Rewe-Chef Alain Caparros im Interview: „Ich akzeptiere den zweiten Platz“

Rewe-Chef Alain Caparros im Interview: „Ich akzeptiere den zweiten Platz“

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Caparros, 51, war für das Rewe-Auslandsgeschäft und die Discountkette Penny zuständig, bevor er im Dezember 2006 den Vorstandsvorsitz der Rewe Group übernahm. Der gebürtige Franzose begann seine Karriere bei dem Kosmetikanbieter Yves Rocher, wechselte 1994 zu Aldi und dirigierte den Schweizer Lebensmittelhändler Bon Appetit, den Rewe 2003 kaufte.

Rewe-Chef Alain Caparros über hohe Lebensmittelpreise, Öffnungszeiten bis Mitternacht und seine Chancen, die Billigkette Norma zu übernehmen.

WirtschaftsWoche: Herr Caparros, gerade hat Ihr Erzrivale Edeka vom Bundeskartellamt die Erlaubnis zur Übernahme des Tengelmann-Discounters Plus erhalten, den Sie sich eigentlich schnappen wollten. Haben Sie die Niederlage schon verwunden?

Caparros: Natürlich war ich verärgert und enttäuscht, als die Tengelmann-Spitze an Edeka und nicht an uns verkauft hat. Wir hätten den Plus-Deal gerne gemacht. Andererseits bin ich aber auch jeden Tag erleichtert, dass es nicht geklappt hat.

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Warum?

Die Integration von Plus hätte unsere komplette Finanz- und Managementstärke gefordert. Wir wussten von vornherein: Wenn wir das durchziehen, wird das ein Kraftakt, der uns die nächsten Jahre auf Trab hält und uns die Möglichkeit nimmt, noch stärker im Ausland zu wachsen.

Wäre es das nicht wert gewesen? Auf dem deutschen Markt haben Sie die Chance vertan, Edeka bei den Umsätzen noch einzuholen.

Was nutzt es mir, Erster bei den Umsätzen zu sein? Größe allein ist nicht entscheidend. Das ist eine typisch deutsche Haltung. Auch der Zweite kann sehr gut leben. Vielleicht wird sich im Nachhinein herausstellen, dass wir zu vorsichtig waren. Aber der Preis für Plus war für uns zu hoch.

Sie klangen auch schon angriffslustiger. Von Ihnen stammen Aussagen wie „Discount ist Guerilla“. Was wollen Sie gegen die neue Billigmacht unternehmen?

Ich kann Sie beruhigen: Bei Rewe herrscht noch immer der alte Kampfgeist. Aber die Vorstellung ist naiv, dass wir nun eine großangelegte Gegenoffensive starten und die Bundesrepublik mit Penny und Rewe-Märkten zupflastern. Edeka ist Marktführer und bleibt Marktführer. Aber ich kann auch den zweiten Platz akzeptieren und im Windschatten sehr gut leben.

Auch wenn Sie nun Gelassenheit demonstrieren – Sie werden sich über die Auflagen des Kartellamtes für die Plus-Übernahme gefreut haben. Immerhin muss Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub gut 380 Plus-Filialen an Dritte verkaufen.

Ich habe eigentlich erwartet, dass Tengelmann mehr abgeben muss. 380 Filialen von insgesamt 2900 sind nicht sonderlich viel. Was uns allerdings tatsächlich Vorteile bringt, ist, dass die geplante Einkaufsallianz zwischen der Tengelmann-Tochter Kaiser’s und Edeka untersagt wurde.

Es gibt Spekulationen, dass Haub dadurch gezwungen sein könnte, das restliche Supermarktgeschäft zu verkaufen.

Daran glaube ich nicht. Die Familie wird nicht verkaufen, dafür ist die verständliche emotionale Bindung an das Geschäft viel zu eng. Aber sie brauchen einen starken Kooperationspartner im Einkauf.

Und der soll Rewe heißen?

Wir sind offen für neue Partner: Willkommen bei Rewe. Die Tengelmann-Supermärkte haben eine sehr hohe Flächenproduktivität und sind damit ein attraktiver Partner. Umgekehrt könnte Tengelmann von unserem internationalen Einkaufs-Know-how profitieren.

Verhandeln Sie schon mit Haub darüber?

Ich habe keinen regelmäßigen Kontakt zu ihm, und ich vermute, er hat momentan ohnehin genug damit zu tun, sich mit der Edeka-Spitze über die Folgen der Kartellamtsentscheidung zu beraten und die Verträge anzupassen. Aber wenn die Bereitschaft da ist, können wir uns gerne zusammensetzen.

Dabei können Sie auch gleich über die 380 Plus-Märkte sprechen.

Wir prüfen die Märkte gerade. Es wäre natürlich sehr schön, wenn wir uns mit Tengelmann auf eine Übernahme verständigen könnten. Aber zuerst müssen wir von den Standorten überzeugt sein. Danach werden wir über die finanzielle Komponente sprechen. Wir sind zwar zu einem fairen Angebot bereit, aber wir zahlen nicht jeden Preis.

Wo liegt die Grenze?

Wir haben die ersten Standorte bewertet und sind teilweise positiv überrascht von der Qualität. Wir müssen uns aber noch die Mietzahlungen und ähnliche Details ansehen, bevor wir entscheiden, ob und wie viel wir bieten. Klar ist: Rewe ist kein Resteverwerter. Es könnte zwar eine gute Gelegenheit sein. Aber für uns bleibt das organische Wachstum entscheidend. Bis 2013 werden wir beispielsweise jedes Jahr 150 bis 180 neue Penny-Märkte eröffnen.

"Die Konjunktur wird nicht einbrechen"

Haben Sie keine Sorge, dass die schleppende Konjunktur Ihre Pläne über den Haufen wirft?

Die Konjunktur wird nicht einbrechen, aber unsere Umsätze werden in der zweiten Jahreshälfte sicherlich nicht mehr so stark steigen wie bisher. Wir sind momentan in einer recht komfortablen Situation: Bei Penny hatten wir im ersten Halbjahr einen Umsatzschub von rund fünf Prozent. In den Rewe-Märkten liegen wir deutlich über fünf Prozent. Es gibt Monate, in denen wir zweistellig wachsen. Das ist fast schon beängstigend gut.

Woran liegt das?

Vor allem haben wir die Öffnungszeiten nahezu flächendeckend bis 22 Uhr ausgeweitet. Momentan überlegen wir, ob wir noch einen Schritt weitergehen und unsere Läden in Einzelfällen noch länger – vielleicht sogar bis Mitternacht – öffnen. Zudem haben wir die Läden renoviert, unsere Supermärkte komplett auf die Marke Rewe umgestellt, das Geschäft mit Bioprodukten ausgebaut...

...und Sie haben die Preise kräftig erhöht. Welchen Anteil haben die gestiegenen Lebensmittelpreise an Ihrem Umsatzwachstum?

Das macht etwa die Hälfte aus. Die Preisentwicklung ist übrigens nicht nur auf die höheren Rohstoffkosten zurückzuführen.

Sondern?

Die Nahrungsmittel-Industrie hat schlicht und einfach die Chance genutzt, wo möglich noch ein bisschen was zusätzlich draufzuschlagen, das heißt, auch für uns steigen die Kosten im Einkauf, nicht nur für die Kunden.

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