Rettungspaket: Spekulationen um Staatseinstieg bei Commerzbank

Rettungspaket: Spekulationen um Staatseinstieg bei Commerzbank

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Filiale der Commerzbank in Frankfurt am Main

Der Bund steht möglicherweise vor einem Einstieg bei der Commerzbank. Das zweitgrößte deutsche Geldhaus habe Interesse an frischem Kapital aus dem staatlichen Rettungspaket.

Das erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren mit den Überlegungen vertrauten Personen. Die Commerzbank-Aktie verlor bis 11 Uhr mehr als acht Prozent und liegt bei 8,29 Euro.

Der Aufsichtsrat werde auf der für Dienstag geplanten Sitzung mit Vorstandschef Martin Blessing über eine Teilnahme an dem 480 Milliarden Euro schweren Hilfsfonds beraten, sagte ein Mitglied des Kontrollgremiums.

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Entschiede sich die Bank für eine Kapitalspritze des Bundes, bekäme die Regierung direkten Einfluss auf die Geschäftspolitik. Ein Commerzbank-Sprecher betonte lediglich, die Bank prüfe weiter das Maßnahmenpaket der Regierung.

„Die Commerzbank ist an allen Instrumenten des Fonds interessiert, also auch an der Option zur Rekapitalisierung“, sagte eine Person aus dem Umfeld der Bank. Hintergrund seien die andauernde Finanzkrise sowie die anstehende Übernahme der Dresdner Bank. Im dritten Quartal schlugen vor allem Belastungen aus dem Engagement bei der pleitegegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers und in Island negativ zu Buche, wie ein anderer Insider sagte. „Das ist ein weiterer Grund für die Bank, ihre Kapitalbasis gut im Auge zu behalten.“

Am Mittwoch will die Commerzbank die Ergebnisse für das dritte Quartals bekanntgeben. Bislang ist die Resonanz der Banken auf den Hilfsfonds der Regierung äußerst mau. Von den privaten Instituten will bisher nur die angeschlagene Hypo Real Estate Garantien in Anspruch nehmen, der Immobilienfinanzierer sieht aber auch grundsätzlich Bedarf für Kapitalhilfen.

Bundesbank fordert von Instituten Kapitalstärkung

Druck auf die Banken kommt aber von ganz oben: Bundesbank-Präsident Axel Weber forderte die Institute am gestrigen Abend mit deutlichen Worten auf, ihre Kapitalbasis zu stärken, um für weitere Belastungen besser gerüstet zu sein. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück rechnet damit, dass in den nächsten vier bis fünf Tagen mehrere Geldhäuser gemeinsam einen Antrag auf Hilfen des Staates stellen werden.

Finanzkreisen zufolge geht es dabei aber nur um Garantien für Interbankenkredite. Die Übernahme einer solchen Bürgschaft setzt nach den gesetzlichen Vorgaben eine angemessene Eigenkapitalausstattung der betroffenen Bank voraus. Die Geschäftsbanken in Deutschland diskutieren derzeit Branchenkreisen zufolge über eine gemeinsame Nutzung von Bürgschaften des Fonds. Wenn dies bekanntgegeben würde, könnte die Commerzbank „im Windschatten“ auch die Inanspruchnahme der Kapitalhilfe ankündigen, sagte ein Insider.

Eine andere Person mit direkten Kenntnissen von dem Fonds ergänzte: „Andere Banken werden wohl später folgen und ebenfalls staatliches Kapital beantragen, da die Krise noch nicht ausgestanden ist.“

Die Commerzbank hatte zum Ende des zweiten Quartals eine Kernkapitalquote (Tier 1) von 7,4 Prozent. Damit liegt sie im internationalen Vergleich inzwischen eher im unteren Bereich. Die Deutsche Bank, die im Gegensatz zur Commerzbank auf das riskantere Investmentbanking ausgerichtet ist, kam Ende September auf 10,3 Prozent. Im Vergleich dazu haben britische Banken nach den Rettungsaktionen der Regierung im Schnitt eine Kernkapitalquote von rund neun Prozent.

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