Ratiopharm: Geld und Geschenke für Ärzte - Seite 3

Ratiopharm: Geld und Geschenke für Ärzte

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Ausrisse aus dem Ermittlungsbericht: Aggressive Sprache und besondere Aufmerksamkeiten für Ärzte
Ausrisse aus dem Ermittlungsbericht: Aggressive Sprache und besondere Aufmerksamkeiten für Ärzte

Später, am 17. Juli 2003, schrieb ein Manager an alle Mitarbeiter des Arztpraxen-Außendienstes: „Sie müssen hart nachfassen und nicht alles glauben, was Ihnen gesagt und versprochen wurde und wird. Kontrolle und Hartnäckigkeit (Dranbleiben) sind gefragt!“

Hexal war aber kaum noch aufzuhalten, dank Simvastatin stiegen die Umsätze. Stück für Stück bauten die Holzkirchener ihre Marktposition in Deutschland aus. 2006 zog Hexal an Ratiopharm vorbei. Das Merckle-Unternehmen hat die Poleposition bisher nicht zurückgewinnen können.

Ratiopharm hatte auch andere Sorgen. Im Herbst 2005 deckte das Magazin „Stern“ erstmals die dubiosen Vertriebspraktiken auf.

Staatsanwaltschaften frieren Verfahren ein

„Die genannten Vorgänge stammen aus den Jahren 2002 bis 2005. Ratiopharm hat seinerzeit niemanden geschädigt und nicht gegen Gesetze verstoßen“, sagt aktuell ein Sprecher von Ratiopharm. Die Staatsanwaltschaften in Frankfurt, Bochum, Hagen sowie weiteren Städten seien offensichtlich zu demselben Schluss gekommen und hätten das Verfahren gegen Ärzte eingestellt, da kein Straftatbestand vorliege und kein Vermögensschaden feststellbar sei, so der Sprecher.

In der Tat erklären Juristen, dass Korruption nur bei Amtsträgern und Angestellten des öffentlichen Dienstes strafbar sei – nicht aber bei niedergelassenen Ärzten.

„Gleichwohl nimmt Ratiopharm seit vielen Jahren Abstand von sämtlichen vertriebsfördernden Maßnahmen, die von der Öffentlichkeit als unredlich empfunden werden könnten“, sagt der Sprecher. „Unser Haus arbeitet deshalb nach strengen Marketing- und Vertriebsrichtlinien.“

Ratiopharm-Verkauf im vollen Gange

Noch laufen allerdings auch noch Verfahren gegen Mediziner. Und die Staatsanwaltschaft in Ulm ermittelt weiterhin gegen damals verantwortliche Ratiopharm-Manager.

Das Unternehmen steht inzwischen zum Verkauf. Gründer Merckle hatte sich finanziell verhoben; er nahm sich im Januar das Leben. Analysten erwarten einen Kaufpreis zwischen zwei und drei Milliarden Euro. Für Hexal erzielten die Strüngmann-Brüder dagegen von Novartis 2005 stolze 5,6 Milliarden Euro.

Von dem Geld ist wohl noch etwas übrig. Doch von der Idee, damit Ratiopharm zu übernehmen, hält Thomas Strüngmann nichts, wie er gegenüber der WirtschaftsWoche klarstellt: „Wir haben kein Interesse an Ratiopharm. Das können wir den früheren Hexal-Mitarbeitern nicht antun.“

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.11.2009, 12:59 UhrAnonymer Benutzer: Plexor

    ich schäme mich für diese Welt......es geht auch anders!

  • 22.11.2009, 01:31 UhrAnonymer Benutzer: A.Spirin

    Das in einer branche, die für Gewinn besonders buchstäblich über Leichen geht, mit Konkurrenten auch nicht human umgegangen wird muß einen nicht wundern. Allerdings muß man das deshalb noch lange nicht gutheißen. ich komme gerade in das Haupt-Zielgruppenalter und spätestens nach diesem Artikel wird man aus meinem Mund sicher nicht "gibt's auch was von Ratiopharm?" hören.

  • 18.11.2009, 22:01 UhrAnonymer Benutzer: Esther

    Welche Firma handelt anders ?
    ist in sämtlichen Pharmafirmen üblich - Lobbypraxis - leider.
    Hexal ?? erst nachschauen - dann berichten.

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