Rüstung: Deutsche Waffenhersteller profitieren von Schlupflöchern - Seite 2

Rüstung: Deutsche Waffenhersteller profitieren von Schlupflöchern

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Rüstungsindustrie in Zahlen
Rüstungsindustrie in Zahlen (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

So, glauben Brancheninsider, sind auch die H&K-Gewehre nach Georgien gelangt. H&K produziert in den USA und könnte sie einer US-Behörde mit guten Drähten nach Tiflis verkauft haben. Solange in den G36 keine in Deutschland gefertigten Teile stecken, gilt auch keine Meldepflicht. „Wird gar in einem Joint Venture mit einem lokalen Partner gebaut, ist unter Umständen nicht nachweisbar, dass ein deutscher Unternehmenschef von dem Geschäft überhaupt gewusst hat“, sagt der Insider.

Auch die Lieferung von Vorprodukten ist kein Problem, vorausgesetzt, sie sind unverdächtig – wie nicht fertig ausgebaute Schiffe – oder sie machen bei einem größeren Projekt nur einen relativ kleinen Anteil vom Gesamtwert aus. „Bei weniger als zehn Prozent vom Projektwert sind die Prüfungen nicht so streng“, sagt Brzoska.

Und selbst wenn größere Teile aus Deutschland drinstecken, geht noch was. Das zeigt der Eurofighter. Der ist zwar ein Gemeinschaftsprodukt von Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. Doch um den Export kümmert sich jedes Land auf eigene Faust. Darum verkauften eben die Briten den Flieger nach Saudi-Arabien. „Das“, sagt Brzoska, „wäre in Deutschland wohl so nicht durchgegangen.“

Deutschen Behörden sind die Hände gebunden

Neben den Produktionsauflagen gilt die Endnutzer-Bescheinigung als wichtigster Schutz gegen illegalen Waffenhandel. Dabei muss jedes Unternehmen den deutschen Behörden eine Erklärung vorlegen, in der sein Abnehmer bestätigt, die Waffen nicht weiterzuverkaufen. „Das System hat große Schwächen“, sagt Brzoska.

Zum einen begnügt sich Deutschland mit schriftlichen Dokumenten, deren Echtheit oft schwer zu prüfen ist. „Es braucht oft lange Recherchen, um zu klären, ob der General, der da unterschrieben hat, wirklich zuständig ist“, sagt ein Rüstungsmanager. „Und das können deutsche Behörden nicht immer leisten.“ Werden die Waffen gar über ausländische Unternehmen an einen Kunden verkauft, haben deutsche Behörden fast keine rechtliche Handhabe, einen Weiterverkauf zu verhindern. Zudem erfährt die deutsche Behörde oft auch gar nicht oder zu spät von einem Weiterverkauf.

Systemänderung? Nicht in Deutschland

Dabei gäbe es längst bessere Kontrollmöglichkeiten. So genehmigen die USA Verkäufe nur, wenn sie vor Ort prüfen können, ob die Waffen noch da sind. Zudem wollen die Amerikaner Waffen mit Funkchips ausstatten, mit denen sie vom Weltraum aus orten können, wo die Panzer, Kanonen oder Munitionspakete gerade sind.

Pläne, das System zu ändern, gibt es in Deutschland praktisch nicht. Zwar erwarten die betroffenen Unternehmen, dass es künftig fast unmöglich wird, noch Genehmigungen etwa für Ausfuhren nach Russland oder in den Kaukasus zu bekommen. „Doch die Schlupflöcher werden wohl nicht weiter verkleinert“, sagt ein Rüstungsmanager.

So werden Manager wie H&K-Chef Newton wohl weiter gelegentliche Albträume haben. Aber nur kleine.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.11.2010, 23:14 UhrAnonymer Benutzer: GreenSpam

    Also die Argumente der (Waffen-)Export-befürworter fasse ich mal folgendermaßen zusammen:
    ALLE TUN ES. Es ist dabei egal ob es moralisch oder religiös rechtfertigbar ist.
    NiCHT DiE WAFFE, DER MENSCH TÖTET. Dabei helfen wir ihm, denn es wäre blöd mit einem Menschen zu verhandeln, an dessen Händen blut klebt. Mit unseren Gewehren kann er auf Entfernung töten und Weste und Finger bleiben rein, wie unser Gewissen.
    DiE RÜSTUNGSiNDUSTRiE SCHAFFT ARbEiT. Dass der deutsche Malocher damit quasi mit dem Töten anderer Leute,entschuldigung, mit dem bau von Tötungsinstrumenten sein brot verdient sollte egal sein, denn immerhin ist er kein Hartzer.
    WiR KÖNNEN DAS TÖTEN JA NiCHT VERHiNDERN. Dass wir es mit Ausfuhrkontrollen, oder besser mit der Einstellung von Exporten aber bEHiNDERN können, sollte keine Rolle spielen.
    WENN'SAbER SCHMECKT?! Die Qualität ist gut, also egal dass es sich dabei noch immer um Tötungsinstrumente handelt.


    Die Nutzer, die sich in dieser Argumentation wieder erkennen, sollten ihr Getipptes noch einmal durchlesen und ihre nun, menschenverachtenden Gedanken noch einmal überdenken.

  • 05.10.2010, 20:32 UhrAnonymer Benutzer: nachgedacht

    Es ist nicht so lange her, da hat die Rüstungsindustrie und ihre Zulieferer nach langer Flaute Millionen von Deutsche in Lohn und brot gebracht. Dass das allerdings der Anfang vom Untergang war und den Tod von zig-Millionen zur Folge hatte, ist in dieser Diskussion offenbar nicht mehr present.
    Wer sich für die Herstellung und den Export von Waffen ausspricht sollte sich darüber bewusst sein, zu welchem, einzigen Zweck diese bestimmt sind!

  • 19.03.2010, 13:26 UhrAnonymer Benutzer: dmb

    ich kann diese unsinnige Diskussion nicht mehr verstehen. Es tötet niemals das Gewehr, sondern immer der Finger am Abzug! Das ganze Gerede ist doch vollkommen an der Realität vorbei. Wir mögen einen Technologievorsprung besitzen aber das bedeutet doch noch lange nicht, daß das "Problem" behoben wäre, wenn wir das Geschäft nicht machen. Amerika, Rußland, Gb... sie alle kümmern sich nicht darum, sondern sützen damit sogar die Wirtschaft. Kaufen die Türken keinen Leo 2, dann bestellen Sie eben einen Abrams A1. So ist das überall auf der Welt und solange der Mensch Mensch bleibt, wird sich das auch nicht ändern.

    Da gucken wir in die Röhre, nur weil ein Pazifist meint, Deutschland solle keine Geschäfte in dieser Hinsicht abwickeln. Waffen schaffen übrigens auch Frieden und sorgen dafür, daß sich Menschen verteidigen können. Dem Opfer wird es im Nachhinein auch nicht viel helfen, daß die Kugel nicht aus einem deutschen Strumgewehr gefeuert wurde.
    Wie gesagt... es tötet immer die Hand, der Finger und der Kopf am Abzug. Ohne Gewehre würden die Verrückten eben mit Messern auf einander losgehen (hatten wir ja alles schon).
    Solange es um Sturmgewehre und konventionelle Wehrtechnik geht, sehe ich da überhaupt keinen Grund, nicht mitzuspielen.
    Unsere Wirtschaft läuft seit Jahren nur in wenigen branchen rund und gerade zu Zeiten der Wirtschaftskriste sollen wir uns diesen Luxus nicht noch auch "gönnen". Wie wollen wir das den Arbeitslosen erklären!?

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