Reinhard Mitschek im Interview: "Russland wird auf Nabucco keinen Einfluss haben"

Reinhard Mitschek im Interview: "Russland wird auf Nabucco keinen Einfluss haben"

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Reinhard Mitschek, Geschäftsführer des Nabucco-Pipeline-Konsortiums

Reinhard Mitschek, der Geschäftsführer des europäischen Pipeline-Konsortiums Nabucco, über den gefährdeten Transitkorridor Georgien und die Bedeutung Russlands für das Gasleitungsprojekt.

WirtschaftsWoche: Herr Mitschek, die Nabucco-Pipeline wird auf ein sicheres Georgien als Zuleitungskorridor angewiesen sein. Gerade tobte in Georgien Krieg, und die Situation ist immer noch explosiv. Was bedeutet das für die Planungen Ihres Konsortiums?

Mitschek: Das hat keine Konsequenzen für unseren Zeitplan, der den Betriebsstart  der Pipeline für 2013 vorsieht. Probleme, die so kurzfristig entstehen, können auch kurzfristig wieder beendet werden. Auf langfristige Projekte wie unseres haben sie keine Auswirkungen.

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Aber der Konflikt, der zu diesem Krieg geführt hat, ist noch lange nicht gelöst.

Politische und militärische Fragen möchte ich nicht kommentieren.

Ihr Versuch, Gas aus Zentralasien vorbei an Russland nach Europa zu leiten, läuft dem russischen Hegemonialanspruch in der Region zuwider. Was, wenn Russland Sie behindert?

Die Produzenten und europäischen Käufer des Erdgases, das durch Nabucco fließen wird, treffen ihre Vereinbarungen. Darauf wird Russland keinen Einfluss haben. Im Übrigen haben wir immer wieder gesagt, dass wir kein Problem darin sehen, auch russisches Gas zu transportieren. Die russisch-europäische Energie-Partnerschaft besteht seit 40 Jahren. Das war immer ein gutes Verhältnis, Russland war immer ein zuverlässiger Lieferant.

Das Motiv der EU, Nabucco zu unterstützen, ist doch, das Gas gerade nicht aus Russland zu beziehen, um nicht zu abhängig von Russland zu werden. Welche Quellen stehen Ihnen offen?

Mehrere, das ist das große Alleinstellungsmerkmal dieser Pipeline: Zunächst blicken wir nach Aserbaidschan und Turkmenistan, mittel- bis langfristig werden aber auch der Iran und der Irak für die EU ein Thema. Und natürlich Russland.

Der Iran und der Irak empfehlen sich derzeit nicht gerade als berechenbare Partner.

Dort kann sich vieles ändern. In einem Zeitraum von zehn Jahren ab Inbetriebnahme halte ich Gaslieferungen aus dem Irak oder dem Iran durchaus für realistisch.

Russland bereitet den Bau einer Pipeline namens South Stream vor, die regional in Konkurrenz zu Nabucco stehen wird. Einige Experten bezweifeln, dass Europas Gasbedarf so stark zunehmen wird, wie bisher angenommen. Wenn sie Recht haben, könnte Nabucco neben South Stream überflüssig werden.

Nach unseren Annahmen wird Europas jährliche Nachfrage in den kommenden 15 bis 20 Jahren um rund 230 Milliarden Kubikmeter steigen. Etwa 100 Milliarden Kubikmeter werden in Form von Flüssiggas per Schiff importiert werden. Der Rest durch Pipelines. Das schafft genug Bedarf für mehrere große Pipeline-Projekte, darunter Nabucco und South Stream.

Nabucco soll an die schon bestehende South Caucasus Gas Pipeline von Baku in die Türkei anschließen. Kann diese Leitung den Zuleitungsbedarf von Nabucco überhaupt decken?

Sie hat Erweiterungspotenzial. Die Betreiber unter Leitung von BP überlegen derzeit, die Kapazität zu erhöhen.

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