Recycling: Konjunkturkrise erschüttert Abfallwirtschaft

Recycling: Konjunkturkrise erschüttert Abfallwirtschaft

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Altpapierentsorgung auf dem Gelaende des städtischen Abfallwirtschaftsbetriebs in Kiel entladen

Die Recyclingbranche leidet unter rasant fallenden Rohstoffpreisen. Einige Unternehmen werden die Durststrecke wohl nicht überleben.

Auf den ersten Blick ist beim Altpapier die Welt noch in Ordnung. Im oberfränkischen Forchheim konkurrieren drei verschiedene Tonnen um die abgelegten Zeitungen der Einwohner, in der Hansestadt Lübeck sogar vier. Die Abholung scheint sich für die Müllfirmen immer noch zu lohnen – in der Spitze konnten private Recyclingunternehmen in der ersten Jahreshälfte bis zu 100 Euro pro Tonne Altpapier erlösen, wenn sie den kostbaren Rohstoff etwa an chinesische Fabriken verkauften.

Doch die paradiesischen Zustände gehen zu Ende, das Geschäft ist nahezu zusammengebrochen. „Die Sorte gemischtes Altpapier kostet jetzt gerade mal 15 Euro“, sagt Jörg Lacher, Sprecher des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) – in den vergangenen Jahren brachte jede Tonne im Schnitt 50 bis 60 Euro.

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Eine ähnliche Entwicklung ist in der gesamten Recyclingbranche zu beobachten. Weil im Zuge der Finanzkrise die Rohstoffpreise auf breiter Front in den Keller gerutscht sind, fallen auch die Preise für wiederverwertbare Materialien, die sogenannten Sekundärrohstoffe. In der Rezession haben Handel und Industrie einen geringeren Bedarf an Papier und Pappe zum Verpacken, auch bisher besonders teurer Abfall wie Schrott ist weniger gefragt, weil Autohersteller, Maschinenbauer und Bauindustrie ihre Produktion drosseln und weniger Stahl und andere Metalle verarbeiten.

Dadurch ist der florierende Export von Recyclingmaterialien nach Asien fast völlig zum Erliegen gekommen: „Ganze Schiffe werden aus China zurückgeschickt, das gilt für Altpapier wie auch für Metallschrott – im Extremfall gegen geltende Vereinbarungen“, sagt Michael Schneider, Sprecher von Remondis aus dem westfälischen Lünen, Deutschlands größtem Entsorger. Die Folgen sind auf den Sammelhöfen des Unternehmens sichtbar – die Berge an Schrott, Kunststoff und Papier wachsen.

Zwar wird der Verpackungsmüll bei gewerblichen Kunden wie Supermärkten oder Möbelhäusern weiter abgeholt, Geld bekommen die Kunden dafür aber zumindest in der Region Münster seit November nicht mehr, hat Remondis ihnen in einem Brief mitgeteilt. Markus Müller-Drexel, Geschäftsführer beim Konkurrenten Interseroh, rechnet sogar damit, dass Handwerk und Handel in den nächsten Tagen bei einigen Wettbewerbern „wieder Geld drauflegen müssen“, damit die Entsorger den Müll abholen. Abfallverwerter, die keine langfristigen Verträge mit Abnehmern haben, können nur Lagerbestände aufstocken und auf bessere Zeiten hoffen. „Insolvenzen sind mir noch nicht bekannt, erste Stellenstreichungen gab es in der Branche schon“, so BVSE-Sprecher Lacher.

Wie die Autoindustrie stellen die Papierfabriken ihre Produktion zwischen den Jahren ein und schicken ihre Mitarbeiter in Zwangsurlaub – 2008 länger als normal. So auch Europas größter Karton-Recycler Mayr-Melnhof aus Österreich: „Viele unserer Werke werden an den letzten zehn Tagen des Jahres sicherlich stillstehen“, sagt ein Unternehmenssprecher.

Für die Schrottsparte von Interseroh glaubt Vorstandschef Axel Schweitzer immerhin, dass „die Talsohle nahezu erreicht ist. Weiter sinken die Preise wahrscheinlich nicht mehr. Die Frage ist nur, wann sie wieder steigen.“ Im Juni kostete die Sorte Schredderschrott noch 460 Euro die Tonne, inzwischen hat sich der Preis halbiert. Die Stahlwerke reduzierten ihre Abnahmemenge laut BVSE um bis zu 35 Prozent. „Manches kleine Unternehmen wird die niedrigen Preise an den Rohstoffmärkten voraussichtlich nicht überleben“, sagt Interseroh-Chef Schweitzer. Sein Unternehmen hat nicht allzu viel zu befürchten: Das Altmetall wird sofort weiterverkauft, führt also nicht zu teuren Lagerbeständen.

Zurzeit leben die Müllleute von der Hoffnung. Remondis erwartet bis Mitte 2009 eine Erholung und damit wieder steigende Rohstoffpreise. Konzernsprecher Schneider: „Die Situation ist derzeit schwierig, aber sicher nicht von Dauer.“

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