Ratiopharm: Geld und Geschenke für Ärzte

Ratiopharm: Geld und Geschenke für Ärzte

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Generika-Hersteller Hexal: Mit dubiosen Methoden vom Konkurrenten Ratiopharm bekämpft

von Jürgen Salz und Christian Schlesiger

Mit Geschenken, Gutscheinen, Geld und Umsatzbeteiligung köderte Ratiopharm Ärzte. Geheime Unterlagen zeigen nun im Detail, mit welch dubiosen Methoden der Pharmahersteller seinen Konkurrenten Hexal bekämpfte.

96 Seiten ist der Ermittlungsbericht lang, und er gibt einen Einblick davon, wie es um das moralische Innenleben eines Medikamentenkonzerns noch jüngst bestellt war. Penibel haben Ermittler der Landespolizeidirektion Tübingen E-Mails und Tagungsunterlagen des Pillenherstellers Ratiopharm ausgewertet, die sie bei Managern und Außendienstmitarbeitern im Herbst 2006 sicherstellen ließen. „Alle Mittel einsetzen!“, heißt es da.

An anderer Stelle: „Umsatz um jeden Preis!“ Oder auch mal schlicht: „Verordner kaufen.“ Der komplette, bisher unter Verschluss gehaltene Bericht liegt der WirtschaftsWoche vor. Die Anti-Korruptions-Organisation Wikileaks hat das Dokument der WirtschaftsWoche zugänglich gemacht und auf ihrer Internet-Seite publiziert.

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Ratiopharm: Agressives Vorgehen gegen Hexal

Zwischen 1996 und 2005, so der Vorwurf, soll Ratiopharm Ärzte mit Geld, Gutscheinen und Geschenken dazu gebracht haben, bevorzugt Ratiopharm-Präparate zu verschreiben. Mediziner wurden danach am Umsatz der Medikamente beteiligt – oft mit 2,5 Prozent vom Apothekenverkaufspreis. Nach den Erkenntnissen der Fahnder könnten sich die Zahlungen an die Ärzte in den Jahren 2000 bis 2005 auf rund 1,7 Millionen Euro summieren. Ermittlungen laufen noch.

Der Bericht zeigt klar, gegen wen sich das aggressive Vorgehen von Ratiopharm vor allem richtete: den Konkurrenten Hexal. Der aufstrebende Wettbewerber aus dem bayrischen Holzkirchen war Ratiopharm, dem Erfinder der Billigmedikamente in Deutschland, ein Dorn im Auge.

Ratiopharm belohnte fügige Mediziner

Von einer „Anti-Hexal-Strategie“ ist in einem Ratiopharm-Protokoll bereits 2000 zu lesen. 2003, im sich verschärfenden Konkurrenzkampf mit Hexal, belohnt Ratiopharm Mediziner, die brav ein Ratiopharm-Cholesterinmittel verschreiben, nach den Erkenntnissen der Ermittler mit modernen Chipkartenlesegeräten für die Praxis im Wert von jeweils 250 Euro.

2005, nur wenige Wochen, nachdem Hexal vom Schweizer Pharmariesen Novartis übernommen und dessen Generika-Tochter Sandoz angegliedert wurde, ist bei Ratiopharm schon der „Schwerpunkt: Sandoz-, Hexal-Praxen...“ ausgemacht. Außendienstler sollen nun offenbar Ärzte, die viele Hexal- und Sandoz-Präparate verschreiben, für Ratiopharm gewinnen. Selbst Apotheker, die ihr Sortiment eher an der Konkurrenz ausrichten, geraten nun offensichtlich ins Visier. Auf einer Ratiopharm-Tagung am 3. Juni 2005 heißt es, dass Regionalleiter künftig die Anzahl der „Apotheken, die von Hexal, Stada...weggeholt wurden“, bekannt geben sollen. Am Ende konnten die dubiosen Vertriebsmethoden nicht verhindern, dass Hexal an Ratiopharm vorbeizog.

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5 Kommentare zu Ratiopharm: Geld und Geschenke für Ärzte

  • Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie niemals ihren Arzt und schon garnicht irgend einen Apotheker!!

  • Würde mich interresieren, wie andere Pharmafirmen auf dem Markt agieren. böse, böse Ratipharm

  • Welche Firma handelt anders ?
    ist in sämtlichen Pharmafirmen üblich - Lobbypraxis - leider.
    Hexal ?? erst nachschauen - dann berichten.

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