Reilly-Nachfolge: Zwergenaufstand im Opel-Betriebsrat

KommentarReilly-Nachfolge: Zwergenaufstand im Opel-Betriebsrat

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Klaus Franz (li) und Nick Reilly

von Franz W. Rother

Der Widerstand von Betriebsratschef Klaus Franz gegen die Berufung von Karl-Friedrich Stracke als Nachfolger von Nick Reilly hilft der deutschen GM-Tochter nicht wirklich.

Klaus Franz hatte es sich so schön ausgemalt. Als General Motors vor bald zwei Jahren im Zuge der großen Banken- und Finanzkrise Insolvenz anmelden musste und seine europäische Tochter Opel zum Verkauf stellte, sah der allmächtige Betriebsratschef von Opel seine Stunde gekommen. Wochenlange verhandelte er damals zusammen mit dem damaligen Chef von GM Europa, Carl-Peter Forster, Opel-Chef Hans Demant und dem damaligen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit der sich in Auflösung befindlichen Konzernspitze in Detroit über einen Verkauf von Opel an einen Investorenkreis um die Magna-Gruppe und die russische Sberbank.

Franz war damals so etwas wie das öffentliche Gesicht von Opel und trat auf wie der eigentliche Opel-Chef. Denn der Betriebsrat war damals ein wichtiger Machtfaktor in dem monatelangen Poker um das deutsche Traditionsunternehmen. Die Zukunftsplanung für „New Opel“ sah zudem eine finanzielle Beteiligung und deutlich größere Mitspracherechte der Belegschaft an dem Unternehmen vor. Öffentlich breitete „Mr. Opel“ damals seine Zukunftspläne vor: Von den Fesseln der Konzernmutter befreit, würden Franz und die übrigen Opelaner („Wir sind Opel“) zeigen, wozu die Belegschaft fähig, wozu das Unternehmen in der Lage sei.

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Personeller Gegenvorschlag

Doch der Traum platzte kurz bevor er Wirklichkeit wurde. Dank staatlicher Kredite erholte sich General Motors viel schneller von der größten Krise seiner Geschichte und blies im  November 2009 den Verkauf von Opel überraschend ab. Seitdem ist Opel wieder ein Satellit des US-Unternehmens in Europa – und der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats eigentlich wieder auf Normalmaß zurückgestutzt. Herr im Haus, in USA wie überall dort, wo die Fahne von GM weht, ist nun Daniel F. Akerson. Und der 62-jährige ehemalige Investmentbanker, der von US-Präsident Barak Obama eingesetzt wurde und GM zurück an die Börse führte, fackelt nicht lange. Dass Europa die einzige Region weltweit ist, in der der Autokonzern rote Zahlen schreibt und entsprechend die Bilanz verhagelt, passt Akerson ganz gar nicht. Den Unmut darüber bekam vergangene Woche Nick Reilly zu spüren, der von einem Tag auf den anderen als Opel-Chef abberufen und in die Spitze des Aufsichtsrats katapultiert wurde. Zu seinem Nachfolger erkor Akerson den deutschen Ingenieur Karl-Friedrich Stracke. Schon am 1. April sollte dieser seinen neuen Job antreten.

Reilly war nach eigenen Worten „entzückt“, als er aus dem Mund des Konzernchefs von seiner Beförderung erfuhr, von Stracke ist noch kein Wort zu der Rochade bekannt geworden. Laut wurde dafür Betriebsratschef Klaus Franz: Vermutlich verärgert darüber, dass ihn Akerson nicht persönlich und frühzeitig über die Personalie informierte, lässt er nun die Aufsichtsratssitzung am morgigen Mittwoch platzen, auf der Reilly eigentlich abberufen und Stracke mit der Führung von Opel betraut werden sollte. Stattdessen will Franz nun einen personellen Gegenvorschlag für die Reilly-Nachfolge präsentieren und darauf pochen, dass beim Chefwechsel in Rüsselsheim das formale Prozedere eingehalten wird.

Zeitverzug ist schädlich

Formaljuristisch ist Franz sicher im Recht, immerhin ist Opel seit Anfang Januar auch wieder eine Aktiengesellschaft nach deutschem Recht. Allerdings hilft der Aufstand von Franz dem Unternehmen nicht wirklich weiter. Akerson wird einen alternativen Opel-Chef von Franz’ Gnaden sicher nicht akzeptieren. Und angesichts der anhaltenden Probleme von Opel in Europa ist jeder Zeitverzug nur schädlich. Die Schließung des Werks Antwerpen hat dem Unternehmen zwar ein wenig Luft verschafft. Aber der Restrukturierungsplan sieht auch einen massiven Personalabbau in Bochum vor. Weil das Abfindungsprogramm dort nur von 600 Beschäftigten angenommen wurde, drohen Ende April nun 1200 Opelanern die betriebsbedingte Kündigung. Statt auf Formalien zu pochen und gegen eine im Grund sehr gute Personalentscheidung zu protestieren, sollte Franz sein Mandat und seine ganze Kraft besser darauf verwenden, um den massiven Jobabbau in Bochum zumindest abzumildern. Rainer Einenkel, der Chef des dortigen Betriebsrats, kämpft derzeit einen ziemlich einsamen Kampf und könnte die Hilfe von „Mr. Opel“ sicher gut gebrauchen.  

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