ProSiebenSat.1: Nachrichten raus aus dem Privat-TV?

KommentarProSiebenSat.1: Nachrichten raus aus dem Privat-TV?

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von Peter Steinkirchner

Es war das Thema Nummer Eins in der Hauptversammlungsrede von ProSieben-Boss Ebeling: Der Verkauf von N24 sorgt für neues Tempo bei der Debatte über Sinn und Unsinn von Nachrichten im Privatfernsehen.

Ebeling, immerhin, fand es so wichtig, dass er es als erstes in seiner Rede bei der heutigen Hauptversammlung von ProSiebenSat.1 ansprach: den Verkauf von N24 aus dem Bestand von Deutschlands größtem TV-Konzern an ein Konsortium aus ehemaligem Management und Stefan Aust. Vierzehn Tage ist das jetzt her, und auch wenn ProSiebenSat.1 den Verlustbringer N24 – das Nachrichtengeschäft, sagt Ebeling, habe jedes Jahr für 50 Millionen Euro Miese gesorgt – nun los ist: Das Thema „Nachrichten im Privatfernsehen“ kommt nun erst richtig ins Rollen.

Zu besichtigen etwa beim Medienforum NRW, das noch bis morgen in Köln läuft. Eine insgesamt eher müde Veranstaltung, doch das Thema TV-Nachrichten schafft es immerhin auf einige der Podien  – und sorgte dort für erstaunliche Pointen. So sprach sich gestern etwa ausgerechnet der Justiziar des öffentlich-rechtlichen NDR, Werner Hahn, dafür aus, die „Überregulierung des privaten Rundfunks abzubauen.“ Nett von Hahn, könnte man meinen; den Zeitungen, sagte der Jurist, schreibe schließlich auch keiner vor, wie viel Werbung die Blätter enthalten dürften und ebenso wenig, wie hoch der Anteil von Politik-, Wirtschafts- oder schlicht bunten Meldungen haben müssten.

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Kein Zuschauer lässt sich zwingen

Bei näherem Hinsehen ist der Vorstoß allerdings nicht weiter erstaunlich, und das aus zwei Gründen. Je weniger Nachrichten Privatsender zeigen, desto fragloser ist die Legitimation von ARD und ZDF, von Gebühren (künftig: Beiträgen) zu leben. Vorausgesetzt, sie passen sich nicht noch weiter an die Privaten an, ist das nun einmal das Hauptargument für die jährlich weit mehr als  sieben Milliarden Euro Gebührengelder, die die öffentlich-rechtlichen bekommen:  ARD und ZDF besorgen die Grundversorgung mit Informationen und auch Unterhaltung; sie schaffen in der Idealform Inhalte, die Privatsender nicht durch Werbeeinnahmen refinanzieren können. Das klappt längst nicht immer, aber oft. Und genau dafür sind die Gebühren da. Warum sollte man daher Privatsender zwingen, Inhalte zu senden, die sie nicht senden wollen?

Denn zum zweiten ist es schlicht Realität, dass sich kein Zuschauer der Welt dazu zwingen lässt, Nachrichten anzuschauen, wenn er es nicht will. Das mag man furchtbar finden und schlimm für die Demokratie, und mancher mag sich insgeheim auch wünschen, Privatsender wären nie zugelassen worden. Aber es gibt sie nun mal. Fernsehen ist (meistens) keine Volkshochschule, und ein Gymnasium erst recht nicht. Wer Nachrichten will, schaut „Tagesschau“ und schaltet danach zum Spielfilm auf ProSieben - der Zuschauer ist ja nicht doof. Außerdem ist die Konkurrenz durch andere Medien wie Print und vor allem Online längst so groß, dass man schon blind und taub sein muss, um nicht die wichtigsten Informationen über den einen oder anderen Kanal doch mitzubekommen.

Deshalb wäre es tatsächlich nur konsequent, Privatsendern frei zu stellen, wie viel Nachrichten sie senden wollen – und ob überhaupt. TV-Sender, die an die Image-bildende Kraft einigermaßen vernünftig gemachter Nachrichtensendungen glauben – wie RTL das mit „RTL aktuell“ ja vormacht und damit auch gegenüber Sat.1 und ProSieben punktet – werden sicher nie darauf verzichten. Auch wenn sich das nicht durch Werbung im direkten Umfeld der News refinanzieren lässt, profitiert das Sender-Image. Und einen weiteren Vorteil hätte die Freigabe: Dann hätte endlich auch die scheinheilige Debatte darüber ein Ende, ob die zigste Brustvergrößerung irgendeines Serien-Sternchens nicht vielleicht doch schon eine Nachricht sei und damit dem Habenkonto eines Privatsenders zu gerechnet werden müsste.

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