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Rewe-Chef Caparros: "Der Selbstmord ist kollektiv"

von Henryk Hielscher

Rewe-Chef Alain Caparros über seine Pläne für den Einstieg in den Online-Handel mit Lebensmitteln, die Renaissance der Supermärkte und die Preisschlachten der Discounter.

Alain Caparros, Quelle: dapd
Alain Caparros, Vorstandsvorsitzender der Rewe-Gruppe Quelle: dapd

WirtschaftsWoche: Herr Caparros, der Online-Händler Amazon verkauft neuerdings Lebensmittel via Internet, die hessische Supermarktkette Tegut startet gerade damit. Selbst der Hamburger Otto-Versand erwägt, in das Geschäft einzusteigen. Wie lange wird es den klassischen Supermarkt noch geben?

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Alain Caparros: Wenn ich mir die derzeitigen Online-Angebote anschaue, noch sehr, sehr lange. Wir haben ein paar Testkäufe bei einzelnen Wettbewerbern gemacht – es war abenteuerlich. Sie müssen eine halbe Woche vorher bestellen und wenn die Ware kommt, brauchen Sie allein für die vielen Verpackungen einen zusätzlichen Müllcontainer, ganz zu schweigen von den Versandkosten.

Das klingt, als wären Sie ein Online-Gegner.

Das Gegenteil ist richtig. Ich bin überzeugt davon, dass der Online-Handel mit Lebensmitteln funktioniert. Viele meiner Freunde in Frankreich kaufen fast nur noch per Internet ein. In Deutschland fehlt dafür bisher einfach das richtige Angebot. Aber das werden wir hoffentlich bald ändern.

Heißt das, Sie werden auch in den Online-Handel mit Lebensmitteln einsteigen?

Wir werden von Winter 2011 an in zwei, drei großen deutschen Städten starten und zwei unterschiedliche Online-Konzepte testen.

Was haben Sie vor?

Wir wollen zum einen eine Art Drive-in-Supermarkt erproben. Das Modell dafür ist ein Rewe Express Markt, den wir in Köln seit Beginn dieses Jahres testen. Dort bestellt der Kunde zunächst online seine Ware, fährt dann zu einer vereinbarten Uhrzeit zur Filiale und braucht nur noch den Kofferraum zu öffnen und die Produkte in Empfang zu nehmen. Zum anderen werden wir unseren Kunden die Möglichkeit bieten, sich von Rewe beliefern zu lassen. Die Kunden werden dann ihren kompletten Einkauf bei uns online bestellen können.

Vom Kasten Bier bis zum Sack Kartoffeln?

(lacht) Das sind unsere Lieblingskunden: sich die schweren, preiswerten Sachen nach Hause in die fünfte Etage liefern lassen. Aber im Ernst: Egal, ob unsere Kunden Getränke, Obst, Tiefkühlkost oder Käse bestellen, wir werden liefern. Das ist extrem aufwendig – wenn die Leute nicht zu Hause sind, können wir die Lebensmittel ja schlecht vor der Tür stehen lassen –, gehört zum Service aber dazu.

Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?

Anfangs werden das Drive-in und das Lieferkonzept sicherlich nur einen sehr geringen Anteil am Umsatz ausmachen. Aber für uns sind solche neuen Ansätze auch eine Art Versicherung für die Zukunft. Wir können es uns nicht leisten, wichtige Trends zu verschlafen.

Warum hat Rewe dann die Investitionen drastisch heruntergefahren?

Anfang des Jahres hatten wir unser Investitionsbudget tatsächlich reduziert, weil damals einfach nicht absehbar war, wie sich die Geschäfte entwickeln würden. Inzwischen hat sich der Nebel gelichtet, wir erwarten 2010 ein Geschäft auf dem Niveau des Vorjahres und haben unser Budget entsprechend erhöht. Wir werden mehr als 1,3 Milliarden Euro investieren.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.09.2010, 04:34 UhrAnonymer Benutzer: Robert

    Herr Caparros widerspricht sich nicht wirklich, da der Gesamtumsatz am Markt aber auch im einzelnen Unternehmen mit dem Mittel Preissenkung nicht zu steigern ist. Das Absatzwachstum kann den Preisverfall nicht einmal mehr ausgleichen. Jedoch ist der Händler gezwungen dem Preisführer zu folgen, da sonst der Umsatzrückgang viel stärker ausfallen würde.
    Des Weiteren sind die Hersteller nicht generell die "Opfer", da diese oftmals wesentlich höhere Margen einfahren können, das zwei- bis dreifache eines Lebensmittelhändlers. Zumal sog. A-Marken-Hersteller eine wesentlich höhere Marktmacht aufweisen. REWE ohne Coca Cola würde sicherlich imageprobleme bekommen.
    Es ist nicht immer alles so einfach wie es auf den ersten blick scheint...

  • 25.09.2010, 23:06 UhrAnonymer Benutzer: Neu in Deutschland

    @Alex, wo soll ich Fleisch und Milch kaufen? Direkt bei bauern? Sind Sie auch besser?

  • 23.09.2010, 11:55 UhrAnonymer Benutzer: des einen Freud, des andren Leid

    interessant ist vor allem die Tatsache, dass sich Herr Caparros binnen 3 Fragen selbst widerspricht:

    -"Die Preissenkungen, die vor allem Aldi forciert, sind allerdings längst kein Hebel mehr, um die Zahl der Kunden oder den Umsatz zu steigern"
    -"Wenn Milch, brot oder butter in unseren Geschäften teurer sind als bei der Konkurrenz, wandern Kunden ab."

    Man sollte bei all den Preissenkungen nie aus den Augen verlieren, dass die Discounter nicht großzügig auf ihre Marge verzichten, sondern Hersteller und Produzenten teils bis an den Rand des Ruin treiben, um diesem Wahnsinn standhalten zu können

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