Provisionsabhängiger Verkauf: Werden Millionen von Versicherungskunden abgezockt? - Seite 5

Provisionsabhängiger Verkauf: Werden Millionen von Versicherungskunden abgezockt?

5

Das ist auch verständlich. Denn der Versicherungsberater ist nicht per se Problemlöser. Im Gegensatz zum Versicherungsvermittler hat der Kunde beim Versicherungsberater am Ende kein Versicherungsprodukt. Denn das vermittelt dieser nicht. Nach manchem Gespräch wird der Kunde zwar viele Informationen und zusätzliche Entscheidungsvariablen und -varianten kennen, wegen der nicht auf einen Vertragsabschluss gerichteten Beratung am Ende möglicherweise aber auch mehr Fragen haben als vorher. Nicht umsonst wird von Erstberatung gesprochen. Nur ist für viele typische Versicherungsprobleme bereits die Erstberatung ziemlich teuer. Denn für den Abschluss einer Haftpflicht- oder Hausratversicherung sind 200 bis 300 Euro Beratungshonorar pro Stunde viel Geld.

Dabei weiß der Kunde vor der Erstberatung nicht einmal, ob die Qualität der Beratung das Geld wert ist. Wer würde ein Autohaus betreten, wenn zuvor 200 Euro Eintrittsgeld für Fahrzeugbesichtigung und Gespräch mit den Beratern verlangt würde? Ex ante ist für den Kunden ja unklar, ob es das am Ende wert ist. Beim Versicherungsvermittler hat es der Kunde dagegen bis zum Vertragsabschluss selbst in der Hand, ob er mit der Prämienzahlung den Versicherungsschutz und letztlich auch die persönliche Betreuung honorieren möchte. Und diese Honorierung, über die er sich natürlich bewusst ist, empfindet er als gerechter als ein Beratungshonorar, das auch nach unbefriedigendem Beratungsergebnis fällig wird.

Dazu kommt, dass selbst dann, wenn der Kunde mit Hilfe des Versicherungsberaters sein Versicherungsprodukt etwa im Internet abgeschlossen hat, er keinen persönlichen Betreuer hat zur Regelung seiner laufenden Versicherungsangelegenheiten. Den damit einhergehenden Verzicht auf Serviceleistungen könnte sich der Kunde dann zwar beim Honorarberater einkaufen. Einzelne Berater wollen so eine laufende Rundumbetreuung anbieten. Zu lesen war allerdings auch, dass dafür für einen Normalverdienerhaushalt eine laufende Vergütung von etwa 2 bis 3 Prozent „des monatlichen Familieneinkommens“ aufgebracht werden sollte. Diesen Luxus werden sich nur wenige leisten wollen. Nicht umsonst konzentrieren sich die Versicherungsberater vor allem auf Groß- und Firmenkunden.

Die kürzlich gegen die Vermittler gestartete PR-Kampagne des BVVB, die Deutschen würden Milliarden zuviel für Versicherungen ausgeben, ist angesichts dieser Zusammenhänge durchschaubar. Angesichts des konstruktionsbedingt fehlenden breiten Markterfolges ist es eine Aktion zum preiswerten Anwerben neuer Kunden. Für eine um Seriosität bemühte Zunft folgt diese Kampagne allerdings zweifelhaften Methoden: Berechnungen der angeblichen Milliarden Euro Einsparpotentiale werden trotz Nachfrage des GDV nicht offengelegt. Angebliche Kosten für Provisionen werden plakativ in den Raum zu stellt, ohne gleichzeitig gegenzurechnen, was es die über 60 Millionen Kunden der Versicherer zusätzlich kosten würde, sich für jeden Vertrag systematisch von Honorarberatern betreuen zu lassen. Tatsächlich liegen die Aufwendungen für Versicherungsschutz je Einwohner in Deutschland um ein Drittel niedriger als im europäischen Ausland.

Fakt ist: In Deutschland wird nicht zuviel, sondern zuwenig für die Zukunft vorgesorgt. Es bleibt die Aufgabe der Versicherungsvermittler, auf die Kunden aktiv zuzugehen, Versorgungslücken aufzudecken und durch bedarfsgerechte Angebote zu schließen – gerade in der Altersvorsorge.

Verbraucher und Unternehmen zahlen 20 Milliarden zu viel für ihren Versicherungsschutz? Peter Schwark vom GDV bezweifelt diese Zahl und fordert den BVVB auf, seine Berechnung offenzulegen. Der BVVB hat diese wiwo.de zur Verfügung gestellt.

Zu diesem Artikel
70 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.03.2011, 17:24 UhrAnonymer Benutzer: zu Peter Jäger

    Entschuldigen Sie bitte, Sie sind ein bankengeprägter Mensch.
    Was macht Sie so sicher, daß nur ein Sparvertrag bei " ihrer bank " die richtige Lösung ist?
    Wußten Sie übrigens, daß auch freie und unabhängige Versicherungsmakler ( keine Strukturvertriebe) Sparpläne anbieten,
    bei welchen der Sparer fast keine Kosten hat? Vermutlich nicht, denn sonst würden Sie so etwas nicht schreiben.
    Was nützt mir übrigens ein Sparplan bei der bank, der " kostenlos ist, wenn Sie dafür nur 1,5 % Zinsen erhalten?
    Glauben Sie mir, die bank schenkt ihnen nichts. ich bin seit 20 Jahren in der Finanzbranche tätig.
    Es ist illusorisch zu glauben, bei der bank gäbe es etwas umsonst.

    Lutz

  • 26.02.2011, 19:18 UhrAnonymer Benutzer: Peter Jäger

    Natürlich werden die Kunden falsch beraten. Zum einen am bedarf vorbei und zum anderen will der provisionsabhängige Vertreter und Makler ja auch leben.
    Ein einfacher Sparbetrag bei einer bank ist eine bessere Altersvorsorge, als die Versicherung bieten kann. ich habe keine Abschlußkosten, kann jederzeit über mein Geld verfügen und spare so wie ich kann.
    Außerdem wird bei der beratung die inflation gerne abgeschwächt oder ganz vergessen, Rendite hört sich ja dann besser an.
    Versichern ja, aber nur was man braucht und das ist nicht viel.

  • 21.08.2008, 00:36 UhrAnonymer Benutzer: kunde

    als bei meiner bank bekommt man bei jedem gespräch, sogar wenn man mal an der kasse geld abheben will, versicherungen angeboten. so kleine zettel geschickt, eu vermittlerrichtlinien, es sei gesetz mit der bank zu reden, wer das nicht tut, bricht gesetze. und wenn man hingeht, muss man alles sagen was man irgendwo an versicherungen hat, da dies das gesetz vorschreibe.selbst wenn man mal ein sparbuch eröffnen will würde das gesetz sagen,dass der berater das mit einem besprechen muss, da ja ein sparbuch das falsche produkt sein kann. evtl auch besser mal eine versicherung zu machen und nach einem oder zwei jahre wieder aufzulösen,falls man das geld doch wieder bräuchte, wenn man das nicht will, kann man ja kredit aufnehmen. irgendwie komische geschäftsgebahren.oder ?

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.