Qualcomm-Chef Paul Jacobs : "Das Handy ist der künftige Computer"

Qualcomm-Chef Paul Jacobs : "Das Handy ist der künftige Computer"

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Qualcomm-Chef Marc Jacobs

Der Mobilfunkchipgigant Qualcomm will mit einem Smartbook die Lücke zwischen Handy und Netbook füllen. Qualcomm-Chef Jacobs spricht zudem über Kritik an seinem Lizenzgebührenmodell und dem Streit mit Nokia.

WirtschaftsWoche: Mr. Jacobs, Sie setzen auf sogenannte Smartbooks, haben dafür einen eigenen Prozessor entwickelt. Das soll eine Art Mischung aus Handy und Notebook mit größerem Display und Tastatur werden, mit dem man bequem im Internet surfen sowie E-Mails und Dokumente bearbeiten kann. Das können aber auch Netbooks – die abgespeckten Notebooks, der momentan wichtigste Wachstumsmarkt der PC-Branche. Wozu braucht man ein Smartbook?

Jacobs: Es ist ein ganz anderes Produkt. Netbooks muss ich erst lange hochfahren, das Smartbook ist sofort einsatzbereit und ständig an. Trotzdem verbraucht es nur einen Bruchteil der Energie der Netbooks, weil der von uns entwickelte Snapdragon-Prozessor weniger Hitze erzeugt und genügsamer im Verbrauch ist.

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Intel drängt stark in den gleichen Markt für ultramobile Computer. Suchen Sie die Auseinandersetzung mit Intel?

Ich habe genug Schlachten geschlagen, seit ich CEO wurde. Wir arbeiten sehr gut mit Intel zusammen, wie bei Gobi, das ist ein Chip von uns, der sowohl drahtloses Internet als auch Mobilfunk integriert. Intel ist sowohl Partner als auch Konkurrent.

Warum ist für Qualcomm der Computermarkt so wichtig? Sie sind doch stark im Handygeschäft vertreten.

Das Handy ist der künftige Computer. Es ist für uns eine natürliche Evolution. In der Zukunft wird in jedem elektronischen Gerät ein Mobilfunkchip stecken, um Informationen mit dem Internet auszutauschen – von Notebooks über Strommessgeräte im Haushalt bis hin zu medizinischen Geräten, die Herzschlag und Blutdruck automatisch kontrollieren.

Viel davon wurde schon in den Neunzigerjahren angekündigt – demnach müssten wir heute beim Einkaufen nur noch mit unserem Handy bezahlen. Warum sollte sich das jetzt bewahrheiten?

Weil erst eine Menge Dinge hinter den Kulissen geschehen mussten: die Preise für Smartphones herunterbringen, ihre Bedienung erleichtern, die Kosten für deren Gebrauch in den Mobilfunknetzen senken, eine kritische Masse an Kunden erreichen. All das ist geschehen.

Wir haben auch Apples iPhone einiges zu verdanken. Apple ist gut im Marketing, das hat vielen Leuten die Augen geöffnet, ach, ein Handy kann all das?Ihr Verhältnis zu dem Handyriesen Nokia war lange schwierig. Nokia sah nicht ein, warum es Lizenzgebühren an Qualcomm zahlen sollte.

Vom Geschäftlichen her war es angespannt. Persönlich hatten wir immer ein gutes Verhältnis und Respekt voreinander. Ich habe eine sehr gute Beziehung mit Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo.

Warum hat die Einigung mit Nokia trotzdem so lange gedauert?

Vielleicht sind beide Unternehmen etwas dickköpfig. Es brauchte etwas Druck von außen, in diesem Fall eine drohende gerichtliche Auseinandersetzung, um einen Kompromiss zu erzielen.

Qualcomms Lizenzmodell wird von Wettbewerbshütern in Europa und Asien kritisiert. Ihnen wird vorgeworfen, Herstellern überhöhte Lizenzgebühren für Ihre Mobilfunkpatente aufzuzwingen. Wie verteidigen Sie sich?

Vor dem Start des UMTS-Markts, also des Mobilfunkstandards der dritten Generation, gab es viele Beschwerden, dass wir aufgrund unserer patentierten Technologie und der dafür fälligen Lizenzgebühren das Wachstum verlangsamen würden und die Preise erhöhen. Tatsächlich ist der Markt wie verrückt gewachsen. Wir entwickeln unsere Technologie weiter, investieren dort Milliarden, lizenzieren an jeden, schließen niemanden aus. Die Lizenzgebühr ist für alle gleich. Dadurch ist meiner Meinung nach erst richtig Wettbewerb entstanden.

Qualcomm profitiert stark von seinen Patenten. Doch sie sind umstritten, weil sie immer mehr als Abwehr gegenüber Konkurrenten eingesetzt werden. Behindern sie den Fortschritt?

Qualcomm wäre ohne Patente nicht da, wo wir heute sind. Aber wir lizenzieren sie. Unsere Strategie ist nicht, die Industrie zu stoppen, im Gegenteil. Sicher zahlt niemand gern freiwillig Lizenzgebühren. Aber es muss eben auch ein Anreiz da sein, um neue Sachen zu erfinden und in den Markt zu bringen.

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