Rennstrecken-Skandal: Nürburgring-Manager nimmt den ersten seiner Hüte

KommentarRennstrecken-Skandal: Nürburgring-Manager nimmt den ersten seiner Hüte

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Kai Richter (2. v. r.) vor dem Grossen Preis von Deutschland mit Geschäftsfuehrer Joerg Lindner (v.l.), Rheinland-Pfalzs Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), der Geschäftsführer der Formel 1 Bernie Ecclestone und Rheinland Pfalzs Innenminister Roger Lewentz (SPD)

von Harald Schumacher

Die Affäre um den weltbekannten Nürburgring spitzt sich zu. Der umstrittene Rennstrecken-Manager Kai Richter ist unerwartet als Geschäftsführer eines der zentralen Ring-Unternehmen zurückgetreten. Das ist vermutlich der Anfang vom Ende seiner Karriere.

Seit Jahren wunderten sich Beobachter, warum die Mainzer Landesregierung um das international neben der Loreley wohl bekannteste Stück Rheinland-Pfalz – den Nürburgring - einem kaum bekannten Projektentwickler aus Düsseldorf anvertraute. Selbst nachdem aufgeflogen war, dass der scheinbare Investor Kai Richter nur so getan hatte, als würde er neue Gebäude am Rand der Rennstrecke mit 85 Millionen Euro privat finanzieren, dabei aber bloß Geld aus der Landeskasse getarnt hatte, war der Mann nicht aus dem Rennen.

Trotz des Skandals wurde Richter zusammen mit dem Hotelier Jörg Lindner Gesellschafter und Manager der neuen Ring-Betreiber-Gesellschaft Nürburgring Automotive GmbH. Und er konnte am laufend Band neue Unternehmen gründen, die das Firmengeflecht und die Geldströme rund um die „Grüne Hölle“, wie Fans die Strecke nennen, immer undurchsichtiger machten.

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Kurt Beck setzte Richter ab

Nun ist Richter überraschend von einem seiner Ämter zurückgetreten. Er ist nicht mehr Geschäftsführer der Cash Settlement & Ticketing GmbH (CST), die am Ring ein bargeldloses Zahlungssystem installiert hat. Mitgeteilt hat das nicht Richter selber, sondern Landesinnenminister Roger Lewentz. Ein klares Signal: Ministerpräsident Kurt Beck, der das Ring-Desaster zu verantworten hat, bei dem 330 Millionen Euro in teilweise nicht funktionierende und überwiegend unrentable Freizeiteinrichtungen investiert wurden, setzt sich von Richter ab. Diese Nachricht ist vermutlich der Anfang vom Ende der Rennstrecken-Karriere Richters.

Beck sucht Sicherheitsabstand, weil Richter kaum mehr zu halten ist. Denn gegen den smarten Düsseldorfer laufen brisante Ermittlungen der Koblenzer Staatsanwaltschaft. Ende Juni schockte eine Razzia, bei der Akten und elektronische Daten en Masse beschlagnahmt wurden – unter anderem am Nürburgring und bei Richters Projektentwicklungsgesellschaft Mediinvest in Düsseldorf. Ermittelt wird wegen Untreue. Über vier Millionen Euro Schaden sollen allein dadurch entstanden sein, dass die Kosten für das Bezahl-System allein das Land trug, obwohl Mediinvest die Hälfte hätte tragen müssen. Richter soll laut Staatsanwaltschaft auch überflüssige Aufträge an Firmen vergeben haben, an denen er beteiligt war, um sich, so die Staatsanwaltschaft, "Vorteile zu verschaffen". Den Schaden dadurch schätzt die Staatsanwaltschaft auf mindestens 200.000 Euro.

Richter bestreitet die Vorwürfe. Aber spätestens eine Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft würde den Ring-Manager, der das Rheinland-Pfalz-Highlight Nürburgring zum Selbstbedienungsladen machte, endgültig ausbremsen.

Vielleicht findet sich dann eine Antwort auf die Frage, wie es zum mysteriösen Aufstieg Richters überhaupt kommen konnte.

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