Rüstungsindustrie: Gefährliches Verfahren für Heckler & Koch

KommentarRüstungsindustrie: Gefährliches Verfahren für Heckler & Koch

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Waffenhersteller Heckler & Koch in Oberndorf im Landkreis Rottweil

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die aktuellen Ermittlungen gegen den Waffenhersteller Heckler & Koch schaden nicht nur dem Ruf, sondern vor allem den Finanzen des hoch verschuldeten Unternehmensgruppe. Am Ende können sie deren Fortbestand gefährden. Ein Kommentar von Rüdiger Kiani-Kreß.

Für Rüstungsgegner war es keine Überraschung, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart gestern die Ermittlungen gegen den Waffenhersteller Heckler & Koch ausgeweitet hat und dabei mit 20 Beamten die Firmenzentrale im schwäbischen Oberndorf durchsucht hat. Dabei hat sie dort und an einem anderen Ort Unterlagen beschlagnahmt. Dazu hat der Rüstungsgegner Jürgen Grässlin der Staatsanwaltschaft Dokumente übergeben, die seiner Ansicht nach belegen, dass die Heckler in der Unruheprovinz Jalisco die G36 zumindest vorgeführt hat. Dazu kommen angeblich Aussagen eines Insiders.  

Dass die Ermittler offenbar Belege sehen, dass Heckler im Jahr 2006 illegal Sturmgewehre vom Typ G36 in Mexikanische Unruheprovinzen geliefert hat, ist ein herber Schlag für die Waffenschmiede. Zwar weist das Unternehmen die Anschuldigungen entschieden zurück und beruft sich auf sein strenges Kontrollsystem, das der für Exporte zuständige Vorstand, ein ehemaliger Richter, eingerichtet habe. Doch trotzdem dürfte das Unternehmen Schaden nehmen.

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Am Rande der Zahlungsfähigkeit

Da ist zum einen der Ruf. Sollte Heckler den Verdacht nicht entkräften können, könnte das Unternehmen für eine Weile keine Genehmigungen mehr für Exporte erhalten. Das hätte wohl dramatische Folgen für die Finanzen der ganzen Unternehmensgruppe. Denn angesichts der aktuellen Sparrunden ihres wichtigsten Kunden Bundeswehr und der deutschen Polizeibehörden, braucht das Unternehmen Exporteinnahmen mehr denn je. Schließlich lebt der Heckler-Konzern inklusive der Muttergesellschaften vor allem von den Waffenumsätzen aus Oberndorf. Die lagen zwar im vorigen Jahr bei 235 Millionen, wobei ein ordentlicher Gewinn von 17 Millionen Euro abgefallen ist. Doch auf der Gruppe lasten hohe Schulden, deren Wert von gut 300 Millionen Euro den Umsatz und die Barmittel von 50 Millionen weit übersteigen.

Darum sehen renommierte Ratingagenturen das Unternehmen bereits am Rande der Zahlungsfähigkeit. Bereits im Juli 2011 wird eine Anleihe von 120 Millionen fällig, über die der Haupteigentümer Andreas Heeschen nach Presseberichten derzeit immer noch mit der Investmentbank JP Morgan verhandelt. Normalerweise werden nach Ansicht von Analysten solche Refinanzierungen bereits ein Jahr vor Fälligkeit geregelt. Zudem wird in gut zwei Jahren ein Spezialdarlehen amerikanischer Investoren im Wert von dann 210 Millionen Euro fällig. Zwar sieht Heckler-Hauptaktionär Andreas Heeschen den Wert des Unternehmens bei bis zu 500 Millionen Euro. Doch

Wenn Heckler illegaler Exporte überführt ist oder bereits wegen des Verdachts nicht mehr exportieren kann, schrumpft der Wert des Unternehmens beträchtlich und könnte eine Refinanzierung der Schuld unmöglich machen.

Das wäre dann zwar nicht das Ende des Waffenherstellers. Weil dessen Pistolen und Gewehre weltweit als Premiumprodukte begehrt sind, fände sich sicher ein Käufer. Doch für die Unternehmensgruppe und ihren schillernden Hauptaktionär könnte es sehr eng werden.

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