Rosnano : Russland macht Jagd auf High Tech-Jobs in der EU

Rosnano : Russland macht Jagd auf High Tech-Jobs in der EU

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Anatolij Tschubais

von Thomas Stölzel, Matthias Hohensee und Florian Willershausen

Der russische Investor Rosnano steigt beim Displaybauer Plastic Logic ein. Da die Produktion nach Moskau verlegt wird, droht dem Werk in Dresden das Aus.

Die Strategie von Anatolij Tschubais ist simpel. Der einstige Architekt der sowjetischen Privatisierung kauft im Westen Technologie-Unternehmen auf, um deren Produkte in Russland fertigen zu lassen. Bis 2015 stehen ihm dafür 15 Milliarden Dollar zur Verfügung – Geld, das direkt aus dem Kreml kommt. Die von Tschubais geleitete Staatsholding Rosnano ist eines der Instrumente, mit denen Ministerpräsident Wladimir Putin Russland zum Global Player in High-Tech-Nischen entwickeln will.

In der vergangenen Woche gelang Tschubais hierbei ein Coup: Kann er doch mithilfe einer Technologie, die mit europäischen Subventionen gepäppelt wurde, die Grundlage für eine russische Display-Industrie schaffen. Denn Rosnano steigt beim Display-Hersteller Plastic Logic ein, der seinen Sitz im kalifornischen Mountain View hat, im britischen Cambridge entwickelt und in Dresden produziert. Mit 280 Mitarbeitern bastelt das Unternehmen an flexiblen Displays, die etwa in Lesegeräten ähnlich dem Kindle von Amazon zum Einsatz kommen sollen.

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Schlechte Nachrichten für Dresden

In den kommenden Jahren pumpen die Russen 700 Millionen Dollar in Plastic Logic. Davon soll das Unternehmen unter anderem eine Fabrik in Selenograd bei Moskau bauen, die die Displays in Masse herstellen soll.

Für Dresden ist das geplante russische Werk eine schlechte Nachricht. Zwar sagt Plastic-Logic-Chef Richard Archuleta, dass in Dresden weiter investiert werden soll. Rosnano-Geschäftsführer Georgi Kolpatschew plant, dass das Dresdner Werk "über die gesamte Projektdauer" parallel zum Neubau in Selenograd betrieben werden soll. Doch spätestens 2013 endet in Dresden die fünfjährige Arbeitsplatzgarantie, die das Unternehmen als Gegenleistung für sächsische Subventionen abgeben musste – just in dem Jahr, in dem das russische Werk in Betrieb gehen soll. Weil die Produktionskosten in Russland wesentlich niedriger sein dürften, ergibt ein Betrieb in Dresden kaum Sinn, befürchten die Mitarbeiter.

Wettbewerb im Display-Geschäft ist brutal

Immerhin ist Plastic Logic mit dem Investment der Russen erst einmal gerettet. Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen mag ein Pionier sein, hat bisher aber keine kommerziellen Erfolge feiern können und überlebte nur mithilfe von Krediten und Wagniskapital. Denn der Wettbewerb im Display-Geschäft ist brutal. Doch die drei Gründer, darunter der deutsche Wissenschaftler Henning Sirringhaus, behaupten, sie hätten eine Technologie entwickelt, mit der man robustere Displays zu niedrigen Kosten produzieren könne.

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