Renault: Der Fluch des billigen Autos

Renault: Der Fluch des billigen Autos

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Carlos Ghosn

Die mühsam bewältigte Spionageaffäre verdeckt, dass bei Frankreichs größtem Autohersteller Renault viel schief läuft. Konzernchef Carlos Ghosn steht unter Druck.

Auf den ersten Blick scheint bei Renault wieder alles im Lot. Konzernchef Carlos Ghosn hat einen Aufstand der Aktionäre verhindert. Mathieu Tenenbaum, früher Vize-Leiter des Elektroauto-Programms, ist nach einem vorübergehenden Rauswurf als Strategiechef zurück im Unternehmen. Zwei zu Unrecht geschasste Manager blieben mit dicken Abfindungen von Bord. Drei weitere Top-Leute mussten gehen, Ghosns Vize und Kamerad von der Eliteschule École Polytechnique, Patrick Pélata, den Posten räumen.

Ende mit Schrecken, gutes Ende? Mitnichten. Bei Renault holpert es gewaltig – im Geschäft wie beim Personal. Ein Nachfolger für Ghosns Vize Pélata ist auch nach drei Wochen nicht gefunden. Gehandelt werden Vertriebschef Jérome Stoll sowie vor allem Carlos Tavares, Chef der erfolgreichen Nordamerika-Tochter des Renault-Allianzpartners Nissan. Gleichwohl bezeichneten Führungskräfte Pélata in einer Petition als Einzigen, der Renault wieder auf Kurs bringen könne – eine Ohrfeige für Ghosn. Vielleicht taucht der Angebetene deshalb, wie Kenner vermuten, bald an führender Stelle bei Nissan wieder auf.

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Zu den Turbulenzen bei Frankreichs größtem Autokonzern war es gekommen, nachdem Renault-Lenker Ghosn das Unternehmen als Opfer einer Spionage-Affäre dargestellt hatte, die sich am Ende als Luftnummer erwies. Nur der französische Staat, der 15 Prozent an Renault hält, rettete schließlich Anfang April Ghosns Kopf – obwohl dessen Bilanz wenig überzeugt.

Die Euphorie, die zum Amtsantritt Ghosns 2005 herrschte, ist verflogen, die Stimmung miserabel. Der gebürtige Brasilianer gilt als arrogant, kalt, unzugänglich und nach der vermeintlichen Spionage-Affäre als unglaubwürdig. Die verbesserte Qualität der Fahrzeuge geht auf seinen Vorgänger Louis Schweitzer zurück. Im Forschungszentrum Guyancourt westlich von Paris herrscht ein Klima der Angst, nachdem Ghosn das Forschungsbudget um 30 Prozent zusammenstrich, aber jedes Jahr sechs statt drei neue Autos entwickeln lassen will. "Er hat intern keine Fürsprecher mehr", sagt ein Insider.

Fiat ist zwar teurer, aber erfolgreicher

Ghosns ehrgeizige Wachstumspläne sind gescheitert. Ohne die von Schweitzer auf den Weg gebrachte Billigmarke Dacia Logan wäre die Lage dramatisch. Die in Rumänien sowie vielen Schwellenländern produzierten Fahrzeuge wurden nicht zur erhofften zusätzlichen, sondern zu einer der wenigen echten Einnahmequellen sowie zu Wachstums- und Ertragsbringern. Die Mittelklasse-Limousine Laguna war ein Misserfolg und wird von Konkurrenten wie Citroën C5 oder Opel Insigna weit abgehängt. Ähnlich schlecht laufen der Geländewagen Koleos und der Handwerkerwagen Kangoo BeBop. Zwar verkauft sich das Kleinauto Twingo ganz gut, doch der Konkurrent Fiat 500 läuft trotz des höheren Verkaufspreises viel besser.

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