Qimonda : Notwendiger Schritt in die Insolvenz

KommentarQimonda : Notwendiger Schritt in die Insolvenz

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ARCHIV - Eine rote Ampel steht am 18.12.2008 in Dresden am Eingang des krisengeschüttelten Speicherchipherstellers Qimonda. Die Infineon-Tochter habe Insolvenzantrag beim Amtsgericht München gestellt, sagte eine Gerichtssprecherin der Deutschen Presse-Agentur dpa am Freitag.

Der seit Monaten kriselnde Speicherchiphersteller Qimonda hat heute einen Insolvenzantrag eingereicht. So hart das für die weltweit 13500 Beschäftigten, davon 4.700 in Deutschland, der Infineon-Tochter erscheinen mag – es ist ein notwendiger Schritt. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Michael Kroker.

Es war lange erwartet worden: Dem kriselnden Speicherchiphersteller Qimonda ist das Geld ausgegangen, er hat einen Insolvenzantrag gestellt.

Eine Überraschung ist das freilich nicht: Die im August 2006 unter dem Kunstnamen Qimonda an die Börse gebrachte Tochter des Dax-Konzerns Infineon schrieb seit dem zweiten Kalenderquartal 2007 rote Zahlen; seit dem vierten Quartal desselben Jahres übertraf das Minus sogar stets den Umsatz.

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Im Dezember 2008 war der Bargeldabfluss bereits so dramatisch, dass der Freistaat Sachsen, das Land Portugal und der Mutterkonzern Infineon eilig Finanzhilfen in Höhe von 325 Millionen Euro zusagten.

Geholfen hat das alles nicht. Erst gestern machten Gerüchte die Runde, bei Qimonda hätte sich eine zusätzliche Finanzierungslücke in Höhe von weiteren 300 Millionen Euro aufgetan. Grund sei der Preis für Speicherchips, der in den vergangenen Wochen noch dramatischer gefallen sei als bereits zuvor befürchtet.

Damit bestätigte sich freilich auch, was Kritiker des Rettungspakets bereits im Dezember unkten: Qimonda werde auch mit staatlicher Unterstützung ein Fass ohne Boden bleiben, das immer weitere Finanzspritzen benötigen werde.

Der Verzicht der Politik auf weitere Finanzspritzen in dreistelliger Millionenhöhe für den Chiphersteller ist folgerichtig

Bei Lichte betrachtet liegen die Gründe auf der Hand: Speicherchips sind Massenware, die ausschließlich über den Preis verkauft werden. Weil in dem Markt seit Jahren ein Überangebot herrscht und die vielfach prophezeite Konsolidierung – und damit eine Marktbereinigung – nicht stattgefunden hat, befinden sich die Preise seit mehreren Quartalen im Sturzflug.

Denn technische Innovationen – und damit eine Unterscheidung der Hersteller – finden nur auf Basis des nächsten Verkleinerungsschritts bei der Fertigung der Halbleiterbausteine statt. Dieses Rennen um die ständige Aufrüstung der eigenen Fabriken zehrt freilich enorm am Kapital.

Gleichzeitig ist den Kunden von Qimonda & Co. – den Produzenten von Computern, Handys und Spielkonsolen – letztlich völlig egal, welche Speicherriegel sie in ihren Geräten verbauen.

Die Folge: Außer Marktführer Samsung müssen alle Anbieter, egal ob Micron aus den USA, Hynix aus Südkorea, Elpida aus Japan oder Nanya aus Taiwan, unterhalb ihrer Fertigungskosten verkaufen.

Einziger Ausweg aus der Misere ist, dass einer oder mehrere Anbieter ausscheiden und damit Kapazitäten aus dem Markt verschwinden. Bisher wurde diese Konsolidierung durch politische Intervention immer wieder verhindert: Vor acht Jahren stand beispielsweise Hynix auf der Kippe, wurde aber durch Milliardenkredite mehrerer staatlicher und halbstaatlicher Banken gerettet.

In Taiwan drängt die Regierung aktuell auf einen Zusammenschluss mehrere kleiner lokaler Anbieter, um die eigene Industrie zu schützen.

So hart das für die Beschäftigten von Qimonda klingen mag – der Verzicht der Politik auf weitere Finanzspritzen in dreistelliger Millionenhöhe für den Chiphersteller ist folgerichtig.

Zwar hat Qimonda stets betont, eine neue Fertigungstechnik entwickelt zu haben, mit der man der Konkurrenz 18 Monate voraus sei. Als tragfähiges Zukunftskonzept hat dies potenzielle Kapitalgeber aber offenbar nicht überzeugt.

Ein – kleiner – Hoffnungsschimmer bleibt indes: Möglicherweise kauft ein Konkurrent die Qimonda-Technologie – so sie denn wirklich einen Vorteil im Wettbewerb der Speicherchipbranche bietet – aus der Insolvenzmasse heraus.

Das scheint zum derzeitigen Zeitpunkt die einzige Perspektive, wenigstens einen Teil der Arbeitsplätze ohne dauerhafte Subventionen zu erhalten.

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