Reisemarkt: Thomas Cook macht Kauf des schwächelnden Türkei-Spezialisten Öger perfekt

KommentarReisemarkt: Thomas Cook macht Kauf des schwächelnden Türkei-Spezialisten Öger perfekt

von Christian Schlesiger

Thomas Cook kauft Öger Tours. Die erhoffte Konsolidierung im deutschen Markt bleibt aber aus.

Als die Gastarbeiter kam Vural Öger in den 1960er Jahren nach Deutschland, gründet einen Reisedienst für seine türkischen Landsleute. Jetzt verkauft er das Herzstück seiner Unternehmensgruppe an Thomas Cook, nach dem Öger zuvor erfolglos versucht hatte, an den russischen Milliardär Alexander Lebedew zu verkaufen.

Dabei glaubte den Ankündigungen von Manny Fontenla-Novoa, dem Chef der Thomas Cook Group, in den vergangenen Wochen kaum einer mehr. Seit gut einem Jahr schwandroniert der Brite, sein Reiseveranstalter suche Kaufmöglichkeiten im deutschen Markt. Doch eine Erfolgsmeldung blieb aus. Wettbewerber und Branchenbeobachter belächelten die in regelmäßigen Abständen wiederholten Aussagen bereits - bis heute. Fontenla-Novoa macht ernst. Für den Thomas-Cook-Chef ist der Kauf von Öger Tours, dem selbsternannten Türkeispezialisten für Pauschalreisende, eine sinnvolle Ergänzung. Thomas Cook hat zum Beispiel ein vergleichsweise schwaches Türkei-Geschäft. Der Reiseveranstalter stärkt damit seine Position in dem Land, das seit Jahren zu den Gewinnern unter den Reisedestinationen der Deutschen zählt. Preiswerte Unterkünfte kombiniert mit zahlreichen All-Inclusive-Angeoten treffen den Geschmack der Deutschen. Hinzu kommen Synergieeffekte. Thomas Cook zahlt rund 30 Millionen Euro für den Hamburger Reiseveranstalter. Acht Millionen Euro errechnet sich das Management an Einsparungen pro Jahr. Das ist realistisch. Thomas Cook zielt vor allem auf Einkaufsmacht. So hatte der Konzern bereits im vergangenen Jahr den Einkauf von Hotelbetten in London zentralisiert. Künftig kann er von dort auch die Betten von Öger einkaufen. Je höher die Zahl der eingekauften Betten, desto höher sind die Nachlässe der Hoteliers, so die Überlegung. Auch Condor, die Flugtochter von Thomas Cook, soll künftig mehr Ögerreisende transportieren und damit Passagiere von Air Berlin wegnehmen. Diese Maßnahmen könnten funktionieren.

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Preisdruck bleibt

Doch der große Durchbruch gelingt Thomas Cook damit nicht. Der deutsche Markt ist zutiefst fragmeniert. Es gibt drei große Player (TUI, Thomas Cook und Rewe Gruppe) und eine Handvoll mittelgroßer Veranstalter. Das sind zu viele, um die Preise langfristig anzuheben. Das Veranstaltergeschäft in Deutschland ist margenschwach. Im Gegensetz zu Großbritannien, wo nur wenige Reiseveranstalter existieren und diese vergleichweise hohe Preisen erzielen können, genügen sich die selbstständigen Unternehmer wie Alltours, FTI und Schauinsland mit geringen Margen. Sie werden auch in Zukunft dafür sorgen, dass die Preise niedrig bleiben. Thomas-Cook-Chef Fontenla-Novoa wünscht sich mit dem Kauf von Öger Tours höhere Margen und wird am Ende wohl enttäuscht.Hinzu kommt: Öger Tours bringt möglicherweise weniger für das Türkeigeschäft als erwartet. Öger Tours wurde im Jahr 1969 gegründet und soll laut Pressemitteilung von Thomas Cook "in Deutschland führend im Verkauf von Pauschalreisen in die Türkei" sein. Doch daran haben Wettbewerber und Experten schon lange große Zweifel. Allein TUI dürfte mehr Passagiere in die Türkei fliegen als Öger. Selbst kleinere Konkurrenten wie FTI gelten in der Türkei als stark vertreten - und sind möglicherweise besser positioniert als Öger. Zwar hüten alle Reiseveranstalter die Zahlen wie ein Staatsgeheimnis. Doch wo man hinhört, heißt es, Öger sei niemals die Nummer eins in der Türkei.

Die Ergebnisse von Öger blieben zudem hinter Wettbewerbern zurück. Der Marktanteil der gesamten Öger Gruppe, also inklusive der Incoming-Agentur in der Türkei und der Billigmarkentochter Att Touristik, dümpelt bei etwas mehr als drei Prozent. In den Jahren  2005, 2007 und 2008 hatte Öger gar höhere Marktanteile als heute. Mit 3,3 Prozent liegt Öger hinter FTI und inzwischen auch hinter Kreuzfahrten-Veranstalter Aida. Die Hamburger sind heute nur noch siebtgrößter Reiseveranstalter in Deutschland.

Auch Umsatz und Gewinne sind mager. Der Umsatz ist sehr volatil und soll im vergangenen Jahr bei 256 Millionen Euro gelegen haben. Schon in den Jahren 2004 und 2005 verzeichnte Öger Tours deutlich höhere Gewinne - mehr als 300 Millionen Euro. Seit 2005 kam Öger Tours zudem in seinem Veranstaltergeschäft nicht über ein Nettoergebnis in Höhe von einer Million Euro hinaus. Nur im vergangenen Jahr soll laut eigenen Angaben der Gewinn bei 3,3 Millionen Euro gelegen haben, allerdings bei deutlich gesunkenen Umsätzen.

Fontenla-Novoa dürfte daher noch lange nicht am Ziel sein in Deutschland. Andere Wettbewerber wie Alltours oder FTI haben einen Verkauf an Thomas Cook aber immer vehement abgestritten.  Die Regeln der Reisebranche bleiben daher weitestgehend bestehen. Die ganz hohen Renditen werden die Reiseveranstalter hier zu Lande nicht erzielen. Dafür können deutsche Urlauber auch in Zukunft auf Schnäppchenjagd gehen.

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