Raumfahrt: Ein Mittelständler sticht EADS beim Satellitenprogramm Galileo aus

Raumfahrt: Ein Mittelständler sticht EADS beim Satellitenprogramm Galileo aus

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Marco Fuchs, Firmenschef des Satellitenbauers OHB

Der Bremer Satellitenbauer OHB hat den Branchenprimus EADS bei Europas größtem Raumfahrtprogramm Galileo aus der Poleposition gedrängt. Gegen den hochmütigen Luftfahrtgiganten setzt OHB geschickt die Tugenden eines Mittelständlers ein.

Als Marco Fuchs Mitte Juni bei der Pariser Luftfahrtmesse im Pavillon der europäischen Raumfahrtagentur ESA Platz nahm, war ihm der Stolz förmlich anzusehen. Während auf dem weltgrößten Treff der Flugbranche gedrückte Stimmung herrschte, freute sich der Chef des Bremer Raumfahrtunternehmens OHB über einen Großauftrag des spanischen Satellitenbetreibers Hispasat, den sein Vater Manfred als Oberhaupt der OHB-Eigentümerfamilie unterzeichnete.

„Das ist für uns ein Meilenstein“, sagt Fuchs junior. Denn die Bestellung unter der Schirmherrschaft der ESA macht die Bremer zum Favoriten beim Bau der Satelliten für Europas größtes Weltraumprogramm, das Navigationssystem Galileo. Das soll mit seiner höheren Genauigkeit von 2013 an dem amerikanischen GPS-System Konkurrenz machen.

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Den Auftrag für den Bau von über 28 künstlichen Himmelskörpern im Wert von mindestens 840 Millionen Euro wollen ESA und EU-Kommission spätestens im Herbst vergeben. „OHB hat beste Chancen, zumindest einen Teil des Auftrags zu bekommen“, glaubt Steffen Gänzle, Luft- und Raumfahrtexperte der Unternehmensberatung A.T. Kearney.

5,5 Milliarden Euro für Galileo

Das ist eine kleine Sensation. Bisher war Galileo die Domäne des größten europäischen Luftfahrtkonzerns EADS. EU und ESA hatten im Jahr 2003 die EADS-Weltraumtochter Astrium und deren französisch-italienischen Partner Thales-Alenia beauftragt, Galileo als privat finanzierte öffentliche Infrastruktur zu bauen und dann als Monopolist zu betreiben. „Die Zusatzdienste dürften anfangs gut zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr bringen und 5000 Arbeitsplätze schaffen. Später ist es dann ein Mehrfaches“, sagt Berater Gänzle.

Aber wie oft bei EU-Projekten zankten die beteiligten Staaten so lange über die Auftragsvergabe und Kompetenzen, dass Galileo nun wohl 5,5 Milliarden Euro kostet statt wie geplant 3,4 Milliarden. Das war EADS zu riskant angesichts wachsender Ausgaben ihrer Tochter Airbus beim Superjumbo A380 und dem Militärtransporter A400M. Also übernahmen EU und ESA 2007 die Finanzierung und schrieben das Himmels-Privileg in sechs Losen aus.

Hochmut des Marktführers EADS

Dabei spekulierte EADS darauf, dass die Satellitentochter Astrium schon dank ihres überlegenen Know-hows überall zum Zuge kommt. Das galt besonders beim prestigeträchtigsten Posten Satelliten, wo der Verbund Astrium-Thales-Alenia bereits vier Prototypen gebaut hatte. „Das packen wir doch mit links“, erinnert sich ein EADS-Manager an den damaligen Hochmut des Marktführers.

Den münzte die hanseatische Satellitenschmiede mit typisch mittelständischen Tugenden wie Zuverlässigkeit, Ausdauer und Beharrlichkeit zu ihrem Vorteil um.

Während die EADS und ihre Partner bei Programmen wie dem Eurofighter teilweise jahrelange Verspätung hatten, lieferte OHB die Bundeswehr-Spionagesatelliten SARLupe pünktlich und ohne Pannen oder Mehrkosten. „Wir können als kleines Unternehmen bei Problemen einfach schneller reagieren“, sagt OHB-Chef Fuchs. „Und wir bieten mehr Leistung fürs Geld.“

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