Rücktritt: ABB-Chef Kindle wirft wegen Führungsdifferenzen das Handtuch

Rücktritt: ABB-Chef Kindle wirft wegen Führungsdifferenzen das Handtuch

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ABB-Chef Fred Kindle gab überraschend seinen Rücktritt bekannt

Paukenschlag beim Schweizer Elektronikkonzern ABB: ABB-Chef Fred Kindle hat heute überraschend seinen Rücktritt erklärt. Grund waren "unüberbrückbare" Führungsdifferenzen. Gleichzeitig meldete ABB einen Rekordgewinn für 2007 - was unter Analysten für heftige Spekulationen über Kindles Beweggründe sorgte.

 Der heute überraschend bekanntgegebene Rücktritt von ABB-Chef Fred Kindle hat die Nachrichten über das sehr gute Jahresergebnis 2007 des Elektrotechnik-Konzerns überschattet. Der seit drei Jahren tätige Konzernchef verlässt das Unternehmen sofort, teilte das Unternehmen in Zürich mit. Als Grund werden „unüberbrückbare Differenzen über die Führung des Unternehmens“ genannt.

Daraufhin sackte die Aktie zum Teil bis zu zehn Prozent ab, trotz des ebenfalls vorzeitig heute veröffentlichten Rekordkonzerngewinns für 2007 von 3,8 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro), mehr als doppelt so viel wie die 1,4 Milliarden Dollar im Jahr 2006. Im vergangenen Jahr hatten die Auftragseingänge von 28,4 auf 34,3 Milliarden Dollar zugenommen. Der Umsatz stieg auf 29,2 Milliarden Dollar nach noch 24,4 Milliarden im Vorjahr. Weiter plant ABB den Start eines Aktienrückkaufprogramms von bis zu 2,2 Milliarden Franken (1,3 Milliarden Euro). Ursprünglich war die Bekanntgabe der Zahlen erst für diesen Donnerstag geplant.

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Finanzchef Demaré leitet ABB interimistisch

Verwaltungsratschef Hubertus von Grünberg sagte angesichts der großen Verunsicherung am Markt, der Schritt habe keinen Einfluss auf den Kurs des Konzerns. An Kindles Stelle trete vorübergehend Finanzchef Michel Demaré. Zu den Gründen für den abrupten Abgang sagte er im Rahmen einer Telefonkonferenz für Journalisten nichts.

Der Verwaltungsrat stehe voll hinter den strategischen Zielen, die im vergangenen Herbst unter Kindle formuliert worden seien. Der Liechtensteiner galt als äußerst erfolgreich, hatte er doch dem Konzern wieder Gewinne beschert und unter anderem die leidige Asbest- Affäre in den USA beendet.

Zerwürfnis mit Grünberg gilt als Grund für Kindles Rücktritt

Spekuliert wird in Expertenkreisen, dass von Grünberg und Kindle vor allem darüber zerstritten sind, wie die von Demaré als mit rund acht Milliarden Dollar prall gefüllte Kasse des Konzerns für weitere Zukäufe verwendet werden kann. Während der von Continental kommende von Grünberg, der erst im Mai 2007 als Nachfolger von ABB-Sanierer Jürgen Dormann seinen Posten angetreten hatte, einen eher aggressiven Expansionskurs verfechte, setze der konservative Kindle auf eine strategisch-vorsichtige Ausweitung, hieß es.

Erste Priorität hätten für ihn Investitionen in interne Verbesserungen. Firmenübernahmen kämen an zweiter Stelle, sagte er Ende November. Grundsätzlich seien kleinere Zukäufe eleganter, weil das Risiko leichter zu verdauen sei, sagte Kindle. Anders als in Deutschland kann der dem Aufsichtsrat ähnliche Schweizer Verwaltungsrat als Aufsichtsorgan deutlich stärker in das aktuelle Geschäft eines Unternehmens eingreifen und sogar die Geschäftsführung lahmlegen.

Noch im September hielt ABB die strategischen und finanziellen Ziele für den Konzern fest. Strategisch will der Konzern das Hauptaugenmerk auf Strom und Automation legen. Weil bereits 2007 die finanziellen Ziele von 2009 erreicht sind, gab sich der Konzern einen ehrgeizigen Fünfjahresplan 2007-2011. Neu sollte der Umsatz durchschnittlich zwischen acht und elf Prozent jährlich wachsen. Bislang hatte der Konzern ein Umsatzwachstum von über fünf Prozent angepeilt.

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