Ralf Teckentrup im Interview: "Ganz schnell der Depp"

Ralf Teckentrup im Interview: "Ganz schnell der Depp"

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Ralf Teckentrup, Vorstandsmitglied des Reiseveranstalters Thomas Cook

Der Chef der Fluggesellschaft Condor, Ralf Teckentrup, über die Kürzung des Angebots, mögliche Fusionen und die Ticketpreise.

WirtschaftsWoche: Herr Teckentrup, als der Weltluftfahrtverband Iata vor Kurzem den Einbruch des Fluggeschäfts beklagte, ließen Sie eine große Fete für Geschäftspartner steigen. Erinnert Sie das nicht an das Orchester auf der Titanic, das noch während des Untergangs munter aufspielte?

Teckentrup: Überhaupt nicht. Diesen Branchenevent veranstalten wir schon seit mehreren Jahren, und davon lassen wir uns auch durch einen möglichen Abschwung oder den stark schwankenden Ölpreis nicht abbringen. Grund zur Ausgelassenheit hat die Airline-Industrie derzeit allerdings auch nicht.

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Wie trifft die Konjunkturkrise Touristiker wie Sie?

Die Kunden achten noch stärker als bisher auf die Preise und buchen noch kurzfristiger. Das gilt derzeit vor allem für Passagiere, die ihr Ticket direkt bei uns kaufen, weil sie ihren Urlaub selbst zusammenstellen. Im Geschäft über die Reiseveranstalter, mit dem wir den größten Teil unseres Umsatzes machen, ist für uns der kommende Sommer wichtig, aber die Veranstalter haben ihre Kataloge gerade erst auf den Markt gebracht.

Warum kürzen Sie dann in diesem Winter Ihr Angebot um sechs Prozent auf der Langstrecke und im Europa-Verkehr noch stärker?

Zu konkreten Zahlen kann ich aufgrund der Börsennotierung wie immer nichts sagen. Nur so viel: Ja, wir haben unseren Flugplan angepasst, aber das hatten wir schon länger geplant. Die Kapazität auf die Nachfrage richtig einzustellen ist ganz sicher im Wettbewerb die wichtigste Entscheidung.

Wie entwickelt sich das Geschäft im nächsten Sommer? Streichen Sie dann weitere Flüge?

Wenn ich das jetzt schon wüsste, wäre ich der gefragteste Mensch in der ganzen Branche. Die Nachfrage und wichtige Rahmenbedingungen wie der Rohölpreis ändern sich inzwischen so schnell, dass einige unserer Konkurrenten nicht mal wissen, wie die nächsten drei Monate werden. Aber wir sehen keine Anzeichen, dass die Deutschen auf ihren Familienurlaub komplett verzichten. Damit ist unser Kerngeschäft stabiler als etwa das der Billigflieger, die ja vor allem von Städtereisenden leben.

Der Preis für Flugbenzin ist in den vergangenen drei Monaten um mehr als die Hälfte gefallen. Wann sinken die Flugpreise?

Vorerst nicht. Denn der aktuelle Rückgang des Ölpreises kommt nicht bei uns an.

Warum nicht?

Das liegt an den Preissicherungsgeschäften.

Wir dachten, die machen den Sprit billiger?

Ja und nein. Mit diesen Geschäften sichern sich Fluggesellschaften Preise im Voraus. Beispiel: Explodiert wie im Sommer der Ölpreis auf 140 Dollar pro Barrel und eine Airline ist bei 110 Dollar gesichert, ist der Manager der Held. Fällt dann aber der kurzfristige tagesaktuelle Preis auf 75 Dollar und die Airline muss weiterhin die gesicherten 110 Dollar zahlen, ist der Manager ganz schnell der Depp.

Sie haben über alle denkbaren Allianzen verhandelt – vergebens. Erwarten Sie trotzdem noch eine Fusion in Deutschland?

Nach eineinhalb Jahren Verhandlungen konzentrieren wir uns bei Condor angesichts der aktuellen Krise lieber auf das schwierige Geschäftsjahr, das vor uns liegt.

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