Prozess: Vier Jahre Haft für Alexander Falk

Prozess: Vier Jahre Haft für Alexander Falk

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Alexander Falk (r.) mit seinem Rechtsanwalt Thomas Bliwier

157 Verhandlungstage, 75 Zeugen und 786 Aktenordner mit 235.000 Seiten Dokumenten - die Materialschlacht zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung im Falk-Prozess ist vorläufig zu Ende: Der Internet-Unternehmer Alexander Falk soll wegen versuchtem Betrugs und Bilanzfälschung vier Jahre in Haft.

In einem der spektakulärsten Wirtschaftsstrafverfahren hat das Hamburger Landgericht den früheren Internetunternehmer Alexander Falk zu vier Jahren Haft verurteilt. Die Richter hielten Falk des versuchten Betrugs für schuldig.

Bereits seit Dezember 2004 versuchte die Große Strafkammer des Landgerichts zu klären, ob Falk beim Verkauf seines Internet-Unternehmens Ision an die britische Energis im Jahr 2000 die Umsatzzahlen aufgebläht hat, um den Kaufpreis nach oben zu treiben. Das Verfahren erwies sich dabei als ähnlich weitgefächert - bisweilen auch unübersichtlich - wie die Stadtpläne, die den Namen seiner Familie tragen.

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Angefangen hat alles 1997. Mit den Erlösen aus dem Verkauf des Stadtplanverlages, den sein Vater gegründet hatte, steigt der Jungunternehmer in das Internet-Geschäft ein und bündelt Online-Unternehmen unter dem Dach der Schweizer Holding Distefora, darunter auch die Firma Ision.

In der Hochphase des Neuen Marktes bringt Falk Ision an die Börse, wenig später verkauft er die Mehrheit an dem Unternehmen für insgesamt rund 800 Millionen Euro an die britische Telekomfirma Energis.

Doch der hohe Kaufpreis wird den Briten zum Verhängnis. Als die Börsen abstürzen, schlittern auch Ision und Energis in die Pleite. Schnell kommt der Verdacht auf, dass bei den Verkaufsverhandlungen nicht alles sauber zu ging. Bei den Übernahmegesprächen seien überhöhte Umsatzzahlen präsentiert worden, um den Kaufpreis nach oben zu treiben, vermutet die Hamburger Staatsanwaltschaft und erwirkt im Juni 2003 einen Haftbefehl gegen Falk.

Der Verdacht erhärtet sich, als das angebliche Protokoll eines „Kick-off-Meeting" auftaucht. Aus dem Schreiben geht hervor, dass sich Falk drei Monate vor dem spektakulären Energis-Deal mit einem kleinen Kreis von sechs Vertrauten im Hamburger Büro der Ision AG traf, um kursstützende Maßnahmen zu vereinbaren. Doch der vermeintliche Beweis entpuppt sich als Fälschung. Der Mitangeklagte Ralph S. räumt ein, dass das Protokoll mit dem mutmaßlichen Betrugsplan eine Erfindung ist. Er habe mit diesem Dokument seine Chefs unter Druck setzen wollen.

Dennoch geht der Prozess vor dem Hamburger Landgericht weiter - bis heute. 786 Beweismittelordner mit rund 235 000 Blatt, sichtet das Gericht. Insgesamt werden 75 Zeugen und zwei Sachverständige angehört. Dabei habe sich das Gericht mit bestimmten Fragen aus „Prozessökonomie" gar nicht befasst, räumt der Vorsitzende Richter Nikolaus Berger ein.

Dennoch ist Berger sich sicher: „Der für den Betrugsversuch notwendige Schädigungsvorsatz der Angeklagten steht nach Überzeugung der Kammer fest." Falk, für den seine Verteidiger einen Freispruch gefordert hatten, kündigt den Gang in die Revision zum Bundesgerichtshof an. „Ich denke, dass wir eine gute Chance haben in der Revision. Der Betrugsvorwurf ist einfach absurd", sagt er.

Offen ist, ob die Staatsanwaltschaft ebenfalls Rechtsmittel einlegt. „Wir haben eine Woche Zeit, das zu prüfen", sagte Anklagevertreterin Nana Frombach. Sie hielt Falk des vollendeten Betrugs für überführt und hatte auf fünf Jahre und neun Monate Haft plädiert. Ebenso wie Falk nannte Frombach das Urteil, „keine Überraschung".

Das Gericht hatte bereits im Oktober 2006 in einer Zwischenbilanz des Verfahrens deutlich gemacht, im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft nur vom einem versuchten, nicht aber von einem vollendeten Betrug auszugehen. Zwar sahen die Richter im Urteil nun die Anklagevorwürfe „mit vielfältigen Ergänzungen ganz überwiegend bestätigt", sagte Richter Berger.

Da jedoch der Schaden des Betrugs nicht sicher zu bestimmen war, konnten die Angeklagten nur wegen eines versuchten Betrugs oder der Beihilfe dazu verurteilt werden. Die Staatsanwaltschaft hatte den Schaden mit gut 37 Millionen Euro beziffert.

Das Gericht sprach Falk, der während des Prozesses 22 Monate in Untersuchungshaft gesessen hatte und unter Auflagen von der Haft verschont ist, schuldig des gemeinschaftlichen versuchten Betrugs in Tateinheit mit einem Verstoß gegen das Aktiengesetz sowie der Beihilfe zur Bilanzfälschung. Der ehemalige Finanzvorstand der Ision bekam eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren.

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