Rauchverbot: Rauchfreie Olympia-Stadt

Rauchverbot: Rauchfreie Olympia-Stadt

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Staatliche Inspektoren sind für die Sicherheit und Einhaltung von Regeln während der Olympischen Spiel in Peking zuständig.

Frühjahrsputz in Peking: Die chinesischen Hauptstadt möchte glänzen und soll nikotinfrei werden. Ab Mai gelten schärfere Rauchverbote. Die Kontrolle der neuen Gesetze könnte sich aber als Sisyphus-Arbeit entpuppen.

Rechtzeitig vor den Olympischen Spielen will die Stadt Peking ein strenges Rauchverbot durchsetzen. Das könnte in einer Stadt mit rund fünf Millionen begeisterten Rauchern allerdings eine Sisyphus-Arbeit werden. Doch das „Komitee der Patriotischen Gesundheitskampagne“ kennt kein Pardon:

Die rund 500.000 ausländischen Besucher der Spiele im August sollen nicht durch die ansonsten allgegenwärtigen Nikotinschwaden belästigt werden. In einem Land, wo die Schachtel mit 20 Zigaretten umgerechnet gerade mal 14 Cent kostet, soll dem Rauchen der Garaus gemacht werden: Büros, Krankenhäuser, Bahnhöfe und alle Olympischen Sportstätten sollen ab 1. Mai rauchfreie Zonen sein - in einer Stadt, die regelmäßig unter einer dicken Schicht Smog verschwindet.

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In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen ist das Rauchen bereits seit 1995 verboten. Die schätzungsweise mindestens 350 Millionen Raucher im Land sind jedoch berüchtigt dafür, das zu ignorieren. Damit stellt sich die Frage, wie die Hauptstadt die Einhaltung der neuen Regeln durchsetzen will.

Besonders schwierig: Auch in Restaurants und Bars soll das Rauchen künftig nur noch in separaten Bereichen erlaubt sein. Wenn die Gastwirte ihrer Verpflichtung nicht nachkommen, droht ihnen aber nur eine lächerliche Strafe von 10 Yuan (90 Cent). „Die Strafe ist definitiv zu gering und wir können sie noch nicht mal durchsetzen“, sagt Li Lingyan, die stellvertretende Direktorin der städtischen Rechtsabteilung. Bis 2011 wolle die Stadt komplett rauchfrei werden, dann würde sicher auch das Bußgeld erhöht. „Die Olympischen Spiele sind für uns eine gute Gelegenheit, aber wir würden es sowieso tun“, sagt Li. Die neuen Regeln würden auch nach den Spielen nicht wieder abgeschafft.

Die Anti-Raucherkampagne ist Teil eines größeren Ganzen: China will sich der Welt rechtzeitig zu den Olympischen Spielen als modernes Land präsentieren. Die Kommunistische Partei hat daher bereits Kurse und Kampagnen veranlasst, um den Bürgern beizubringen, wie man sich ordentlich anstellt, dass man nicht ständig auf die Straße spuckt, nicht flucht, keinen Müll in der Stadt wegwirft und sich als Verkehrsteilnehmer anständig verhält. Kritiker sprechen von kultureller Umerziehung.

Die Rauchverbotsschilder auf öffentlichen Plätzen werden dabei mit einer besonderen Finte aufwarten. Auf ihnen wird eine Telefonnummer stehen, bei der die Bürger Verstöße sofort melden können.

Öffentliche Einrichtungen können dabei mit einer saftigen Gebühr von umgerechnet 100-450 Euro belegt werden, doch die Städter sollen bei Zuwiderhandlung glimpflich davonkommen. „Was die Bürger angeht, wollen wir sie in erster Linie erziehen oder schelten“, sagte Li. 60.000 Menschen wurden bereits ausgewählt, um die Antirauch-Kampagne mit Hilfe eindringlicher Warnungen vor den drohenden Gesundheitsschäden in die Unternehmen zu tragen.

Insgesamt 2.000 sogenannte Inspektoren sollen in der Stadt die Befolgung der Regeln überwachen, wie Sun Xianli vom „Komitee der Patriotischen Gesundheitskampagne“ erklärte. „Nur die 2.000 Inspektoren werden das Recht haben, Bußgelder zu verhängen“, sagte er. Bei einer Stadt mit 18 Millionen Einwohnern wird ihnen die Arbeit nicht so schnell ausgehen.

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