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Rüstung: Viel Lärm um deutsche Rüstungsexporte

von Rüdiger Kiani-Kreß

Nur wenig entflammt die deutschen Gemüter stärker als Rüstungsexporte. Und die deutschen Waffenschmieden boomen, wie es die schwedischen Friedensforscher Sipri heute verkündet haben.

Bundeswehrpanzer vom Typ Quelle: AP
Bundeswehrpanzer vom Typ Leopard 2 A5 Quelle: AP

Darum ist die Aufregung derzeit besonders groß. Deutschland, so der Generalverdacht von Grünen-Chefin Claudia Roth, schürt nach zwei von ihm angezettelten Weltkriegen wieder die Konflikte in den Pulverfässern der Welt wie Indien oder Pakistan und das durch die Lieferung vor allem Kampf-U-Booten und Panzern. Eigentlich eine Schande und unverzeihlich.

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Aber leider nicht ganz korrekt. Sicher, die Sipri-Liste zeigt Lieferungen in die Krisenherde Naher und Mittlerer Osten von Israel bis Pakistan und auch in nicht gerade demokratische Länder wie China und den Iran. Doch wer mal das Kleingedruckte liest, kann den gerechten Zorn kaum aufrecht erhalten. Deutschlands größter Exportschlager sind keineswegs Pistolen und Bomben. Es sind Dieselmotoren, die in 30 der gut 50 Länder gingen, die Deutschland mit Rüstungsgütern beliefert hat.

Die Liste von Ländern außerhalb des Westens, die im allerweitesten Sinne mögliche Angriffswaffen bekamen, ist deutlich kürzer: Panzer nach Brasilien, Chile, Tunesien und die Vereinigten Arabischen Emirate, Überwachungshubschrauber nach Ägypten und Indonesien, Torpedos oder Antiflugzeugraketen nach Pakistan, Peru, Saudi-Arabien und Südafrika, sowie Fregatten oder U-Boote nach Israel, Malaysia, Südafrika und Südkorea. Natürlich werden viele auch das für Kriegstreiberei halten. Aber unterm Strich ist es doch relativ harmlos. Denn so sehr es auch Rüstungskritiker predigen: Für Waffenlieferungen erteilt die Bundesregierung Deutschland keineswegs einen Freibrief und das sollte auch Frau Roth aus ihrer Zeit als Regierungspartei wissen.

Entspannterer Umgang nötig

Aber der erhöhte Druck geschieht den Waffenfirmen und der Bundesregierung ganz recht. Denn bislang gehen beide mit dem Thema Waffenproduktion verschämt um und versuchen ein ebenso blamables wie dilettantisches Versteckspiel. Sie stehen nicht zu ihren Produkten und verstecken selbst Dinge wie Sprengstoffkontrollen, die unser aller Sicherheit dienen. Wer als Journalist anruft, wird selbst bei Großkonzernen wochenlang hingehalten oder hört Sprüche wie: „Warum sollen wir mit Ihnen reden? Da verkaufen wir keine Waffe mehr.“ Und anschließend beklagen sich die Unternehmen, sie kämen in der Öffentlichkeit schlecht weg und die Presse sei voreingenommen.

Und Tabuisierung beherrscht die Bundesregierung auch ganz gut. Noch immer hat sie ihren Rüstungsexportbericht für das Jahr 2008 nicht vorgelegt. Dabei hat sie die Daten bereits im vergangenen Sommer an die EU gemeldet. Damit überlässt die Regierung nur Rüstungskritikern wie Sipri oder den Kirchen das Feld und fördert Gerüchte und Missverständnisse.

Politik und Produzenten brauchen endlich einen anderen Umgang mit dem Thema. So wie die Bundeswehr Waffen von den Partner im Rahmen der westlichen Nato-Gemeinschaft bezieht, sollte die Akteure auch einen Teil der Entspanntheit importieren, mit der Frankreich und Großbritannien ihre Rüstungsbranche behandeln. Natürlich ist eine offene Debatte über Kosten und Nutzen der Waffenproduktion schwer zu führen, denn Panzer oder Granaten werden nie Produkte wie alle andere.

Aber letztlich ist die Industrie eben auch eine der wenigen deutschen Hightech-Branchen mit 80.000 Arbeitsplätzen. Dazu baut sie baut sie neben Tötungswerkzeug zunehmend Sicherheitstechnologie. Und zu guter Letzt hat und braucht sie wie jede andere Branche politische Grenzen, damit ihre Produkte keinen unkalkulierbaren Schaden anrichten. Was bei den einen Grenzwerten für die Umweltbelastung, ist hier die Vorgabe, dass ihre Angebote unsere Welt sicherer machen müssen und nicht durch leichtfertige Exporte die Stabilität gefährden. Und da ist die Branche deutlich weiter, als es uns alle, inklusive der Branche selbst, erzählen.

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11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.05.2011, 06:03 UhrAnonymer Benutzer: peter

    waffen sind zur verteidigung und zum angriff gefertigte güter. durch sie sterben menschen oder tragen gesundheitliche und psychische schäden davon. wer mir weiß machen will das sie zu einem anderen zweck gefertigt wurden, den kann ich nicht ernst nehmen.
    deutschland drittgrößter waffenexporteur! heißt das jetzt nix anderes als das wir deutschen die dritt skrupelosesten waffenverteiler momentan sind, weltweit?
    eine höhere transparenz? natürlich. her damit. und zwar sofort. warum wird das aber nicht passieren? achso sind ja 80000 jobs vakant, die nur durch rüstungsfertigung zu halten sind. ist ja das natürlichste vonne welt. arbeitsplätze gegen potentielle tote. tolle rechnung.
    zum glück sind wir ja so herrlich tabuscheu. die zivilgesellschaftliche nachbohrlethargie wenn es um unnachvollziehbare rüstungsexporte geht... das schafft der beste lobbyismus nicht.

  • 18.03.2010, 16:34 UhrAnonymer Benutzer: Was muss ich da lesen?

    Also liebe Leute,
    wo ist das Problem? ich muss hier den alten und platten, trotzdem zutreffenden Spruch bringen: "wenn wir es nicht liefern, macht es irgendwer sonst!" ist traurig, aber leider war. Zudem ist ein Großteil der Exporte, wie bereits im Artikel zu lesen ist, die Lieferungen von Dieselmotoren. Ein paar U-boote und Fregatten sind so groß und auffällig, wenn sie benutzt werden, dass kaum Schindlufer davon zu erwarten ist. Die Leopard Panzer gehen nach Chile, Griechenland und Kanada. Wobei die Leo´s für Chile alte bundeswehrfahrzeuge sind, die jetzt für Chile umgerüstet werden. Weitere dicke brocken sind z. b. die Dingo´s. Ein gepanzerter und Minensicherer Unimog. Er dient vornehmlich der Patroullie in gefärdeten Gebieten. er wird derzeit in alle Welt verkauft, vornehmlich an Nationen, die sich in Afghnistan befinden. Es bietet derzeit keine andere Nation eine besseren insassenschutz als die deutschen Produkte. Oder die Kanone für den amerikanischen Abrams Panzer. Diese wird von Rheinmetall an die USA geliefert. Die haben davon einen riesen bEdarf, das viele Fahrzeuge erneuert und aufgewehrtet werden.

    ich habe damit kein Problem. Nicht die Waffen sind das Problem, sondern nur Diejenigen, die den befehl geben sie zu benutzen. Solange Panzer, Flugzeuge und was auch imer der Abschreckung dienen, sind sie genau richtig. Dieses System hat immerhin fast 50 Jahre funktioniert. Warum glaubt ihr denn, dss es israel noch gibt? Nur wegen des schlagkräftigen Militärs und inoffiziell vorhandenen Atombombe. Dient, bis auf ein paar kleinere Rangeleien nur der Abschreckung.

  • 16.03.2010, 19:51 UhrAnonymer Benutzer: RRR

    Aber seit bitte konsequent! Der komplette Export gehört verboten. Mit Auto´s werden Menschen getötet, mit Maschinen Waffen produziert, usw usw. Das ist das Wesen dieser Welt. Aber vielleicht können wir uns bessern.

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