ruhe ist es endgültig aus.

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