Rohstoffe: Naturschutz verknappt heimische Bodenschätze

Rohstoffe: Naturschutz verknappt heimische Bodenschätze

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Kamine der Firma Knauf Gips KG in Iphofen/Unterfranken

von Rüdiger Kiani-Kreß

Naturschutzauflagen verteuern und verknappen heimische Bodenschätze für Unternehmen wie den Gipshersteller Knauf.

Zur Natur, sagt Matthias Reimann, habe er ein inniges Verhältnis. In seiner Freizeit halte er sich gern draußen auf. „Ich genieße gern die offene Landschaft.“ Reimann, Leiter der Rohstoffsicherung des Baustoffunternehmens Knauf aus dem nordfränkischen Iphofen, würde sich auch beruflich gern stärker der Natur widmen. „Wir haben in Deutschland so wenig Arten von Rohstoffen in größerer Menge, dass wir die vorhandenen besser nutzen sollten“, sagt er.

Doch nach Rohstoffen suchen und schürfen fällt in Deutschland zunehmend schwerer, obwohl jeder Bundesbürger pro Stunde etwa ein Kilo mineralischer Rohstoffe verbraucht wie Quarz im Glas und Feldspat in der Zahncreme. „Neue Abbaustätten und Steinbrüche oder die Erweiterung bestehender Gruben werden immer seltener genehmigt“, sagt Reimann. „Und wenn, dann auf eine Weise, dass es immer schwerer wird, mit erträglichen Kosten herauszukommen.“

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Dafür sorgen landauf, landab Politik und Behörden, die immer größere Flächen als Schutzgebiete ausweisen. Eine Übersicht des Bundeswirtschaftsministeriums führt weite Teile der Bundesrepublik als schützenswerte Flora-Fauna-Habitate, Nationalparks, Biosphärenreservate, Wasser-, Landschafts- oder Vogelschutzgebiet. „Es gibt praktisch keine freien Flächen mehr für uns“, sagt Reimann.

Naturschutz wirkt nicht selten wie ein Verbot

Schuld daran ist das nationale deutsche Recht, ergänzt durch EU-Naturschutz-Richtlinien wie Natura 2000. Für Unternehmen wirkt der Vorschriftendschungel nicht selten wie ein Verbot. „Bei den Gesetzen hängt immer mehr davon ab, wie sie die einzelnen Sachbearbeiter der zuständigen Behörden auslegen und anwenden“, so Reimann ungehalten. „Und das passiert oft wie in einer Parallelwelt, die keine Berührung mit unserem Alltag als Unternehmen hat.“

So könnte die deutsche Bergbau-branche mit der Vorschrift leben, dass die Rohstoffförderung nur vorübergehend die Landschaft verändern darf. In der Praxis führt dies jedoch dazu, dass es vielfach nicht die kleinsten Veränderungen und Übrigbleibsel geben dürfe, sagt Knauf-Experte Reimann. So gelten nach neuen Gesetzesüberlegungen Materialien aus dem Baumarkt, die jedermann im eigenen Garten nutzen darf, als bedenklich.

Auch der Artenschutz ist für immer mehr Grubenbetreiber inzwischen teurer als die Maschinen, und das, obwohl Abbaustellen nachgewiesenermaßen der biologischen Vielfalt nutzen. Kostete es in den Siebzigerjahren nach Schätzung von Brancheninsidern in heutigen Preisen noch 15 000 Euro, alle Auflagen zu erfüllen, sind hierfür heute leicht 1,8 Millionen Euro fällig. „Damit holen wir jeden Stein nur noch mit Verlust aus der Grube“, klagt Reimann, weil die Kosten oft höher sind als die Preise ausländischer Produkte.

Die Einschränkungen, die eine Förderung vorhandener Rohstoffe verhindern, sind mannigfaltig. Wegen der Vorschrift, neue Gruben nur noch nach kurzfristigem Bedarf auszuweisen, gibt es eine Betriebserlaubnis nur noch, wenn die Rohstoffe nachweislich innerhalb der nächsten 10 bis 15 Jahre gebraucht werden. Sonst steht das Vorkommen nicht unter besonderem Schutz und kann mit Hochspannungsmasten oder Gewerbehallen überbaut werden. Und schon sind dieBodenschätze endgültig verloren.

Die künstliche Verknappung treibt viele Firmen allmählich in Richtung Abgrund. Während größere Unternehmen wie Knauf dank Niederlassungen im Ausland breit genug aufgestellt sind, können sich vor allem mittelständische Betriebe die Auflagen nicht mehr leisten und bauen ihre Steine und Erze nur noch an wenigen zentralen Stellen ab.

Für die Umwelt wird daraus jedoch schnell ein Bumerang, kommt etwa Baumaterial zunehmend per Schiff oder Lkw aus der Ferne. „Die längeren Transporte sorgen für eine steigende Umweltbelastung“, sagt Joachim Rotering, Spezialist für die Rohstoffbranche bei der Unternehmensberatung Booz.

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