Prozess gegen Ex-Arcandor-Chef: Thomas Middelhoffs dubiose Geschäfte

Prozess gegen Ex-Arcandor-Chef: Thomas Middelhoffs dubiose Geschäfte

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Thomas Middelhoff im Gericht

von Henryk Hielscher

Millionenboni, Luxusflüge, verfilzte Strukturen - jetzt beginnt die Gerichtsschlacht zwischen Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg und Thomas Middelhoff. Muss der frühere Konzernchef 175 Millionen Euro Schadensersatz zahlen?

Am Ende könnte ihm der Rotwein zum Verhängnis werden. Nicht die fragwürdigen Immobiliendeals, die Millionen-Boni oder gar die engen Bande zu seinem Vermögensberater Josef Esch. Zu guter Letzt dürfte es für Thomas Middelhoff um eine Doppel-Magnumflasche Château Cheval Blanc gehen und um die Frage: privater Genuss oder dienstlicher Aufwand? Entkorkt und serviert, so viel ist unstrittig, wurde der Bordeaux, dem allgemein ein langer Nachhall attestiert wird, in seinem Feriendomizil im südfranzösischen St. Tropez – rein beruflich bedingt, zur Bewirtung von Führungskräften. So zumindest argumentieren die Anwälte des Ex-Arcandor-Chefs. Middelhoff stellte Arcandor für den Tropfen nebst Blumen und Tischdeko 2200 Euro als Eigenbeleg in Rechnung.

Geht es nach Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg, zeige die Sause an der Côte d’Azur, bei der teilweise auch die Ehefrauen der Manager dabei waren „exemplarisch, wie bedenkenlos“ Middelhoff „nach Gutsherrenart in die Gesellschaftskasse griff und sich nicht entblödete, seinen Rotweinkonsum am Urlaubsort als Spesen abzurechnen“.Managementklausur oder Rotwein-Sause, korrekte Spesenabrechnung oder Griff in die Kasse? Bis geklärt ist, wessen Interpretation stimmt, dürften noch Monate oder gar Jahre vergehen. Denn das Magnum-Mirakel ist Teil einer der wohl spektakulärsten wirtschaftsjuristischen Auseinandersetzungen.

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Tausende Leitz-Ordner lagern in drei Kellerräumen in der Essener Hauptverwaltung des früheren KarstadtQuelle-Konzerns. Unzählige Seiten aus den Akten haben die Parteien in den vergangenen Monaten gesichtet, um sich für den Showdown vor Gericht zu präparieren. Ein wichtiger Teil der Dokumente liegt auch der WirtschaftsWoche vor. Aus den Puzzleteilen lässt sich so erstmals das Gesamtbild eines chronisch filzanfälligen Konzerns rekonstruieren. Eines Unternehmens, dessen Spitzenkräfte mit barockem Habitus noch Millionensummen einstrichen, als die größte Pleite der deutschen Nachkriegsgeschichte bereits nahte. Und dessen Aufsichtsräte vor allem bei der Begründung von Boni Kreativität bewiesen.

Im Zentrum des Interesses steht dabei Thomas Middelhoff. Gleich in zwei Verfahren klagt der Insolvenzverwalter gegen ihn und weitere Manager und fordert im ersten Verfahren 175 Millionen Euro, im zweiten knapp 16 Millionen Euro. Middelhoff ließ mehrere Anfragen der WirtschaftsWoche zu dem Themenkomplex unbeantwortet.

Doch gegen Görgs Vorwürfe keilte er bereits zurück. Seine Anwälte sprachen Anfang März von Prozessbetrug und erstatteten ihrerseits Anzeige gegen Görg. Seine Klagen „entbehren der Grundlage“. Doch auch unabhängig von Görg droht Middelhoff weiterer juristischer Ärger (siehe Infoboxen).

Ob Middelhoff letztlich auch nur einen Cent Schadensersatz zahlen muss, ob die Staatsanwälte je Anklage erheben oder die Ermittlungen einstellen, ist noch völlig offen. Dennoch sind die Verfahren wichtig – schon aus Gründen der Hygiene.

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Schon weit vor der Pleite im Juni 2009 war der KarstadtQuelle-Konzern nicht als Zentrum guter Unternehmensführung bekannt. Zu eng waren die Beziehungen zwischen Middelhoff, dessen Vermögensberater Esch, dem Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim und Großaktionärin Madeleine Schickedanz. Ihr Geflecht aus Geschäftsbeziehungen, Interessen und Abhängigkeiten erinnert denn auch weniger an die reine Lehre der Corporate Governance als an die Verästelungen des städtischen U-Bahn-Netzes.

In den vergangenen Monaten allerdings ist die Atmosphäre zwischen den Beteiligten offenbar deutlich abgekühlt. „Wechselseitige Verstimmungen“ seien „nicht zu bestreiten“, sagt ein Sprecher der Oppenheim-Esch Gruppe, dem von Esch gesteuerten Immobilien- und Anlageimperium.

Knatsch in der Karstadt-Connection? Das wäre ein Novum in der Liaison zwischen Esch und Middelhoff, die vor mehr als zehn Jahren begonnen hat.

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