Red Dot-Chef Peter Zec: "Gutes Design lügt nicht"

Red Dot-Chef Peter Zec: "Gutes Design lügt nicht"

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Red Dot-Chef Peter Zec

von Lothar Schnitzler

Peter Zec, Chef des Design Zentrums Nordrhein-Westfalen, über Formen von Industriegütern, ihren Nutzen und ihre Wirtschaftlichkeit.

WirtschaftsWoche: Herr Zec, warum brauchen Investitionsgüter wie Mähdrescher oder Bohrhämmer Design? Hauptsache ist doch, dass die Maschinen gut funktionieren.

Peter Zec: Genau dazu will Design beitragen. Design ist mehr als Styling. Es geht nicht nur um Schönheit. Man darf hier nicht jenen Design-Begriff strapazieren, der das Design ins Luxuriöse und Glamouröse drängt. Handhabung, Nutzerfreundlichkeit gehören ebenso dazu wie eine klare Markenbotschaft oder die visuelle Information über den Charakter und die Wertigkeit des Produktes. Aber natürlich geht es auch um Emotionalisierung.

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Steht die bei einer sachlichen Investitionsentscheidung nicht im Wege?

Wir Designer sind uns gerade bei Industriegütern darüber klar, dass es sich um Dinge handelt, mit denen Menschen arbeiten müssen. Und die arbeiten nun mal am liebsten mit Geräten, die ihnen die Arbeit leicht machen. Wenn eine Schlagbohrmaschine den Rütteleffekt auf die Hand nur vermindert überträgt oder die Geräte gut in der Hand liegen, wenn ein Mähdrescher so konzipiert ist, dass der Fahrer nicht nur bequem sitzt und einen guten Zugang zu allen Bedienungselementen hat und das Sichtfeld auf den Schnittvorgang optimal ist, dann sind das Kriterien, die den Nutzer auch emotional ansprechen. Als potenzieller Käufer sagt er sich dann: "Das Ding will ich haben."

Demnach würde sich Industriedesign auf bloße Ergonomie beschränken.

Nein, im Gegensatz zu vielen Ergonomen denken Designer ganzheitlich. Wenn beispielsweise das Hilti-Team, das in diesem Jahr das Red-Dot-Design-Team des Jahres ist, tagelang auf den Baustellen Arbeiter beim Umgang mit Bohrhämmern beobachtet, dann sehen diese Designer in der Regel mehr als Ergonomen. Die Ergonomie hat in den vergangenen Jahren ein Menschenbild betont, das in Richtung eines – im doppelten Sinne des Wortes – vermessenen Homo sapiens geht. Wir sind aber auch von kulturellen Mustern und von Alltagsgewohnheiten geprägt. Denken Sie an die vielen Versuche, die Computertastatur ergonomisch zu gestalten. Das hat sich in der Breite nicht durchsetzen können.

Warum nicht?

Weil oft Tastaturmonster dabei herauskamen, die gegen unsere Bewegungsabläufe konstruiert waren und mit den alltäglichen Ansprüchen der Nutzer nichts zu tun hatten.

Ist Industriedesign nicht häufig reine Verkaufsmasche und schöne Täuschung?

Das genau darf Design nicht sein. Nehmen Sie den Klassiker des Industriedesigns Raymond Loewy. Der kam in den Dreißigerjahren auf die Idee, Lokomotiven mit geschweißten, statt genieteten Stahlblechen zu verkleiden. Das sah besser aus und war zweifellos auch ein Marketingargument, aber die glatten Flächen erleichterten auch die Wartung. Die Produktionskosten waren geringer. Und es gab weniger Ansatzpunkte für Schmutz und Rost. Gutes Design lügt nicht, sondern es bringt die Produktbotschaft an den Käufer.

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