Ripplewood, BAIC, Magna: Opel-Investoren: Scheingefechte auf der Zielgeraden

KommentarRipplewood, BAIC, Magna: Opel-Investoren: Scheingefechte auf der Zielgeraden

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WirtschaftsWoche-Redakteur Wilfried Eckl-Dorna

Bei Opel steigt die Fieberkurve: In den nächsten Tagen soll eine Entscheidung fallen. Was nun nach einem Bieterrennen zwischen Magna, Ripplewood und BAIC aussieht, ist in Wirklichkeit ein Scheingefecht: Denn nur einer der Investoren hat reelle Chancen.

Die Opelaner können einem wirklich leid tun. Vor kurzem hatten sie noch vergleichsweise klare Sicht auf den künftigen Sanierungsweg: Die Regierung hatte sich auf den Autozulieferer Magna als wahrscheinlichsten Investor geeinigt. Bis Mitte Juli sollte der Vertrag unter Dach und Fach sein. Es schien also sicher zu sein, wer das Rennen macht.

Doch auf den letzten Metern haben nun sämtliche Beteiligten die Nebelwerfer ausgepackt und hüllen die Causa Opel in eine graue Suppe substanzloser Meldungen. Nun gilt der Finanzinvestor Ripplewood angeblich als neuer Favorit: Er soll bereits bei der Regierung für sein nachgebessertes Angebot werben, hieß es heute. Eine Meldung, die der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck umgehend als „Störfeuer“ abkanzelte.

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Auch für den chinesischen Autobauer BAIC, keine echte Größe auf seinem Heimatmarkt, scheint Meldungen zufolge der Opel-Blitz zum Greifen nah: BAIC soll der „Bild“-Zeitung zufolge bereits auf den Betriebsrat des kriselnden Autobauers zugehen. Das klingt verheißungsvoll – wenn es da nicht einen kleinen Vermerk in einem Papier der Bundesregierung gäbe, der völlig zu Recht auf einen möglichen Technologieklau durch BAIC hinweist.

Verhandlungstaktik oder Märchen?

In der nachrichtenarmen Sommerzeit wird jede kleine Wendung bei Opel gerne zum „Durchbruch“ hochstilisiert. In Wirklichkeit gehört das meiste davon zum verhandlungstaktischen Handwerkszeug oder schlicht ins Reich der Märchen. Dem Finanzinvestor Ripplewood fehlen zwei ganz essenzielle Dinge, um bei Opel zum Zug zu kommen: Das notwendige Kleingeld – und die politische Unterstützung.

Der belgische Ableger des US-Finanzinvestors, der bei Opel einsteigen soll, ist derzeit alles andere als flüssig: Vor zwei Wochen hat Ripplewood seine tiefrote Jahresbilanz vorgelegt. Im bis März laufenden Geschäftsjahr hat der Finanzinvestor sein Minus auf mehr als eine Milliarde Euro verdoppelt. Schuld daran waren, hieß es damals, die Produktionsrückgänge bei den Automobilbeteiligungen. Analysten warnten bereits damals, dass Ripplewood schlicht zu wenig Bargeld für den Opel-Deal habe. An diesen Eckdaten hat sich bislang nichts geändert.

Hohe politische Hürden für Ripplewood

Ripplewood dürfte, wie alle anderen Finanzinvestoren auch, große Schwierigkeiten haben, das Geld für den Opel-Deal aufzutreiben. Doch selbst wenn es klappt, müsste  Ripplewood noch hohe politische Hürden nehmen: Sollte der Finanzinvestor zum Zug kommen, muss sich SPD-Chef Franz Müntefering den Vorwurf gefallen lassen, Opel an eine „Heuschrecke“ verkauft zu haben. Dieses geflügelte Wort hat Müntefering einst selbst geprägt, als er die Finanzinvestoren wegen ihrer rüden Methoden an den Pranger stellte. Ein solcher Fehltritt Münteferings so knapp vor einer Bundestagswahl wäre ein gefundenes Fressen für Linke-Chef Oscar Lafontaine – und dieses Risiko wird die SPD kaum eingehen wollen.

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