Quartalszahlen: Apple stellt neuen Umsatzrekord auf

Quartalszahlen: Apple stellt neuen Umsatzrekord auf

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7,3 Millionen iPads gingen bereits über die Ladentheke

von Matthias Hohensee

Apple hat im Weihnachtsgeschäft sechs Milliarden Dollar Profit erzielt. Und das, obwohl den kalifornischen Konzern Lieferprobleme plagen.

Der Zeitpunkt der schlechten Nachricht war mit Bedacht gewählt. Als Apple-Chef Steve Jobs am Montag seinen Mitarbeitern in einer E-Mail mitteilte, dass er aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit nehmen müsse und Operativchef Tim Cook vorübergehend das Unternehmen führen werde, hatten die US-Börsen wegen des Martin Luther King Feiertags geschlossen.  Für den Dienstag nach Börsenschluss wiederum war die Bekanntgabe der Quartalszahlen von Apple geplant. Dies gab den Apple-Anlegern etwas Bedenkzeit und verhinderte allzu überstürzte Verkäufe. Am Dienstag schloss die Aktie in New York mit 7,8 Prozent Verlust, weniger als erwartet. Der Mittwoch wird nun zeigen, wie Investoren die Zukunft von Apple ohne Steve Jobs einschätzen. In der vergangenen Woche war das mit 319 Milliarden Dollar bewertete Unternehmen nur noch 80 Milliarden Dollar davon entfernt, Exxon Mobil als wertvollste Firma der Welt abzulösen – so dicht wie noch nie. Apple hat zudem 50 Milliarden Dollar in Barreserven angehäuft.

Die am Dienstagnachmittag in Kalifornien verkündeten Quartalszahlen setzten wie erwartet neue Rekorde. Im vergangenen Quartal, das am 25. Dezember 2010 endete, setzte Apple 26,7 Milliarden Dollar um – elf Milliarden Dollar mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahrs, wobei dieses schon am 9. Dezember endete und so nur einen Teil des Weihnachtsgeschäfts mitnahm. Der Profit stieg von 3,3 Milliarden auf sechs Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Volkswagen erzielte einen Vorsteuergewinn von 1,2 Milliarden Euro – im gesamten Geschäftsjahr 2009.

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Allein mit dem Verkauf von iPhones nahm Apple 10,1 Milliarden Dollar ein. Von seinem neuen Flachcomputer iPad gingen 7,3 Millionen Exemplare weltweit über die Ladentische. „Wir hätten noch mehr iPhones verkaufen können, wenn wir hätten liefern können“, sagt Apple-Finanzchef Peter Oppenheimer. Für das laufende Quartal prognostiziert Oppenheimer einen Umsatz von 22 Milliarden Dollar, nach 13,5 Milliarden Dollar im Vorjahr.

Erwartungen an die Zukunft von Apple

Doch in der Wirtschaft zählen vergangene Erfolge wenig, die Erwartungen an die Zukunft umso mehr. Und – ganz unabhängig von Jobs Zwangspause – weiß man zum ersten Mal seit Jahren nicht so richtig, wo der nächste Bestseller herkommen soll. Früher war das einfacher. Da folgte dem iPod das iPhone, über das seit Jahren spekuliert wurde. Schnell war klar, dass Apple das Momentum für einen Tablet-Computer nutzen würde, eine größere Version seines iPhone. Die Infrastruktur für die dazu notwendigen Anwendungsprogramme war schließlich durch den Appstore und iTunes bereits gelegt. Doch was soll nun die nächste große Innovation sein, die die Herzen höher schlagen lässt und Warteschlangen vor den Geschäften verursacht? Ein von Apple designtes Fernsehgerät? Wahrscheinlich nicht so attraktiv in dem heiß umkämpften Markt. Zumal eine Settop-Box mehr Sinn macht, die Apple mit seinem Apple TV jedoch bereits im Programm hat. Eine Digitalkamera? Hatte Apple schon mal und war nicht sonderlich erfolgreich damit.

„Wir haben eine gute Produkt-Pipline und sind sehr zuversichtlich über die Zukunft des Unternehmens“, sagt Cook. „Das iPad steht erst am Anfang, der Markt ist riesig. Auch der Absatz von Macs hat sich gut entwickelt.“ Allerdings verlagert sich das Wachstum der Computerindustrie derzeit stärker ins Geschäftskundensegment. Dort spielt Apple jedoch fast keine Rolle, sein Serverprodukt XServe wird zum Monatsende vom Markt genommen. Stattdessen sollen seine Mac Pro Rechner als Server genutzt werden. Doch der Konzern hat noch eine Menge Luft. Im PC-Geschäft hat Apple laut dem Beratungsunternehmen Gartner in den USA einen Marktanteil von knapp zehn Prozent. Weltweit liegt er bei nur vier Prozent. Die strikte Trennung zwischen Privatcomputer für den häuslichen Gebrauch und dem auf der Arbeitsstelle gibt es nicht mehr.

Produktneuheiten ohne Jobs?

In den vergangenen Jahren hat Apple zudem seine Produkte so entworfen, dass ihre Hardware nicht ohne weiteres vom Nutzer selber auf den neuesten Stand gebracht werden kann. Ein Neukauf ist viel bequemer. Klar ist, dass es einen Nachfolger vom iPad geben wird, der vermutlich Ende Februar oder März vorgestellt wird. Sein Display wird von LG Electronics geliefert und es wird eine höhere Auflösung haben als sein Vorgänger. Bei den Notebooks ist Apple dabei, seine Gerätereihe auf ein flacheres Design umzustellen. So wie beim Leichtgewicht Macbook Air, das sich dank der fest eingebaut Solid-State-Festplatte nochmal verschlanken konnte.

Es liegt nun an Operativchef Tim Cook und seinem Team, die Klippe zu meistern. Und es könnte sogar sein, dass Cook noch in diesem Jahr als Nachfolger installiert wird. „Ich glaube nicht, dass Jobs wieder zurückkehrt“, meint Mark Anderson, Herausgeber eines einflussreichen Technologie-Newsletters, der sich auch mit dem Bekämpfen von Krankheiten beschäftigt. Er begründet seine Vermutung mit dem aggressiven Krebs, an dem Jobs leidet. Cook hat jedenfalls schon zweimal bewiesen, dass er den Konzern führen kann. Er gilt als nüchtern und detailorientiert. Der passionierte Radfahrer und Kletterer mag nicht das Charisma besitzen, das Jobs so auszeichnet. Doch gerade das hat ihm geholfen, überhaupt auf den Spitzenjob bei Apple vorzudringen. Jobs duldet keine allzu großen Egos neben sich.

Alle Augen auf Cook

Cook hat nun die Chance, sich zu profilieren. Anfang Januar präsentierte er in New York ein neues Modell des Apple iPhone, das auch auf dem Mobilfunknetz von Verizon Wireless funktioniert. Keine weltbewegende Neuheit. Aber für Apples Wachstum extrem wichtig, da Verizon Wireless eine der größten Mobiltelefongesellschaften der USA ist und ihr Netz in punkto Ausbau und Qualität dem des einstigen Apple-Exklusivpartners AT&T als überlegen gilt. Es hilft Apple, den Vormarsch von Googles Handy-Betriebssystem Android zu kontern. Allerdings nur in den USA. Und Android macht sich nicht nur auf Smartphones, sondern auch Notebooks und Tablet-PCs breit. Motorola wird im Frühjahr seinen iPad-Konkurrenten Xoom auf den Markt bringen, auf dem eine speziell für Tablet-Computer entwickelte Android-Version läuft.

Dazu muss Cook gemeinsam mit Apple-Finanzchef Peter Oppenheimer die Gelüste von Großaktionären abwehren. Seit Monaten schon machen diese Druck, dass Apple endlich seine Barreserven von 50 Milliarden Dollar einsetzt. Entweder um ein Unternehmen zu kaufen – wie beispielweise den Online-Filmverleiher Netflix oder die Softwarefirma Adobe – oder aber den Geldsegen in Form einer Dividende auszuschütten. Bislang hatte Jobs solche Forderungen stets abwehren können. Und auch Cook fährt eine harte Linie. Am Dienstag wehrte er allzu forsche Nachfragen nach Übernahmen ab. Aber er gab schon mal die Richtung vor. Statt ein großes Unternehmen zu übernehmen, wolle man lieber stärker in Technologien und Partnerschaften investieren, mit denen man sich vom Wettbewerb absetzen könne. Als Beispiel nannte Cook den langfristigen Abnahmevertrag über Flash Speicherchips, den Apple mit Toshiba geschlossen hatte.

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