Rewe-Chef Lionel Souque: Der neue Boss im Supermarkt

Rewe-Chef Lionel Souque: Der neue Boss im Supermarkt

, aktualisiert 01. Juli 2017, 16:01 Uhr
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Der bekennende Sportfan mit einem Faible für Fußball, Handball, Basketball und Biathlon spricht perfektes Deutsch mit einem leichten französischen Akzent.

Quelle:Handelsblatt Online

Er ist Franzose, hasst Krawatten und liebt Fußball. Lionel Souque tritt die Nachfolge von Alain Caparros an – und leitet künftig den zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändler Rewe. Er steht vor großen Herausforderungen.

KölnMachtwechsel bei Deutschlands zweitgrößtem Lebensmittenhändler: Der Franzose Lionel Souque übernimmt zum 1. Juli die Leitung der Kölner Rewe-Gruppe. Der 45-jährige Manager stand bisher im Schatten seines Vorgängers Alain Caparros, der es liebte mit starken Worten Schlagzeilen zu machen – zuletzt im Kampf um die Kaiser's Tengelmann-Supermärkte. Doch kennt Souque die Rewe-Gruppe so gut wie kaum ein anderer.

Wie Caparros ist Souque Franzose, wie Caparros verzichtet er gern auf eine Krawatte, wie Caparros liebt er moderne Kunst. Doch gilt der neue Chef als deutlich ausgeglichener als sein Vorgänger.

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Der bekennende Sportfan mit einem Faible für Fußball, Handball, Basketball und Biathlon spricht perfektes Deutsch mit einem leichten französischen Akzent. Gelernt hat er es während eines zweijährigen Studienaufenthaltes in Reutlingen. Nach Abschluss seines Wirtschaftsstudiums führte der Weg des gebürtigen Parisers dann schnurstracks zum Kölner Lebensmittelhändler, der gerade mit seiner Auslandsexpansion begann und deshalb auf der Suche nach ausländischen Mitarbeitern war.

An die erste Zeit beim Kölner Unternehmen erinnert sich der Manager noch heute durchaus mit gemischten Gefühlen. Schon nach wenigen Monaten bekam er die Leitung einer Filiale der Discount-Tochter Penny in einem sozialen Brennpunkt in München übertragen. „Fast jeden Tag gab es Krawall im Markt“, erzählt er. Doch Souque biss sich durch – und machte schnell Karriere.

Zunächst bei den Auslandstöchtern von Rewe. „Ich hatte Glück. Das wollte kein anderer machen“, erzählt er und preist die Vorteile des Schrittes. „Im Ausland konnte man viel mehr entscheiden.“ Immer wieder wechselte der Manager in den Folgejahren das Land, knüpfte neue Kontakte und sammelte Erfahrungen. Das machte sich bezahlt. Bereits mit 35 zog er 2007 in den Vorstand von Rewe International ein, 2009 übernahm er die Leitung von Rewe Deutschland und wurde Mitglied des Gesamtvorstandes. Jetzt wartet der Chefsessel auf ihn.

Privat hatte die Ochsentour durchaus ihren Preis. Seine spätere Frau, eine Französin, hatte Souque bereits bei seinem Studium in Reutlingen kennengelernt, doch die Berufswege führten sie geografisch weit auseinander. „In den ersten acht Jahren haben wir nie im selben Land gelebt. Aber wir haben uns praktisch jede Woche gesehen“, erzählt der Manager. Die Beziehung hielt dennoch. Heute lebt die Familie mit drei Kindern, drei Meerschweinchen und einem Hund in Köln.


Große Herausforderungen stehen an

Der Übergang zwischen Caparros und Souque dürfte weitestgehend geräuschlos erfolgen, schließlich haben beide schon seit Jahren als Team gearbeitet. Langweilig dürfte es dem Manager dennoch nicht werden. Denn die Herausforderungen, mit denen er sich in den nächsten Jahren herumschlagen muss, sind beträchtlich.

Nummer eins: Die wiedererstarkten Discounter. Nach einer kurzen Schwächephase glänzen Aldi und Lidl derzeit auch in Deutschland wieder mit kräftigen Umsatzzuwächsen. Sie stecken Milliarden in die Modernisierung ihrer Läden und rücken optisch und in Teilen des Angebots immer näher an die klassischen Supermärkte heran. Hier wird Rewe reagieren müssen.

Nummer zwei: Die demografische Entwicklung. Durch den erwarteten Bevölkerungsrückgang drohen nicht nur Umsatzeinbußen. Es dürfte für Rewe auch schwieriger werden, genug neue Mitarbeiter zu finden.

Nummer drei: Die Online-Konkurrenz. Spätestens seit dem Start von Amazon Fresh ist klar, dass auch der Lebensmittelhandel nicht von der Konkurrenz aus dem Internet verschont bleibt. Zwar bietet Rewe schon heute in 75 Städten selbst die Möglichkeit zum Online-Einkauf. Doch von einem lukrativen Geschäftsmodell ist der Handelsriese in diesem Bereich noch ein ganzes Stück entfernt. „Ich glaube nicht, dass wir in den nächsten drei bis fünf Jahren mit Online Geld verdienen, aber andere auch nicht“, beschreibt Souque selbst die Lage.

Souques Vorgänger Caparros ist jedenfalls zuversichtlich, dass der neue Rewe-Chef die richtigen Antworten auf die Herausforderungen finden wird. Gefragt nach drei Empfehlungen, die er seinem Nachfolger Lionel Souque geben wolle, meinte er lakonisch: „Er weiß schon genau, was er zu machen oder zu lassen hat.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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