Rüstung: Deutschlands Waffenindustrie wagt sich aus der Deckung

Rüstung: Deutschlands Waffenindustrie wagt sich aus der Deckung

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Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Mit der Bundeswehrreform kürzt er massiv das Personal der Bundeswehr, damit trifft er auch deren Zulieferer

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die Sparrunden im Verteidigungshaushalt zwingen die Unternehmen, noch mehr ins Ausland zu gehen. Die explodierende Nachfrage nach Sicherheit und Technik gegen Terroristen bietet die Branche sogar erstmals die Chance, ihr Schmuddelimage loszuwerden.

Der Jahresempfang der Nürnberger Diehl Stiftung im Rheinhotel Dreesen im Bonner Stadtteil Bad Godesberg ist eine stimmungsvolle Veranstaltung. Gut 200 hochrangige Mitarbeiter des in Bonn verbliebenen Verteidigungsministeriums, Industrievertreter und andere Fürsprecher der heimischen Landesverteidigung treffen sich jeden Herbst im Ballsaal der Traditionsherberge. Der Blick schweift über den Rhein. Nach der Cocktailrunde mit Campari-Orange, Wein oder Wasser ergreift Thomas Diehl dann nachdenklich das Wort, diesmal zur Lage der Weltwirtschaft, zu der Rolle Chinas und der schwierigen Situation der deutschen Rüstungsindustrie. Schließlich erhebt der Chef des fränkischen Waffenherstellers das Glas „auf unser Vaterland“. Kameraden und Zivile prosten zurück.

Boommarkt Heimatschutz

Die gedämpfte, gleichwohl aufrechte Stimmung auf dem Traditionstreffen in diesem Jahr spiegelt die Gemütslage der deutschen Rüstungsmanager wider. Auf der einen Seite will Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) der Bundeswehr, deren Personalstärke seine Vorgänger innerhalb von 20 Jahren praktisch halbiert haben, nun erneut die Ausgaben massiv kürzen. Das trifft langjährige Lieferanten wie das Familienunternehmen Diehl, das neben Auto- und Elektroteilen Lenkwaffen und Überwachungstechnik baut. „Diese Kürzungen und vor allem die anhaltende Unsicherheit sind eine große Belastung“, räumt der Unternehmenschef unumwunden ein.

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Doch unterm Strich ist die Laune unter Deutschlands Ballermännern alles andere als angespannt. Zwar leiden Unternehmen wie Autoflug aus Rellingen bei Hamburg, wenn ihr größter Einzelkunde Bundeswehr über Nacht Wartungsaufträge für Schleudersitze in den Kampfflugzeugen stoppt. „Dann fällt quasi am Tag drauf der Hammer“, sagt Christian-Peter Prinz zu Waldeck, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

Insgesamt aber trifft zu Guttenbergs Streichkonzert die Branche nicht ins Mark. „Die Industrie ist gut und gesund aufgestellt“, sagt Michael Hessenbruch, Experte für die Rüstungsbranche des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte. „Sie hat durch High-Tech-Produkte hoher Qualität, cleveres Management und den Schwenk von Waffen des Kalten Kriegs zu Sicherheitstechnologie und Terrorabwehr beste Chancen, zu wachsen und eine weltweite Spitzenstellung zu halten.“

Dafür sorgt vor allem der sogenannte Heimatschutz, wie das neue Geschäftsfeld seit den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 heißt. Dazu zählt in erster Linie die Technik zum Schutz von Infrastruktur und Transportwegen vor Angriffen. Der Markt dafür dürfte bis 2020 von heute 35 auf 800 Milliarden Dollar im Jahr wachsen – und damit den klassischen Rüstungsexport deutlich übertreffen.

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