Rohstoffe: Alternative Erden - weniger selten

Rohstoffe: Alternative Erden - weniger selten

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Arbeiter in einem Verhüttungswerk für Seltene Erden

von Matthias Kamp und Rüdiger Kiani-Kreß

Chinas Knappheitspolitik zwingt westliche Unternehmen, andere Quellen für die begehrten Seltenen Erden zu suchen.

Die Fahrt von Baotou Richtung Norden ist beschwerlich. Kaum hat der Wagen das Ortsschild der Stadt passiert, verwandelt sich die Straße in eine staubige Sandpiste. Immer wieder geht es nur im Schritttempo voran; zu tief sind die Schlaglöcher. Links und rechts der Strecke türmt sich Geröll in der ockerfarbenen Steppenlandschaft auf. Häuser gibt es kaum, denn leben möchte in dieser Trostlosigkeit im Norden Chinas niemand.

Doch etwa 100 Kilometer nördlich von Baotou, einer der größten Städte in der Inneren Mongolei, ändert sich die Szenerie auf einmal: frisch geteerte Straßen, Kreisverkehre, kurz geschnittener Rasen. Schicke Apartmentblocks säumen blitzsaubere Boulevards. Den Reichtum hier, in der Gegend um Bayan Obo, hat ein Bergwerk gebracht – eines der größten der Welt.

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Sogenannte Seltene Erden fördert das Unternehmen Baotou Rare Earth Hi-Tech Co hier im Tagebau. Zu diesen Spezialrohstoffen gehören die Metalle Scandium und Yttrium sowie 15 weitere sogenannte Lanthanide. Nachdem die Elemente isoliert und verarbeitet sind, werden sie in nahezu allen High-Tech-Industrien verwendet. Turbinen für Windkraftanlagen, Hybridautos, LED-Fernseher, iPads oder moderne Lenkwaffen – fast nirgendwo geht heute noch etwas ohne die High-Tech-Metalle. Rund 97 Prozent der weltweit verwendeten Seltenen Erden werden in China gefördert. Ein großer Teil davon in Bayan Obo.

Der Wohlstand ist teuer erkauft: mit riesigen Umweltverschmutzungen, illegalem Abbau, Schmuggel, dem Einsatz rarer Rohstoffe als politische Waffe sowie mit rigiden Methoden, die Förderer auf Kurs zu bringen. Um die Abhängigkeit zu vermindern, bleibt westlichen Unternehmen nur, andere Quellen zu erschließen.

Vergiftete Gewinne

Gewaltige Umweltschäden machen offenkundig, dass die begehrten Metalle nicht selten mit hochgiftigen Substanzen wie Blausäure aus den Erzen gewaschen werden. In der Inneren Mongolei sind inzwischen ganze Landstriche unbewohnbar. In Guangdong im Süden Chinas werden die weltweit begehrten schweren Seltenen Erden gefördert, zu denen die Metalle Terbium oder Europium gehören, benötigt für Blackberrys und iPhones. Hier klagen Anwohner über mit Schwefelsäure vergiftete Flüsse. Tausende Hektar Ackerland sind unbenutzbar. Die Provinzregierung von Guangdong meldet erhöhte Krankheitsraten nahe den Abbaustätten.

Einen großen Teil der Seltenen Erden bauen illegale Bergwerksbetreiber ab, es gibt bis zu 1000 dieser oftmals kleinen, nicht registrierten Minen. So werden geschätzt die Hälfte der Rohstoffe in Guangdong am Gesetzgeber vorbei aus der Erde geholt. Meist schmuggeln die Betreiber das begehrte Material in Nachbarländer wie Vietnam. Von dort geht es auf die Reise in den Westen oder nach Japan. Legale Förderer wie Minmetals oder Baotou Rare Earth verlieren so viel Geld.

Neue Rohstoffagentur in China

Als Bindeglied zwischen Regierung und Förderern soll nun Chinas neu geschaffene Rohstoffagentur fungieren. Das Gremium, beaufsichtigt vom Ministerium für Informationstechnologie und Industrie und mitgegründet von neun Förderern, soll die Regierung mit fundierten Informationen zur Förderung und Vorkommen Seltener Erden versorgen. Noch dazu dient die Rohstoffagentur dafür, illegale Bergwerksbetreiber einzufangen und das Ausland zu beruhigen. Mit der deutschen staatlichen Rohstoffagentur hat sie allenfalls die Bezeichnung gemein.

Denn im Westen herrscht angesichts der chinesischen Rohstoffpolitik, die in erster Linie den landeseigenen Unternehmen dient, Alarmstimmung. „Die Verknappung kann zu Preissteigerungen und Lieferengpässen bei stark nachgefragten Geräten führen“, sagt August-Wilhelm Scheer, Präsident des deutschen Branchenverbands für Telekommunikation und IT. Seltene Erden seien für die deutsche Wirtschaft mindestens so wichtig wie Erze und Erdöl. Chinas stellvertretender Außenminister Cui Tiankai kann die weltweite Aufregung nicht verstehen: Auch andere Länder könnten schließlich Seltene Erden fördern.

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