Rohstoffexperte Grillo : "Es ist riskant, was China derzeit macht"

Rohstoffexperte Grillo : "Es ist riskant, was China derzeit macht"

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Ulrich Grillo, Miteigentümer des Zink-Verarbeiters Grillo-Werke in Duisburg

von Rüdiger Kiani-Kreß und Andreas Wildhagen

Ulrich Grillo, Vorsitzender des Rohstoffausschusses beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), über den drohenden Mangel an Metallen, Chinas Blockadepolitik und Gefahren für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

WirtschaftsWoche: Herr Grillo, mit der Wirtschaftskrise sind die Rohstoffpreise stark gefallen. Warum warnen Sie als Vorsitzender des Rohstoffausschusses im Bundesverband der Deutschen Industrie, kurz: BDI, in einer solchen Situation vor Knappheit?  

Ulrich Grillo: Weil das eine reale Gefahr ist. Fast alle Rohstoffpreise sind trotz der Krise schon wieder deutlich angestiegen. Einige Rohstoffe wie die Hightech-Metalle der sogenannten Seltenen Erden werden bereits knapp. Bei anderen wie Chrom oder Platin sind die Engpässe absehbar.    

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Aber bei vielen Metallen reichen die Vorräte auch beim heutigen Verbrauch noch für Jahrhunderte.  

Das ist geologisch betrachtet richtig. Trotzdem kommt es zu Verknappung, weil einige Länder zunehmend den Zugang beschränken. China etwa investiert weltweit -zig Milliarden in Minen oder Hütten, hortet Metalle und behindert den Handel.    

Deshalb hat die Welthandelsorganisation gerade ein Verfahren eingeleitet. Löst das nicht Ihr Problem?  

Das ist ein wichtiger erster Schritt. Das Verfahren muss zu einer deutlichen Absenkung der chinesischen Ausfuhrzölle und mehr Wettbewerb führen. Aber noch ist nichts entschieden. Und so lange ist das Problem akut und setzt die deutsche Industrie unter Druck.    

Inwiefern? Fürchten Sie höhere Preise?  

Wenn alle die gleichen hohen Preise zahlen, ist das in Ordnung. Es ist unsere Aufgabe als Unternehmer, damit klar zu kommen...    

... worin liegt dann Ihr Problem?  

Dass unsere Konkurrenten aus Fernost aufgrund von Handels- und Wettbewerbsverzerrungen weniger zahlen als wir. Richtig gefährlich wird es, wenn wir irgendwann an wichtige Metalle überhaupt nicht mehr herankommen, zu welchen Preisen auch immer. Dann gibt es Versorgungslücken. Nur wenige Metalle können wir durch andere Stoffe ersetzen. Die deutsche Industrie kann die Lithium-Ionen-Batterie für ihre Elektromobile nur bauen, wenn sie Lithium hat. Zudem braucht sie dafür beispielsweise 65 kg Kupfer pro Fahrzeug mehr als bisher    

Dann kaufen die Autohersteller die Akkus eben im Ausland wie wir unsere Turnschuhe und T-Shirts.  

Wenn es nur um Akkus ginge, wäre das noch in Ordnung. Aber das Problem ist größer. Wenn wir in Deutschland nichts gegen den künstlichen Mangel bei wichtigen Rohstoffen tun, bricht die gesamte Wertschöpfungskette. Dann schrumpfen unsere Industrie mit Millionen von Arbeitsplätzen und damit ist unser Wohlstand und der soziale Frieden gefährdet.    

Welche Branchen werden den Rohstoffmangel als erste spüren?  

Zukunftstechnologien wie Elektroautos, Medizintechnik oder erneuerbare Energien. Ohne genug Kupfer, Lithium oder Tantal werden die Akkus, Motoren, Kernspintomographen oder Solaranlagen nicht mehr bei uns, sondern anderswo gebaut. Darunter leidet die Forschung. Wer das Material nicht hat, kann nur schwer neue Produkte entwickeln undf neue Märkte erschließen. Damit verlieren wir unser Wissen und die Zukunftsfähigkeit. Das braucht eine politische Lösung.    

Sie kritisieren vor allem die Rohstoffpolitik Chinas. Aber haben denn Deutschland und andere Länder bei ihrer Industrialisierung nicht zu ähnlichen oder schlimmeren Mitteln wie Kolonialismus gegriffen?  

Das vermag ich nicht zu beurteilen. Faktum ist: Es ist riskant, was China derzeit macht.    

Die Europäische Agrarpolitik betreibt ähnliches, nur umgekehrt. Sie baut mit Subventionen Überkapazitäten auf, wirft die Überschüsse zu Kampfpreisen auf den Weltmarkt und zerstört Agrarproduktion in anderen Ländern. Wie können wir da China kritisieren?  

Die EU-Agrarpolitik hilft uns sicher nicht, mehr Freihandel zu erreichen. Als Waffe gegen bestimmte Branchen und Regionen nutzt die EU die Agrarsubventionen nicht. 

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