Rohstoffexporte: Verschwendung wertvoller Metalle

Rohstoffexporte: Verschwendung wertvoller Metalle

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Computerschrott wird auseinandergenommen

von Rüdiger Kiani-Kreß

Alte High-Tech-Geräte wie Handys und Computer werden in immer größerem Umfang illegal ausgeführt. Der Schaden für die Volkswirtschaft ist beträchtlich.

Wie im Maschinenbau und bei den Autoherstellern gehört Deutschland auch bei Schrott zu den fünf weltgrößten Exporteuren. Doch anders als bei Fahrzeugen und Anlagen schwächt sich Europas führende Volkswirtschaft damit selbst. Denn wer selbst viel Schrott und Metallabfälle besitzt, schont die Umwelt und die Firmenkassen. „Das Recycling von Altmetallen kostet nur rund fünf Prozent der Energie, die eine Hütte zur Metallgewinnung aus Erz aufwenden muss“, sagt Gerd Hoffmann, Bereichsleiter Recycling bei Europas größtem Kupferproduzenten Aurubis aus Hamburg. Trotzdem hat Deutschland 2010 legal mehr Schrott denn je exportiert. Gut neun Millionen Tonnen Alteisen verließen 2010 das Land, ein Viertel mehr als 2009.

Legale deutsche Exporte von Eisenabfällen 2010

Legale deutsche Exporte von Eisenabfällen 2010

Neben dem legalen Export gibt es auch illegale Metallausfuhren wie Diebstähle – und eine wachsende Grauzone. Hier werden verschlissene Geräte oder Gebrauchsgegenstände nicht wie vorgeschrieben in Deutschland verwertet, sondern als Altware oder Spenden für Entwicklungsländer ausgeführt. Die Palette reicht von Autos bis zu den gut fünf Millionen PCs und 20 Millionen Handys, die deutsche Unternehmen und Verbraucher pro Jahr ausmustern. Mehr als die Hälfte des deutschen Elektroschrotts, schätzt der Bundesverband der Deutschen Industrie, gelangt so außer Landes.

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Deutschland gehen so wertvolle Rohstoffe verloren. Ob Autos, PCs oder Handys: alle enthalten sie neben Eisen und Kupfer auch Edelmetalle wie Gold sowie Sondermetalle von Kobalt bis zu Seltenen Erden. Ohne diese Metalle kommt kein High-Tech-Produkt aus, von der Solarzelle bis zur Energiesparlampe. Gefördert werden Seltene Erden derzeit fast ausschließlich in China, das die Ausfuhr blockiert, um die eigene Industrie zu fördern.

Gefährliche Nebenwirkungen

Verboten ist die Ausfuhr von Elektroschrott, weil er neben wertvollen Metallen auch Stoffe enthält, die bei unsachgemäßer Behandlung Gifte wie Dioxin oder Schwermetalle freisetzen. Das passiert beim Recycling außerhalb Europas häufig. Besonders in Afrika reißen Tagelöhner im Auftrag von Wiederverwertern Kabel und Mikrochips aus den Schrottgeräten und schmelzen auf primitiven Kochern die Rohstoffe heraus. Was zurückbleibt, häufig Plastik oder PVC-haltige Materialien, wird verbrannt oder wandert auf die Müllkippe. „Das ist eine Umweltbelastung sondergleichen“, klagt Joachim Rotering, Spezialist für die Rohstoffbranche der Unternehmensberatung Booz. Zugleich gehen die Grauexporte mit großer Verschwendung einher.

Während High-Tech-Recycler wie die belgische Umicore etwa 95 Prozent der Wertstoffe aus bestimmten Geräten holen, schaffen die Primitivrecycler meist nur ein Fünftel. Zu stoppen wäre der Grauexport etwa durch ein Gerätepfand. „Die Erfahrung zeigt: Wenn alte Sachen Geld bringen, landen die immer bei einer Sammelstelle“, sagt Christian Hagelüken, Leiter Regierungsangelegenheiten Europa der Umicore.

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