Rettungsplan: Wie Opel die Mitarbeiter zu Miteigentümern macht

Rettungsplan: Wie Opel die Mitarbeiter zu Miteigentümern macht

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Opel-Arbeiter: Die Aktiengesellschaft, die die Mitarbeiteranteile halten wird, ist schon gegründet

Den Opelanern sollen künftig zehn Prozent ihres Unternehmens gehören. Der ambitionierte Plan berührt Kernfragen der Marktwirtschaft und könnte Vorbild für andere angeschlagene Unternehmen sein.

Den 9. Februar 2001 hat in Speyer bis heute niemand vergessen. Da regnete es Geld. 518 Einwohner der pfälzischen Kreisstadt wurden über Nacht um rund 45 Millionen Euro reicher. Die Glücklichen waren Mitarbeiter der örtlichen Pfalz-Flugzeugwerke, heute PFW Aerospace. Sie hatten das Unternehmen, das früher zur Luftfahrtsparte von Daimler-Benz gehörte, vor der Pleite bewahrt: Indem sie es 1997 von dem Stuttgarter Mutterkonzern für kleines Geld übernahmen.

Vier Jahre später war der Zulieferer der Flugzeugindustrie saniert, und die Arbeitnehmer verkauften das Unternehmen an den US-Finanzinvestor Safeguard für das 90-Fache ihres Investments. Im Schnitt sackte jeder Mitarbeiter 90.000 Euro ein, langjährige Betriebsangehörige sogar bis zu 200.000 Euro. Den Plan ausgeheckt und den Verkauf eingefädelt hatte der Frankfurter Rechtsanwalt Wolfgang Apitzsch.

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Dem pfiffigen Advokaten, der Mitte der Neunzigerjahre etwa auch den einstigen Chef der früheren Metallgesellschaft, Heinz Schimmelbusch, wegen dubioser Finanzgeschäfte vertrat, winkt jetzt neue, weit größere Aufmerksamkeit – diesmal bei Opel.

Denn Apitzsch entwickelte in den vergangenen Wochen die Architektur der Mitarbeiterbeteiligung, mit der die Opelaner bei ihrem von Pleite bedrohten Arbeitgeber in Höhe von rund zehn Prozent der Aktien einsteigen wollen. Im Auftrag des Opel-Betriebsrates gründete Apitzsch bereits eine Aktiengesellschaft mit dem Namen „Vorratsgesellschaft 4“, die die Mitarbeiteranteile verwalten soll. Nun verhandeln Betriebsräte und IG Metall mit dem erwarteten neuen Opel-Investor, dem kanadisch-österreichischen Automobilzulieferer Magna, über die Details.

Modell Opel könnte Schule machen

Das Modell, so viel steht schon jetzt fest, dürfte weit über Opel hinaus strahlen. Auch beim Stuttgarter Autobauer Daimler, der sich von den Beschäftigten erkleckliche Beiträge zur Konzernsanierung erhofft, ist Apitzsch mit von der Partie, um die Einschnitte beim Gehalt über eine Mitarbeiterbeteiligung zu kompensieren. Damit wird die Krise möglicherweise zum Katalysator für einen vor allem bei Gewerkschaftern höchst umstrittenen Schritt.

Machte das Beispiel Opel Schule, übernähmen die Arbeitnehmer zu ihrem Risiko, ihren Job zu verlieren, künftig auch noch unternehmerisches Risiko.

Sprich: Geht der Arbeitgeber pleite, wären die Beschäftigten sowohl ihren Job, als auch ihr Kapital los – ein Horror für altgediente IG-Metaller, die Beteiligungen am Unternehmen deshalb meist mieden wie der Teufel das Weihwasser. Wesentlich offener verfolgt dagegen die deutsche Industrie das Vorhaben Opel.

Bewährt sich die Konstruktion, könnte sie zum Modell für die Rettung anderer geschlagener Unternehmen werden.

Kernfragen der Marktwirtschaft

Die Idee der Mitarbeiterbeteiligung , wie sie bei Opel kommen soll, ist so alt wie konfliktreich. Die Fragen, die derzeit hinter den Kulissen geklärt werden, rühren an den Kern der Unternehmensverfassung und der Marktwirtschaft.

Wie viel Macht sollen die Mitarbeiter im neuen Unternehmen haben? Was wird aus der Mitbestimmung im Aufsichtsrat, bekommen die Mitarbeiter zu ihren gesetzlich garantierten Vertretern auf Arbeitnehmerseite einen weiteren Sitz auf der Kapitalseite? Wenn ja, wie würden sie dann bei unerlässlichen Massenentlassungen abstimmen – mit den Kapitalisten gegen die Kollegen? Ganz zu schweigen von der Frage, woher klamme Beschäftigte das Geld für eine Beteiligung nehmen sollen und wer die Aktien verwaltet.

Was sich bei Opel abzeichnet, haben in den zurückliegenden Wochen Anwalt Apitzsch, Betriebsräte, IG-Metaller sowie Rechtsanwälte des Münchner Büros der Anwaltskanzlei Lovells ausbaldowert. Damit steht das Modell der geplanten Mitarbeiterbeteiligung bei Opel in groben Zügen fest.

In einem ersten Schritt gab der Konzernbetriebsrat grünes Licht für die Gründung einer Aktiengesellschaft, die die Anteile der Mitarbeiter an der neuen Opel-Aktiengesellschaft verwalten soll. Apitzsch erwarb zu diesem Zweck die rechtliche Hülle einer bestehenden, aber nicht mehr aktiven Aktiengesellschaft, die vorläufig „Vorratsgesellschaft 4“ heißt. Nach einem passenden endgültigen Namen suchen die Opel-Betriebsräte noch.

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