Ratan Tata: Der Gentleman

Ratan Tata: Der Gentleman

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Um bei Jaguar aufzuräumen, wirkt Ratan Tata wie eine Fehlbesetzung.

Um bei Jaguar aufzuräumen, wirkt Ratan Tata wie eine Fehlbesetzung. Der Magnat mit den graumelierten Schläfen gilt als zurückhaltend und höflich, als Gentleman mit tadellosen Umgangsformen, der leisen, aber niemals überflüssigen Töne.

Um bei Jaguar aufzuräumen, wirkt Ratan Tata wie eine Fehlbesetzung. Der Magnat mit den graumelierten Schläfen gilt als zurückhaltend und höflich, als Gentleman mit tadellosen Umgangsformen, der leisen, aber niemals überflüssigen Töne. Damit widerspricht er dem Typus des aggressiven Aufsteigers aus Schwellenländern. Anders als sein Landsmann Lakshmi Mittal, der Stahlgigant, agiert Tata mit Samthandschuhen. Er ist gläubiger Parse. Der Religion aus dem Mittleren Osten, die für Toleranz und Caritas bekannt ist, gehörte etwa auch Feroze Gandhi an, der Ehemann der ermordeten, früheren indischen Ministerpräsidentin Indira Gandhi.

Der studierte Architekt Tata ist der letzte Spross einer indischen Dynastie, die die Wirtschaftsentwicklung des Landes seit Ende des 19. Jahrhunderts geprägt hat. Grundstein des Familienimperiums war ein Handelskontor, das Tatas Urahn Jamsetji Tata 1868 eröffnete. Es folgten Garn- und Tuchfabriken, Indiens erste Stahlhütte, das erste private Kraftwerk und eine Luftfahrtgesellschaft.

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Als der Harvard-Absolvent 1962 in den Konzern einstieg, erkämpfte er sich seine Lorbeeren durch harte Arbeit. Er schuftete in der Tata-Stahlfabrik in Jamshedpur. 1991 übernahm er Tata als Konzern aus fast 300 zerstrittenen Unternehmen. Er schrumpfte die 35 Geschäftsbereiche auf sieben zusammen, entließ Tausende von Mitarbeitern und tauschte die Führung aus. Den Plan dazu hatte er zehn Jahre zuvor entworfen.

Trotz des rigiden Konzernumbaus gilt der 70-Jährige bis heute als einer der beliebtesten Arbeitgeber des Landes. In seiner Freizeit ist er begeisterter Flieger, der hin und wieder als Copilot Kampfjets der Typen F-16 und F-18 lenkt und selbst einen Falcon-Jet besitzt. Die in Indien verbreitete Schmiergeldpraxis ist bei Tata verpönt. Der Konzern gehört zu 65,8 Prozent mehreren Stiftungen, zwei Drittel der Gewinne kommen wohltätigen Zwecken zugute.

Der Subkontinent mit seinen über eine Milliarde Einwohnern ist heute ohne Tata kaum mehr vorstellbar. Inder tragen Tata-Uhren, trinken Tata-Tee, telefonieren mit dem Telekom-Anbieter Tata und übernachten in Tata-Hotels. Demnächst sollen sie auch noch mehr Auto fahren: mit einem indischen Volkswagen namens „Nano“ für umrechnet 1700 Euro, made by Tata.

In vier Jahren will der Konzernherr in Rente gehen. Bis dahin wird der Tata-Umsatz durch die Übernahme von Jaguar und Land Rover, aber auch des niederländisch-britischen Stahlkonzerns Corus vor gut einem Jahr einen großen Sprung tun. Den Abgang fürchten die Mitarbeiter und die Aktionäre. Denn einen Tata junior wird es nicht geben. Ratan Tata ist Junggeselle, kinderlos – und teilt sich die Wohnung mit seinen Schäferhunden Tito und Tango. n

1. Tata-Nobelherberge Taj Mahal, 2. Stahlwerk von Corus Tata Steel, 3.Tata-Elektrizitätswerk, 4. Hobby-Flieger Tata (r.) mit Kampfjet, 5. Tata-Billigvolkswagen Nano, 6. Tata-Tee, 7. Alter Stadtpalast der Familie Tata Zwei Drittel des Konzerngewinns gehen an Stiftungen.

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