
HB DÜSSELDORF. Nach jahrelangen Verzögerungen ist der milliardenschwere Vertrag zur Serienproduktionen des umstrittenen Schützenpanzers Puma für die Bundeswehr perfekt. Das zuständige Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung habe den Auftrag jetzt unterzeichnet, teilte der Düsseldorfer Automobilzuliefer- und Rüstungskonzern Rheinmetall mit.
Bis 2020 soll die MDax-Gesellschaft zusammen mit dem Münchener Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann 405 der neu entwickelten Gefechtsfahrzeuge liefern. Der Auftrag hat einen Gesamtwert von 3,1 Mrd. Euro. Die ersten Panzer sollen im kommenden Jahr ausgeliefert werden.
Die Aktie legte zum Handelsauftakt gegen den Trend eines schwachen Marktes zunächst zu. Der Großauftrag werde zusätzliches Vertrauen schaffen, schrieb Analyst Adrian Pehl von Equinet in einer Studie. Karsten Oblinger von der DZ Bank sprach von einem positiven Signal, das aber keine Überraschung sei. Bereits im Juni habe es die politische Zusage des Haushaltsausschusses des Bundestages für das Projekt gegeben. Gegen Mittag drehten die Papiere aber ins Minus. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen nach der positiven Nachricht.
"Dies ist ein bedeutender Tag für uns", sagte Rheinmetall-Chef Kaus Eberhardt. Es handele sich um den größten Auftrag in der jüngeren Unternehmensgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg. "Der Einstieg in die Serienproduktion des Puma unterstreicht die technologische Spitzenposition Rheinmetalls und stellt die überragende Leistungsfähigkeit der deutschen heerestechnischen Industrie insgesamt unter Beweis." Mit dem Serienauftrag werde "hochentwickeltes wehrtechnisches Know-how in Deutschland" und damit eine große Zahl von Arbeitsplätzen langfristig gesichert.
Eberhardt hofft bereits auf weitere Aufträge aus dem Ausland: "Die Entscheidung für den Puma wird weltweit Beachtung finden und unsere Wettbewerbsposition international stützen." Rheinmetall war wegen der Krise in seinem Autozuliefergeschäft im ersten Quartal in die roten Zahlen. Die Rüstungssparte hingegen lief weiterhin gut und blieb auch in Krisenzeiten hochprofitabel.
Der Puma soll den vor mehr als 30 Jahren entwickelten Schützenpanzer Marder bei der Bundeswehr ablösen. Das neue Gefechtsfahrzeug hat eine moderne Kanone und kann per Flugzeug direkt in die Einsatzgebiete transportiert werden. Der neue Panzer soll den Insassen einen größeren Schutz etwa vor Minen, dem Beschuss mit Panzerabwehrwaffen und den Sprengsätzen von Selbstmordattentätern bieten.
Das Projekt war umstritten. So hatte der Bundesrechnungshof etwa die hohen Kosten gerügt. Immer wieder waren zudem Zweifel an der Funktionstüchtigkeit aufgetaucht. Zuletzt hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" von erheblichen technischen Problemen bei Motor, Getriebe und Fahrwerk der fünf sogenannten Vorserien-Fahrzeuge berichtet.
Bereits im September 2002 hatte der Bundestag den Projektierungsvertrag für den neuen Schützenpanzer auf den Weg gebracht, zwei Jahre später wurde die Beschaffung der fünf Vorserienfahrzeuge im Wert von 350 Mio. Euro beschlossen. Der erste Prototyp wurde 2006 ausgeliefert. Eine bestehende Option zur Serienproduktion wurde allerdings erst 2007 bestätigt. Im März 2009 gab es die finalen Tests, ehe auch der Haushaltsausschuss des Bundestages endgültig grünes Licht gab.






















