Rückzug: Ausverkauf bei Vattenfall

Rückzug: Ausverkauf bei Vattenfall

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Aussenansicht des Kernkraftwerks Kruemmel vom Betreiber Vattenfall

von Andreas Wildhagen

Der schwedische Staatskonzern sieht keine Perspektiven mehr bei seinen Geschäften in Zentraleuropa. Erst verkaufte das Energieunternehmen das belgische Geschäft, jetzt das polnische. Auch aus Deutschland will sich Vattenfall verabschieden

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall gibt sein Polen-Geschäft auf und verabschiedet sich damit von seiner Zentraleuropa-Strategie. Bei der Desinvestionsstrategie gibt Vattenfall ein schnelles Tempo vor. Denn erst vor vier Wochen gab der Staatskonzern unter Führung von Oystein Löseth bekannt, sein belgisches Geschäft zu veräußern. Während die polnischen Vattenfall-Kohlekraftwerke an zwei polnische Gesellschaften gehen, fand Vattenfall für seine 550 000 belgischen Strom- und Gasanschlussstellen einen ausländischen Käufer, die italienische Eni.

Harte Rahmenbedingungen

Vattenfall hatte zwar bereits im Herbst des vergangenen Jahres angekündigt, sich auf die Märkte Schweden, dem Heimat- und Kernmarkt, auf Deutschland und auf die Niederlande zu konzentrieren. Aber Brancheinsider spekulieren seit langem, dass auch Deutschland bei Vattenfall auf dem Verkaufszettel steht. Zu hart und unwirtlich sind die Rahmenbedingungen hier für die Schweden geworden: Die früher profitablen Atommeiler Krümmel und Brunsbüttel in Norddeutschland sind stillgelegt und gehen auch nicht wieder ans Netz, die ostdeutschen Braunkohlereviere mit ihren Kraftwerken pusten Tonen von CO-2 in die Luft. Das schlägt ab 2013 teuer zu Buche, denn ab dann werden die Verschmutzungszertifikate, so will es eine EU-Richtlinie, voll berechnet. Fazit. Für Vattenfall rechnet sich das Deutschland-Geschäft dann nicht mehr.

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Bleiben für Vattenfall in Deutschland nur noch die Stadtgebiete von Hamburg und Berlin, wo Vattenfall der jeweils größte Versorger ist. Doch in Hamburg wird Vattenfall seit Jahren vorgeführt. Das Steinkohlekraftwerk in Moorburg bekam so hohe Auflagen, dass teuere Zusatzaggregate die Rechnung verderben und das Kraftwerk erst sehr viel später ans Netz gehen kann. Schon machen an der Elbe Gerüchte die Runde, dass Vattenfall in Hamburg das Kraftwerk Moorburg so schnell wie möglich loswerden will.

Klage gegen die Bundesrepublik

Doch wer könnte das Vattenfall-Geschäft in Deutschland erwerben. "Ganz sicher nicht ein deutscher Wettbewerber unter den Dinosauriern E.On und RWE oder EnBW", sagt ein Brancheninsider. Das Kartellamt stünde dagegen, außerdem hat RWE als größter Braunkohleverstromer in Europa sowieso schon genug Probleme mit seinen eigenen Kraftwerken. Die Atomkraftwerke sind unverkäuflich, da sie sowieso zurückgebaut werden müssen. Vattenfall klagt deshalb vor einem internationalen Schiedsgericht auf Schadenersatz gegen die Bundesregierung. Die Erfolgsaussichten dieses komplizierten Rechtsweges stehen in den Sternen.

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