Profi-Bergsteiger Glowacz im Interview: "Der Erfolgsdruck steigt mit jedem Euro"

Profi-Bergsteiger Glowacz im Interview: "Der Erfolgsdruck steigt mit jedem Euro"

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Der Profi-Bergsteiger und Extremkletterer Stefan Glowacz

WirtschaftsWoche-Redakteur Christian Schlesiger sprach mit dem deutschen Profi-Bergsteiger und Extrem-Kletterer Stefan Glowacz über den Trend zum Extrembergsteigen, unterschätzte Risiken und kommerziellen Druck.

WirtschaftsWoche: Herr Glowacz, warum zieht es Menschen auf Berge, die höher sind als 8000 Meter?

Glowacz: Berge und Gipfel sind klar definierte Ziele. In keinem anderen Sport ist das so klar umzusetzen wie beim Bergsteigen. Wer oben ankommt, hat es geschafft. Der Berg steht als Symbol für Erfolg. Das motiviert. Zudem hat die Todeszone, also Berge, die höher sind als 7500 Meter, einen unglaublichen Reiz. Das Spiel mit der Todesgefahr ist eine Sehnsucht der Menschen.

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Ist das der Grund, warum das Extrem-Bergsteigen so sehr im Trend liegt?

Zum Teil. Ein weiterer Grund ist, dass die meisten Menschen fast alles haben. Sie haben kaum noch offene materielle Wünsche. Deshalb suchen sie neue, individuelle Erfahrungen. Die Expeditionen auf die Achttausender können sich nur die Wohlhabenden leisten.

Deckt sich das mit Ihrer Definition von Abenteuer?

Nein. Die Bergsteiger kaufen sich quasi ein Abenteuer von der Stange. Das Problem ist, dass sich die Kunden geistig nicht mit dem Berg auseinandersetzen. Doch genau das ist wichtig. In den monatelangen Planungsphasen vor meinen Touren exerziere ich alles durch, jede Unwägbarkeit, jedes Risiko, jede noch so unwahrscheinliche Form eines Unfalls. Das ist ein wichtiger Prozess, um sich mental auf die Strapazen einzustellen.

Leute, die eine Expedition buchen, gehen also sorglos mit den Risiken um?

Nicht alle, aber viele. Ohne fachliche Unterstützung würden viele Bergsteiger nicht einmal die Hochlager erreichen. Ich plädiere daher dafür, allein die Logistik im Basislager zu stellen. Hochkommen muss jeder alleine. Dadurch würde sich der Andrang von ganz alleine regulieren. Viele trauen sich ungeführte Touren nicht zu.

Welche Rolle spielen die Bergführer in diesem Geschäft?

Sie sind für die Sicherheit ihrer Kunden zuständig. Der Erfolgsdruck ist riesig. Kunden bezahlen viel Geld, um den Gipfel zu erreichen. Wenn der Bergführer aus Sicherheitsgründen umkehren und den Abstieg einleiten möchte, kann es mitunter zu Diskussionen mit Teilnehmern kommen. Ich kenne Fälle, wo selbst bei einer vergleichsweise einfachen Trekkingtour Kunden mit Regressansprüchen gedroht haben, nur um auf den Gipfel zu gelangen. Je kommerzieller die Bergtouren sind, desto größer wird der Druck auf die Bergführer. Der Erfolgsdruck steigt mit jedem Euro. Zudem gibt es inzwischen die Unsitte, dass Expeditionsleiter am begehrtesten sind, die möglichst viele Kunden auf den Gipfel geführt haben. Der Sicherheitsaspekt kommt da zu kurz.

Sollen kommerzielle Touren verboten werden?

Auf keinen Fall. Es ist aber wichtig, die Probleme des Massentourismus zu beseitigen. Bestimmte Basislager sind schon Städte – mit allen dazugehörigen Nebenerscheinungen wie Abfall und Fäkalien. Ich plädiere dafür, das Bergsteigen möglichst individuell zu belassen, das heißt Logistik bis zum Basislager, mehr nicht. Man darf Menschen aber auf keinen Fall aus der Natur ausschließen. Klettersteige und Skitouren sind wichtig. Jeder, der in der Natur ist, entwickelt eine Sensibilität für das Ökosystem und leistet später gerne auch Beiträge zum Erhalt.

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