Raumfahrt: Wie OHB zum Raumfahrt-Konzernschreck aufstieg

Raumfahrt: Wie OHB zum Raumfahrt-Konzernschreck aufstieg

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Die OHB-Eigentümerfamilie Manfred (li), Christa (m) und Marco Fuchs. Die Mitglieder des Dreigestirns an der Spitze ergänzen sich fast perfekt

von Gerhard Bläske und Rüdiger Kiani-Kreß

Von der Hinterhofklitsche zum Konzernschreck – ein Blick hinter die Kulissen des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB, der wochenlang für Streit unter den Politikern in Berlin und Paris sorgte.

Jahrelang kein Regen, die Luft fast zu dünn zum Atmen und die Umgebung so karg wie auf dem Mars – wenige Orte auf der Erde sind ungemütlicher als die Atacama-Wüste im Norden Chiles. Trotzdem blüht Manfred Fuchs geradezu auf, als er an diesem Mai-Morgen nach 24 Stunden Reise endlich die kühle Morgenluft des Hochplateaus in 3000 Meter Höhe genießt.

Der 71-Jährige und sein Sohn Marco sind nicht wegen der rauen Landschaft hier. Sie interessiert in erster Linie -ALMA. Das Kürzel steht für Atacama Large Millimeter Array, ein System aus 66 Großteleskopen zum Empfang von Millimeterwellen aus dem Weltall. Die mehrere Hundert Millionen Euro teure Anlage soll 2011 in Betrieb gehen, wird von den USA, Europa sowie Japan finanziert – und mitgebaut vom Bremer Raumfahrtkonzern OHB, bei dem Vater und Sohn Fuchs Chefs und Haupteigentümer sind.

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Weltall, Raumfahrt, Unendlichkeit, das ist ganz nach dem Geschmack der Herren Fuchs. „An die dünne Luft muss man sich erst gewöhnen“, sagt Sohn Marco, als er von den Teleskopen in 5000 Meter Höhe zurückkommt.

Das Schwindelgefühl in großer Höhe ist für Vater und Sohn Fuchs mehr als eine körperliche Erfahrung. Es ist auch Sinnbild dessen, was sie erreicht haben. Sie, die vor gar nicht so langer Zeit mit -einer Hinterhoffirma starteten, arbeiten nun in der Oberliga mit Weltkonzernen wie Thales aus Frankreich und General Dynamics aus den USA an imposanten High-Tech-Projekten. Und OHB ist inzwischen so bedeutend, dass er jüngst für Verwerfungen innerhalb der Bundesregierung sorgte.

Mehr als ein Aufsteiger

Fast jeder auf der Welt kennt EADS, den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern, aber nur wenige OHB, den im Weltraumbereich nur ein Sechzehntel so großen Konkurrenten aus Bremen. Zwar an der Börse notiert, ist OHB nach wie vor ein Familienunternehmen, das Vater Manfred, Sohn Marco und Mutter Christa Fuchs zu rund 70 Prozent gehört.

„OHB ist eine der großen Erfolgsgeschichte der Branche“, sagt Stefan Lippautz, Raumfahrtexperte der Beratung Arthur D. Little. Kein deutsches Technologieunternehmen hat sich in jüngerer Zeit so schnell und erfolgreich emporgearbeitet wie der hanseatische Familienbetrieb: In einem Vierteljahrhundert von einer besseren Klitsche mit fünf Beschäftigten zum drittgrößten europäischen Raumfahrtkonzern mit gut 1600 Beschäftigten. Spätestens 2011 soll der Umsatz auf eine halbe Milliarde Euro klettern und der Auftragsbestand auf den Rekordwert von um die zwei Milliarden Euro.

OHB ist aber mehr als ein Aufsteiger unter den deutschen Industriebetrieben. Die Bremer sind der schmerzhafteste Widersacher des Marktführers EADS im Weltraumgeschäft. Dieses Jahr hat OHB deren Tochter Astrium schon zwei prestigeträchtige Aufträge weggeschnappt. Die Hanseaten bauen die 14 Satelliten des europäischen Navigationsprogramms Galileo und mit dem französischen Rüstungs- und Raumfahrtriesen Thales die sechs Wettersatelliten des Meteosat-Programms. „Wir fühlen uns oft wie im Märchen vom Hasen und dem Igel“, stöhnt ein EADS-Mitarbeiter. „Wir strengen uns im Rennen um Aufträge unglaublich an, aber immer ist OHB schon da.“

Der Erfolg des vorwitzigen Igels wurzelt im Wesentlichen in der Familie, die ihn lenkt. Wer das Trio im Ferienhaus in der Südtiroler Heimat von Manfred Fuchs am Kalterer See, aber auch in den Werken in Bremen, im norditalienischen Mailand und in Bayern besucht, muss diesen Eindruck gewinnen. Nicht nur unternehmerische Kreativität und Kaufmannsgeist haben OHB vorangebracht. Wichtige Zutaten waren auch technisches Können, Korpsgeist, Kommunikationsfähigkeit sowie Fortune und Fügung.

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