Ruinöser Preiskampf: Mobilfunk-Discounter verdienen zu wenig

Ruinöser Preiskampf: Mobilfunk-Discounter verdienen zu wenig

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Discount in 1a-Lage. Congstar-Chef Lautz (Mitte) greift mit Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme (rechts) in der Kölner City an

von Jürgen Berke

Durch den ruinösen Preiskampf nehmen viele Handy-Discounter zu wenig Geld ein. Nur extrem schlanke Anbieter arbeiten profitabel.

Alexander Lautz fühlt sich dort besonders wohl, wo der Wettbewerb am härtesten ist – und das ist in diesen Herbsttagen auf der Hohe Straße in Köln. Mehrmals pro Woche stürzt sich der Geschäftsführer von Congstar, dem Mobilfunk-Discounter der Deutschen Telekom, ins Gedränge auf der beliebten Einkaufsmeile. Dann lässt er sich von den Menschenmassen an den Filialen erfolgreicher Top-Labels wie H&M oder Media Markt vorbeitreiben und träumt davon, selbst in dieser Liga mitzuspielen.

Den Anfang hat der Congstar-Chef mit einem ungewöhnlichen Experiment gemacht: Ausgerechnet auf der Hohe Straße, mit Ladenmieten von 200 Euro pro Quadratmeter einer der teuersten Einkaufsmeilen in Deutschland, eröffnete Lautz am 2. November den ersten Discount-Shop, der im Prinzip die gleichen Produkte wie ein klassischer Telekom-Shop verkauft, aber bis zu 40 Prozent preiswerter: Handykarten zum Einheitstarif von neun Cent pro Minute, Mobilfunkverträge mit Flatrates ab 9,99 Euro und DSL-Internetanschlüsse ab 24,99 Euro. An dieser exponierten Stelle im Herzen der Domstadt soll die Telekom-Tochter beweisen, dass sie den Massenvertrieb von Billigprodukten mit geringer Marge profitabel organisieren kann und sich auch in direkter Konkurrenz mit 15 weiteren Handy-Shops in der Nachbarschaft durchsetzen kann.

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Geschäftspläne revidiert

Die Shop-Eröffnung ist Teil einer Rettungsaktion. Denn bisher ist Congstar wenig erfolgreich. Mehrfach musste Lautz seit dem Marktstart im Juli 2007 seine Geschäftspläne revidieren. Rückschläge gab es auch in diesem Jahr: Bereits am 25. Mai legte der Congstar-Chef seinem Aufsichtsrat eine deutlich nach unten korrigierte Jahresprognose vor. Statt des ursprünglich erwarteten Umsatzes in Höhe von 176 Millionen Euro werden es „wegen rückläufiger Bruttoabsätze“ im laufenden Geschäftsjahr nur 132 Millionen Euro sein – ein Umsatzausfall von 44 Millionen Euro (WirtschaftsWoche 28/2010).

Schlimmer noch: Als einziger der von einem Netzbetreiber gegründeten Discounter schreibt Congstar tiefrote Zahlen. Sowohl die O2-Tochter Fonic als auch die beiden Discount-Töchter von E-Plus, Simyo und Blau.de, haben die Gewinnschwelle längst erreicht und weisen zum Teil schon seit zwei Jahren einen operativen Gewinn aus. Das geht aus streng vertraulichen Geschäftszahlen für das Jahr 2009 von Congstar und Fonic hervor, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegen. Zusammen mit im Handelsregister veröffentlichten Zahlen anderer Anbieter lassen sich damit erstmals wichtige Kennziffern wie Kundenzahlen, Umsatz und operativer Gewinn miteinander vergleichen.

Vor allem zwischen Congstar und Fonic klaffen Welten. Während die Telekom-Tochter 2009 mit einem Umsatz von knapp über 100 Millionen Euro einen operativen Verlust von 59 Millionen Euro einfuhr, reichte der O2-Tochter Fonic ein Umsatz von 86 Millionen Euro für einen operativen Gewinn von zwölf Millionen Euro (siehe Tabelle). „Wir haben unsere Geschäftspläne übertroffen“, freut sich Fonic-Geschäftsführer Holger Feistel.

Strenge Kostendisziplin

Ein Grund ist die strenge Kostendisziplin bei Fonic, die schon bei der Wahl des Firmensitzes zu Buche schlägt. Während die mehr als 50 Congstar-Mitarbeiter in Büros am noblen Kölner Rheinauhafen an der neuen Uferpromenade unweit der imposanten Kranhäuser logieren, begnügen sich die gerade mal 14 Fonic-Mitarbeiter mit Kleingruppenbüros in einem preiswerten Nebengebäude des Münchner O2-Towers am Georg-Brauchle-Ring.

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