Randy Newman im Interview: "Frauen sind immer noch ein Mysterium für mich"

Randy Newman im Interview: "Frauen sind immer noch ein Mysterium für mich"

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US-Musiker Randy Newman

Randy Newmans Künstlerlaufbahn wirkt wie ein einziges Paradoxon. Einerseits wünscht sich der 1943 in Los Angeles geborene Songwriter (mit 17 schrieb er seine ersten Lieder) nichts mehr als eine unkomplizierte Existenz als typischer Durchschnittsamerikaner (er komponiert täglich von neun bis fünf).

Andererseits zieht er sich – im Gegensatz zum Working-class-Idol Bruce Springsteen – immer wieder den Zorn der kleinen Leute zu, weil er ihnen mit seinen bitter-bissigen Texten allzu oft ihre Unzulänglichkeiten um die Ohren haut.

Mit näselnder, dylanesker Stimme seziert er Leben und Weltanschauung seiner Landsleute: Mal hat er Rednecks und Rassisten aus den Südstaaten im Visier, ein andermal die Kleinwüchsigen („Short people got no reason to live“) und die Kleinkarierten. Seine Texte provozieren so sehr, dass der Bundesstaat Maryland einen seiner Songs sogar schon einmal per Gesetz verbieten lassen wollte. Gleichwohl wurde Newman 17-mal für den Oscar nominiert, erhielt die Auszeichnung aber nur einmal. Nach einer Schaffenskrise meldet sich Newman, der mit seiner zweiten Ehefrau Gretchen und fünf Kindern in Los Angeles lebt, jetzt mit seiner neuen CD „Harps and Angels“ zurück. 

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"Glück ist, wenn man den Mut hat, Dinge zu tun, vor denen man sich sonst aus Angst drücken würde. Zum Beispiel hat mich der große Cellist Yo-Yo Ma gebeten, ein Cello-Stück für ihn zu schreiben. Ich habe wirklich Bammel davor, aber ich werde meine Furcht überwinden und dem Wunsch nachkommen."  "Obwohl ich aus einer jüdischen Familie, komme, bin ich nicht religiös. Ich wünsche, ich könnte an ein Leben nach dem Tod glauben. Im Titelsong meines Albums „Harps and Angels“ schickt ein Mann in Todesnot ein Stoßgebet zum Himmel, obwohl er nicht an Gott glaubt. Aber zu seiner Überraschung wird er erhört, weil da oben in der himmlischen Buchhaltung etwas schiefgelaufen ist. Die Vorstellung, dass Gott fehlbar ist, finde ich besonders reizvoll."  "Viele meiner guten Vorsätze fürs Leben sind auf der Strecke geblieben. Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich zu meinen Kindern Dinge sage, von denen mein Vater immer behauptete, ich hätte sie an ihm gehasst: „Du musst nur dein Bestes tun.“ Oder: „Es ist einfacher, ein guter Junge zu sein als ein schlechter Junge.“

"Weiche Seite nicht unterdrücken"

" Als Musiker bin ich beim Songschreiben ja nicht an bestimmte Arbeitszeiten gebunden. Aber ich habe gelernt, dass ich mein Pensum am besten schaffe, wenn ich mich jeden Tag zur selben Zeit daran begebe. Deshalb stelle ich mir immer wieder ganz stur Tagespläne auf: Training von zwei bis drei, Ausruhen von drei bis vier Uhr. Und so weiter." "Seit meiner Jugend setze ich mich auch in regelmäßigen Abständen hin und schreibe auf, was ich mit dem Rest meines Lebens anfangen will. Ich habe inzwischen wohl schon 70 oder 80 von diesen Plänen erstellt... und mich fast nie dran gehalten."  " Warum ist es nur so schwer, im Leben weise Voraussicht walten zu lassen? Wenn mir jemand sagt: „Was du da auf deinem Teller hast, solltest du nicht essen. Du wirst dir den Magen verderben“, esse ich es trotzdem. Mir fehlt einfach die Selbstdisziplin."   "Man sollte seine weiche Seite nicht unterdrücken. Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass die menschliche Berührung zum Schönsten überhaupt gehört. Wenn ich ein paar Tage nicht berührt worden bin und mir dann jemand auch nur auf die Schulter klopft, geht mir das durch und durch."  "Frauen sind immer noch ein Mysterium für mich. Ich habe fünf Kinder im Alter zwischen 15 und 40. Vier Söhne und eine Tochter. Sie ist das jüngste Kind. Eine gute Freundin von mir, die drei Jungs und ein Mädchen hat, sagte mal: „Wenn ich das Mädchen zuerst bekommen hätte, hätte ich gedacht, die Jungs sind geistig zurückgeblieben.“"  

"Mädchen denken einfach viel schneller. Und sie sind unberechenbar. Es ist ja sehr schwierig, meine Gefühle zu verletzen – außer was meine Arbeit betrifft. Aber meine Tochter schafft es hier und da. Kürzlich gingen wir in L.A. zusammen essen. Im Restaurant sagte meine Frau zu unserer Tochter: „Könntest du deinen Stuhl bitte Papa lassen?“ Sie maulte: „Warum?“ Meine Frau antwortete: „Du weißt doch, Dad sitzt gern mit dem Rücken zum Restaurant.“ Sie quengelte rum, dachte eine Weile nach, zog ein zorniges Gesicht und rief: „So berühmt bist du nun auch wieder nicht, Dad!“ Klatsch! Peng! Wenn man auch nur mal zwei Zentimeter vom Boden abhebt, kriegt man gleich einen drauf!"  "Ich glaube, Mädchen sind in ihrem Verhalten grundsätzlich extremer als Jungen. Meine Tochter ist das zickigste meiner fünf Kinder. Aber sie ist auch von allen dasjenige, das am zärtlichsten zu mir ist – wenn sie sich denn mal entschieden hat, nett zu sein."   "Es ist schlecht, sich zu sehr von der Welt abzuschotten. Ich habe über viele Jahre immer nur mit meinen Freunden telefoniert, statt mich mit ihnen zu treffen und mit ihnen zum Bowlen zu gehen oder zum Essen. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass mir mein Vater das so vorgelebt hat. Als Arzt hatte er tagsüber so viel mit Menschen zu tun, dass er nach der Arbeit nur noch seine Ruhe haben wollte."   "Ich hoffe sehr, dass Barack Obama die nächste Präsidentenwahl in den USA gewinnt. Um dieses Thema geht es in meinem Song „A Few Words“. Ich denke, Obama hat eine Chance, weil er viel mehr Energie hat als McCain. Mir hat Hillary Clintons Wahlkampf nicht gefallen. Aber ich denke, es ist grundsätzlich schon einmal ein großer Schritt vorwärts für die Vereinigten Staaten, dass sich ein Schwarzer und eine Frau um die Präsidentschaftskandidatur beworben haben."

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