Renault-Vizechef Patrick Pelata: "Das Elektroauto hat Priorität"

Renault-Vizechef Patrick Pelata: "Das Elektroauto hat Priorität"

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PSA automaker Chief Executive Christian Streiff (L) and Renault's Chief Operating Officer Patrick Pelata sit together as they listen to a speech by France's President Nicolas Sarkozy at the Elysee Palace in Paris, February 9, 2009. France on Monday pledged 3 billion euro ($3.89 billion) loans for struggling car makers PSA Peugeot Citroen and Renault who had promised to safeguard French jobs in return. REUTERS/Michel Euler/Pool (FRANCE)

Renault-Vizechef Patrick Pelata über die Absatzkrise, Renaults Kostensenkungsprogramm und den unattraktiven Investitionsstandort Frankreich.

WirtschaftsWoche: Herr Pelata, Renault hat im März erstmals seit Langem wieder mehr Autos verkauft. Ist das mehr als ein Strohfeuer?

Pelata: Wir profitieren natürlich von den Abwrackprämien in vielen Ländern. Mit der Marke Dacia, dem Twingo, den beiden Clio-Versionen, dem Modus und auch dem neuen Mégane haben wir Einstiegsmodelle, die gerade den Bedürfnissen derjenigen Kunden entgegenkommen, die bislang überwiegend Gebrauchtwagen gekauft haben. Im ersten Quartal hatten wir in Europa genauso viele Bestellungen wie 2007 und mehr als 2008. In sechs unserer Fabriken steigt derzeit die Produktion.

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Droht nach dem Auslaufen der Hilfsmaßnahmen nicht ein gewaltiger Absturz?

Es wird eine Delle geben. Aber vergessen Sie nicht, dass beispielsweise in Deutschland 70 bis 80 Prozent dieser Käufer ohne die Prämien niemals ein Neufahrzeug gekauft hätten. Das heißt, der Einbruch wird sich in Grenzen halten.

Wird 2009 also besser ausfallen als erwartet?

Es wird ein sehr schwieriges Jahr werden, denn neben den guten gibt es auch viele schlechte Nachrichten, wie etwa die Lage der Zulieferer.

Zu den guten Nachrichten für Sie gehört, dass Sie jetzt den Golf-Konkurrenten Mégane neu aufgelegt haben.

Ja, wir erwarten, dass er einen wichtigen Beitrag leistet, die Krise gut zu überstehen. Der Start war sehr vielversprechend und wir hoffen, dass er hinter dem Golf wieder auf Platz zwei in diesem Segment in Europa kommt. Bei der Mégane-Van-Version Scénic wollen wir wieder Nummer eins im Segment werden.

Mehrere Ihrer französischen Fabriken sind sehr schlecht ausgelastet, eine nur zu einem Viertel. Müssten Sie angesichts der Überkapazitäten nicht ein Werk schließen?

Das ist derzeit kaum möglich. Wir haben früher bereits Werke geschlossen, hier nebenan auf der Seine-Insel bei Paris oder in Vilvoorde in Belgien. Wir müssen unsere Fixkosten reduzieren, aber das geht auch ohne weitere Werksschließungen.

Wie denn?

Im Werk Sandouville wollen wir Nutzfahrzeuge produzieren. In einer anderen Fabrik werden wir unsere Elektroautos herstellen. Und wir reduzieren die Kosten. Obwohl die Produktion in Sandouville zwischen 2006 und 2008 um 53 Prozent zurückgegangen ist, haben wir die Kosten pro Einheit in der Fertigung um sechs Prozent gesenkt. Nun gehen wir auch die Kosten in der Verwaltung an, etwa durch Kurzarbeit auch in diesem Sektor. Darüber hinaus bauen wir – auf Basis der Freiwilligkeit – 6000 Arbeitsplätze ab.

Reicht das aus?

Ja, denn wir haben unsere Flexibilität deutlich erhöht und schaffen mit dem Elektroauto eine neue Wertschöpfung, indem wir einen Zulieferpark entwickeln. Wir prüfen auch die Schaffung neuer Kapazitäten im Umweltbereich und wollen am Bau einer neuen Formel-1-Strecke bei Paris mitwirken. All das zeigt, dass wir unsere Kosten senken können, ohne Werke schließen zu müssen.

Unabhängig von der Krise stellt sich die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs. Die Produktion geht seit Jahren zurück.

Ja, die Gewerkschaften in Deutschland haben unter Bundeskanzler Gerhard Schröder erhebliche Einkommensrückgänge akzeptiert. Außerdem wurde ein Teil der Sozialabgaben von den Unternehmen auf die Mehrwertsteuer verlagert. Dadurch stieg die Produktivität deutlich.

...und Sie in Frankreich hatten die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich...

Ja, wir haben der Regierung gesagt, dass sie handeln muss. Sie schafft von 2010 an die Gewerbesteuer ab. Aber das löst nur ein Viertel des Problems.

Und der Rest?

Das muss die Politik entscheiden. Wir stellen nur fest, dass es unter diesen Bedingungen nicht besonders attraktiv ist, in Frankreich zu investieren. Wir betreiben in Frankreich keinen Protektionismus, sondern eher das Gegenteil. Frankreich kümmert sich nicht in ausreichender Weise um das Problem der hohen Sozialleistungen, die die Unternehmen zu tragen haben. Das kann so nicht weitergehen.

Aber Sie erhalten doch Staatshilfen, die den Wettbewerb verzerren!

Wir haben einen Kredit bekommen, für den wir – in Abhängigkeit von unserer Ertragslage – bis zu neun Prozent Zinsen zahlen. Aber wir brauchen das Darlehen, weil wir von den Banken keine Kredite zu vernünftigen Konditionen erhalten.

Dass Moody’s Renault auf das Niveau einer Ramschanleihe herabgestuft hat, wirkt sich also nicht aus?

Das macht es für uns noch schwieriger, Kredite zu erhalten. Die Kosten steigen aber nicht, weil wir sowieso keine Kredite von den Banken in Anspruch nehmen. Wichtig für uns ist, dass unsere Finanzierungsgesellschaft ihr Rating behalten hat.

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