Rennsport: Formel 1 muss sparen

Rennsport: Formel 1 muss sparen

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Formel-1-Rennen: Banken steigen als Sponsoren aus

Autokonzerne kämpfen mit Verlusten, Banken steigen als Sponsoren aus – das PS-Spektakel Formel 1 muss sparen und zugleich die Fans bei der Stange halten.

Eines der letzten Überbleibsel aus den teuren, alten Zeiten der Formel 1 sind dicke und dünne weiße und rote Striche auf der Heckflosse des Rennwagens von Ferrari.

Was dieser Barcode bedeutet, ahnt zwar jeder, der jemals das Wort Marlboro auf dem schlanken Körper des Boliden gesehen hat. Doch aus Gründen der politischen Korrektheit und der EU-Gesetzgebung ist der Name verschwunden. Zugleich sind die Striche ein Menetekel: Zigarettenhersteller Philip Morris zahlt zwar noch geschätzte 50 Millionen Euro pro Jahr in die Teamkasse des italienischen Rennstalls. Doch voraussichtlich 2011 ist Feierabend.

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Dumm nur, dass ausgerechnet in dieser Situation jene Branche, die die Zigarettenlücke füllen sollte, die sich auch bei anderen Rennställen auftat, ebenfalls zu Asche zerfällt. Noch bevor Marlboro ganz vom Heck des roten Flitzers verschwindet, verabschiedet sich die letzte Großbank vom Rennspektakel.

In Zeiten von Milliardenverlusten treten die Geldinstitute auf die Bremse: Die Credit Suisse stieg im Januar einen Tag vor der Präsentation des neuen Renn-Boliden bei BMW aus, die Royal Bank of Scotland lässt den Vertrag mit dem Rennstall Williams auslaufen, und die niederländische ING beendet zum Jahresende ihr Engagement bei Renault.

Formel 1 startet in eine Saison des Übergangs

Gleichzeitig stellen die durch die Krise gebeutelten Autokonzerne, die hinter fünf der zehn Rennställe stehen, die Kosten für den PS-Zirkus auf den Prüfstand.

Ende 2008 zog sich bereits Honda komplett zurück. Renault und Toyota wurden als nächste Wackelkandidaten gehandelt, auch bei BMW und Mercedes befassten sich die Vorstände mit Ausstiegsszenarien. Allen Beteiligten ist klar: Die Formel 1 muss sparen, sonst droht ihr selbst der Totalschaden.

Wenn daher am 29. März in Melbourne die Motoren für die neue Saison angelassen werden, startet die Königsklasse des Automobilrennsports in eine Saison des Übergangs. Scharfe Einschnitte stehen bevor – die Einnahmen sinken schneller als Kosten. Für die neue Saison dürften die Sponsoreneinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um mindestens 70 Millionen Euro schrumpfen, so eine Studie der britischen Experten des Formel-1-Reports „Formula Money“. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

„Die Formel 1 steht an einem Wendepunkt, das große Geldausgeben ist vorbei“, sagt BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, „ich erwarte keinen Verfall, aber eine schwierige Phase.“

Ferrari-Lenker Luca di Montezemolo als Sprecher der Rennställe fordert: „Wir müssen uns der realen Welt anpassen."

"Aufräumen“ sei das Gebot der Stunde, sagt Stephan Schröder, Vorstand beim Kölner Marktforschungsunternehmen Sport + Markt: „Die Ausgaben für das Sponsoring von Sportwettbewerben stehen unter enormem Druck durch die Öffentlichkeit.“ Die notleidenden Autokonzerne müssten zehnmal überlegen, ob sie weiter Geld ins PS-Spektakel pumpen, während sie Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken.

Auch Einladungen zu Rennpartys und in die Paddock-Clubs, wo es Champagner und Kaviar für Edelfans gab, werden gekürzt. So verzichtet BMW erstmals seit Jahren darauf, in Melbourne 400 Kunden auf eine eigene Tribüne mit Bar einzuladen. Das spart angeblich bis zu 500.000 Euro. Gefahndet wird nach der Sparformel, nach einem Weg, mit möglichst geringen Budgets wieder Spannung und damit größtmögliches Zuschauerinteresse zu schaffen.

Noch stemmen die Teams zusammen einen Gesamtetat von mindestens 1,8 Milliarden Euro, um damit rund um den Globus 18 Autorennen zu fahren. Das sind bereits angeblich 30 Prozent weniger als im Vorjahr, als die Teams noch 2,9 Milliarden Euro auf den Pisten verheizen durften. Das Sparen soll weitergehen: In der vergangenen Woche legte der Weltautomobilverband FIA als weiteren Anreiz fest, dass ab 2010 Teams, die mit einem Budget von höchstens 33 Millionen Euro auskommen, größere technische Freiheiten genießen sollen als jene ohne finanzielle Fesseln.

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