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Rohstoffexperte Grillo : "Es ist riskant, was China derzeit macht"

von Rüdiger Kiani-Kreß und Andreas Wildhagen

Ulrich Grillo, Vorsitzender des Rohstoffausschusses beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), über den drohenden Mangel an Metallen, Chinas Blockadepolitik und Gefahren für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Ulrich Grillo, Miteigentümer des Zink-Verarbeiters Grillo-Werke in Duisburg Quelle: Catrin Moritz für WirtschaftsWoche
Ulrich Grillo, Miteigentümer des Zink-Verarbeiters Grillo-Werke in Duisburg Quelle: Catrin Moritz für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Grillo, mit der Wirtschaftskrise sind die Rohstoffpreise stark gefallen. Warum warnen Sie als Vorsitzender des Rohstoffausschusses im Bundesverband der Deutschen Industrie, kurz: BDI, in einer solchen Situation vor Knappheit?  

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Ulrich Grillo: Weil das eine reale Gefahr ist. Fast alle Rohstoffpreise sind trotz der Krise schon wieder deutlich angestiegen. Einige Rohstoffe wie die Hightech-Metalle der sogenannten Seltenen Erden werden bereits knapp. Bei anderen wie Chrom oder Platin sind die Engpässe absehbar.    

Aber bei vielen Metallen reichen die Vorräte auch beim heutigen Verbrauch noch für Jahrhunderte.  

Das ist geologisch betrachtet richtig. Trotzdem kommt es zu Verknappung, weil einige Länder zunehmend den Zugang beschränken. China etwa investiert weltweit -zig Milliarden in Minen oder Hütten, hortet Metalle und behindert den Handel.    

Deshalb hat die Welthandelsorganisation gerade ein Verfahren eingeleitet. Löst das nicht Ihr Problem?  

Das ist ein wichtiger erster Schritt. Das Verfahren muss zu einer deutlichen Absenkung der chinesischen Ausfuhrzölle und mehr Wettbewerb führen. Aber noch ist nichts entschieden. Und so lange ist das Problem akut und setzt die deutsche Industrie unter Druck.    

Inwiefern? Fürchten Sie höhere Preise?  

Wenn alle die gleichen hohen Preise zahlen, ist das in Ordnung. Es ist unsere Aufgabe als Unternehmer, damit klar zu kommen...    

... worin liegt dann Ihr Problem?  

Dass unsere Konkurrenten aus Fernost aufgrund von Handels- und Wettbewerbsverzerrungen weniger zahlen als wir. Richtig gefährlich wird es, wenn wir irgendwann an wichtige Metalle überhaupt nicht mehr herankommen, zu welchen Preisen auch immer. Dann gibt es Versorgungslücken. Nur wenige Metalle können wir durch andere Stoffe ersetzen. Die deutsche Industrie kann die Lithium-Ionen-Batterie für ihre Elektromobile nur bauen, wenn sie Lithium hat. Zudem braucht sie dafür beispielsweise 65 kg Kupfer pro Fahrzeug mehr als bisher    

Dann kaufen die Autohersteller die Akkus eben im Ausland wie wir unsere Turnschuhe und T-Shirts.  

Wenn es nur um Akkus ginge, wäre das noch in Ordnung. Aber das Problem ist größer. Wenn wir in Deutschland nichts gegen den künstlichen Mangel bei wichtigen Rohstoffen tun, bricht die gesamte Wertschöpfungskette. Dann schrumpfen unsere Industrie mit Millionen von Arbeitsplätzen und damit ist unser Wohlstand und der soziale Frieden gefährdet.    

Welche Branchen werden den Rohstoffmangel als erste spüren?  

Zukunftstechnologien wie Elektroautos, Medizintechnik oder erneuerbare Energien. Ohne genug Kupfer, Lithium oder Tantal werden die Akkus, Motoren, Kernspintomographen oder Solaranlagen nicht mehr bei uns, sondern anderswo gebaut. Darunter leidet die Forschung. Wer das Material nicht hat, kann nur schwer neue Produkte entwickeln undf neue Märkte erschließen. Damit verlieren wir unser Wissen und die Zukunftsfähigkeit. Das braucht eine politische Lösung.    

Sie kritisieren vor allem die Rohstoffpolitik Chinas. Aber haben denn Deutschland und andere Länder bei ihrer Industrialisierung nicht zu ähnlichen oder schlimmeren Mitteln wie Kolonialismus gegriffen?  

Das vermag ich nicht zu beurteilen. Faktum ist: Es ist riskant, was China derzeit macht.    

Die Europäische Agrarpolitik betreibt ähnliches, nur umgekehrt. Sie baut mit Subventionen Überkapazitäten auf, wirft die Überschüsse zu Kampfpreisen auf den Weltmarkt und zerstört Agrarproduktion in anderen Ländern. Wie können wir da China kritisieren?  

Die EU-Agrarpolitik hilft uns sicher nicht, mehr Freihandel zu erreichen. Als Waffe gegen bestimmte Branchen und Regionen nutzt die EU die Agrarsubventionen nicht. 

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27 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.11.2009, 22:59 UhrAnonymer Benutzer: Economist

    (Teil 2) ...so nette "Finanzzentren" wie z.b. die Cayman islands oder die bermudas...! Na, hat's geklingelt...? Anyway, ein sehr grosser Teil kommt auch von im Ausland lebenden Chinesen - laut einer renommierten Studie (von einem namhaften, amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler durchgeführt) besagt, dass wenn man das GESAMTE Kapital ALLER ausserhalb Chinas lebenden Chinesen aufaddieren und als "eine Nation" zusammenfassen würde, ergäbe dies dann nach den USA und Japan die... DRiTT- oder ViERTGRÖSSTE Wirtschaftsmacht der Welt...!! Na, klingelts schon wieder...? Hier noch die Rangliste der aktuell grössten Wirtschaftsmächte der Welt, währungsbereinigt [nicht kaufkraftbereinigt!]: 1. USA, 2. Japan, 3. China, 4. Deutschland...! Ja ja, da reiben sich jetzt wahrscheinlich viele die Augen - China hat Deutschland vom biP her vor ca. 1 Jahr überholt... und wird mittelfristig Japan überrunden... und in ca. 30 bis 40 Jahren die USA...! Tja, so sieht die Realität aus...! Diejenigen, die sich und ihre Kinder auf eine chinesisch dominierte Welt von morgen bestmöglich vorbereiten, werden auch die besten Chancen haben. Es gibt heute in Deutschland bereits sehr viele Eltern, die ihre Kinder Mandarin (Hochchinesich) lernen lassen (Tatsache). Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Mandarin für eine erfolgreiche Karriere unabdingbar sein wird.

  • 26.11.2009, 22:58 UhrAnonymer Benutzer: Economist

    Hallo Lofito, da sind leider auch Sie einem weit verbreiteten irrglauben aufgesessen - auch wenn manche von uns im Westen meinen: "Ha, ohne unser Geld und Technologie... hätten die Chinesen ein Problem...!" Dem ist nicht so, denn den weitaus grössten Teil der ausländischen investitionen kommen nämlich... von Chinesen selber! Na, überrascht? Also, das sieht wie folgt aus: Aus steuerlichen Gründen (Stichwort Steuererleichterungen für "ausländische" investitionen) transferieren viele Chinesen ihr Kapital zuerst ein paarmal durch ausländische briefkastenfirmen und bankkonten, um es dann von extern wieder nach China zu transferieren, das dann als "ausländisches" Kapital gilt und somit von Steuererleichterungen profitiert - checken Sie mal die Liste der grössten ausländischen investorenländer in China - nein, es ist nicht Deutschland (das auf dieser Rangliste ganz unten zu finden ist)... sondern... (siehe nachfolg. Teil 2)

  • 26.11.2009, 14:53 UhrAnonymer Benutzer: Leser

    Der Experte jammert statt den deutschen Firmen dasgleiche zu empfehlen, was die Chinesen schon tun. investiert in Rohstoffförderung und -verarbeitung! Die Rohstoffe für morgen müssen schon heute gesichert werden. Denkt langfristig und nicht kurzfristig!

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