Rekordzahlen: Siemens-Chef Löscher lässt Konzernumbau hinter sich

Rekordzahlen: Siemens-Chef Löscher lässt Konzernumbau hinter sich

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In allen Gesten Zuversicht: Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Peter Löscher

von Michael Kroker

Bei der Vorlage der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr strotzt der Siemens-Chef geradezu vor Selbstbewusstsein – und erklärt den jahrelangen Umbauprozess bei dem Münchner Industrieriesen kurzerhand für beendet.

Wirkliche Jubelposen hat man bei Siemens in den vergangenen Jahren ja eher selten gesehen – aus mehreren Gründen: Zum einen war der Münchner Industrie- und Elektrokonzern durch die Aufarbeitung der Ende 2006 aufgedeckte Schmiergeldaffäre jahrelang gelähmt. Zum anderen gehört es nicht zum typischen Repertoire des seit Mitte 2007 amtierenden Konzernchefs Peter Löscher, sich im großen Stil selber auf die Schulter zu klopfen – zumindest bisher: Angesichts der Vorlage erneuter Rekordzahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 sonnt sich der 53-jährige Österreicher gemeinsam mit seinem Finanzchef Joe Kaeser geradezu im Blitzlichtgewitter der Fotografen kurz vor Beginn der heutigen Bilanzpressekonferenz. Die startet er dann auch gleich mit einer klaren Ansage: „Siemens ist dort angekommen, wo das Unternehmen hingehört – in der globalen Champions-League“, so Löscher im Hotel Sofitel Bayerpost direkt um die Ecke des Hauptbahnhofs in München.

Die konkreten Zahlen fürs abgelaufene Geschäftsjahr handelt Löscher dann schnell ab, so positiv sie auch sind: Der Umsatz blieb mit rund 76 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr weitgehend stabil (minus 1 Prozent). Gleichzeitig steigerte der Elektrokonzern das operative Ergebnis seiner drei Sektoren Industrie, Energie und Medizin um vier Prozent auf den neuerlichen Rekordwert von 7,8 Milliarden Euro. Nach Steuern verzeichneten die Münchner gar ein sattes Plus um 63 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. „Wir kommen mit vollem Schwung aus der Krise. Operativ haben wir zum zweiten Mal in Folge ein Rekordergebnis erzielt“, so Löscher. „Dieses positive Momentum ist Rückenwind beim Start ins nächste Geschäftsjahr.“

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Damit das gelingt, nutzt das Siemens-Management um Konzernchef Löscher die prall gefüllten Konzernkassen erst einmal, um Mitarbeiter und Aktionäre mit einem warmen Geldsegen zu beglücken. So schüttet das Unternehmen einmalige Sonderzahlungen im Volumen von rund  310 Millionen Euro an seine weltweit rund 400.000 Mitarbeiter aus, um so deren Leistungen in der Wirtschaftskrise zu würdigen. Überdies haben Siemens-Vorstand und -Aufsichtsrat beschlossen, die Dividende auf 2,70 Euro je Anteilsschein zu erhöhen – von 1,60 Euro im Vorjahr. Das entspricht einer Ausschüttungsquote von fast 50 Prozent. Mehr noch: Erstmals seit Bestehen verordnet sich das Unternehmen eine klare Dividendenpolitik: Künftig will der Konzern zwischen 30 und 50 Prozent seines Nachsteuergewinns an seine Eigentümer ausschütten.

Neues Augenmerk auf Wachstum und Kapitaleffizienz

Um den Schwung des abgelaufenen hinüber ins laufende Geschäftsjahr mitzunehmen, hat Löscher dem Unternehmen zudem ein neues Zielsystem namens „Siemens One“ verpasst. „Den Umbau haben wir weitgehend abgeschlossen. Bei der Profitabilität haben wir den Wettbewerb ein- und überholt“, so Löscher. „Jetzt richten wir unser Augenmerk klar auf Wachstum und Kapitaleffizienz – das ist auch ein Hebel für unsere Aktionäre.“ So will Siemens künftig etwa seine Wachstumsrate direkt mit jener der Konkurrenz messen lassen – mit klarer Vorgabe: „Wir wollen schneller wachsen als der Wettbewerb“, so Löscher. Überdies hat sich Siemens klare Vorgaben für die Kapitaleffizienz und Kapitalstruktur verordnet, die in bestimmten Zielkorridoren liegen sollen (LINK4). Konkrete Ziele für einzelne Sektoren oder Divisionen hat Siemens künftig im Gegensatz zu früher freilich nicht mehr – bis auf Löschers pauschale Maßgabe: „Wir wollen in allen unseren Geschäften Weltspitze sein.“

Zumindest aktuell ist da das Unternehmen da schon – und wenn die Prognosen des Siemens-Managements für 2011 aufgehen, dürfte der Erfolgskurs noch mal an Geschwindigkeit zulegen: So erwartet Siemens zwar nur ein moderates Umsatzwachstum, was irgendwas im einstelligen Prozentbereich bedeuten dürfte; präziser wollten Löscher und Kaeser auch auf Nachfrage nicht werden. Beim operativen Ergebnis peilt das Unternehmen dagegen das dritte Rekordjahr in Folge an – mit einem satten Plus zwischen 25 und 35 Prozent. „Nach zwölf Jahren der Transformation ist Siemens wieder ein normales Unternehmen“, so Löschers Fazit. Und ergänzt selbstbewusst – schon fast in Schwarzenegger’scher Terminator-Manier: „Mission accomplished.“

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