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Russische Staatsbahn: "Eurasische Bahn-Landbrücke ist unser langfristiges Ziel"

von Reinhold Böhmer

Der russische Bahn-Chef Wladimir Jakunin über eine Beteiligung an der Deutschen Bahn, Expansionspläne nach Westen, den Traum einer Güterzugverbindung zwischen China und Zentraleuropa sowie die Schwächen der russischen Logistik.

Wladimir Jakunin Quelle: dpa
Wladimir Jakunin Quelle: dpa
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Herr Jakunin, erinnern Sie sich noch an den Spruch zu DDR-Zeiten „Von der Sowjetunion lernen heißt Siegen lernen“?

Wladimir Yakunin: Nein, den habe ich nie gehört.

Im Eisenbahngeschäft scheint da aber durchaus etwas dran zu sein, wenn man sieht, wie die russische Staatsbahn RZD die Wirtschaftskrise bewältigt hat.

Alle können etwas voneinander lernen: Wir, die RZD, lernen von der Deutschen Bahn, die sehr beeindruckend Hochgeschwindigkeitszüge betreibt. Die Deutsche Bahn kann von uns lernen, weil wir erfolgreich im Schienengüterverkehr unterwegs sind. Richtig ist, wir haben im Krisenjahr 2009 nur 14 Prozent weniger Umsatz als 2008 gemacht, sind gleichzeitig profitabel geblieben und haben sogar die Effizienz gesteigert. Unsere Anleihe über 1,5 Milliarden Dollar, die wir im April an der Londoner Börse platziert haben, war neunfach überzeichnet.

Die deutschen Unternehmen und die deutsche Logistikbranche verfolgen mit Spannung, wie sich die russische Bahn in Richtung Westen bewegt. Zurzeit reicht Ihr Breitspur-Schienennetz bis an die westpolnische Stadt Slawków, etwa 280 Kilometer vor Görlitz in Sachsen...

...das geht zurück auf die Zeiten des Kommunismus. In Slawków wurde Stahl unter anderem auch für die Sowjetunion produziert.

Nun wollen Sie von 2013 an für 4,7 Milliarden Euro 87 Kilometer Breitspur in der Ukraine erneuern, 432 Kilometer neu durch die Slowakei bis nach Wien legen und dort auch noch ein riesiges Logistikzentrum bauen. Warum enttäuschen Sie die Deutschen, indem Sie sie so großräumig umgehen?

Wir waren bis zur Präsentation dieser Pläne im April offen nach allen Seiten und enttäuschen oder umgehen niemanden in Deutschland. Wir arbeiten mit der Deutschen Bahn weiterhin strategisch zusammen, zum Beispiel indem wir ein Joint Venture zum Schienentransport von Autos gegründet haben. Über die Frage, wohin wir unsere Breitspur verlängern, haben wir mit allen Verantwortlichen offen diskutiert. Unglücklicherweise haben Deutschland und Russland aber keine gemeinsame Grenze.

Und deshalb soll sich Deutschland mit den Brosamen im künftigen milliardenschweren Eisenbahn- und Logistikgeschäft zwischen Europa und Asien zufriedengeben?

Das sind keine Brosamen. Unser Hauptaugenmerk im direkten Güterverkehr mit Deutschland liegt auf der Verbindung zwischen Sasnitz auf der Insel Rügen und dem russischen Ust Luga bei Sankt Petersburg. Auf dieser Strecke transportieren wir Güterwaggons per Fähre über die Ostee. Das läuft zwar noch nicht gut, ist aber entwicklungsfähig. Des Weiteren wird sich die Deutsche Bahn an unserem neuen Transport- und Logistikzentrum namens Bely Rast an der Moskauer Ringautobahn beteiligen, das rund 500 Millionen Euro kostet und Kapazität zur Lagerung und zum Umschlag von 290 000 Standardcontainern im Jahr bietet. Die Anlage ist die erste ihrer Art in der Geschichte der russischen Bahn.

Gaben nicht historisch begründete Ressentiments zwischen Polen und Russland den Ausschlag dafür, dass Sie den größten Markt Europas indirekt über die Slowakei und Österreich ansteuern werden?

Nein, es gibt keine historisch begründeten Ressentiments. Wir arbeiten mit der polnischen Eisenbahn auf gleiche Weise zusammen wie mit anderen Eisenbahngesellschaften...

Das ist eine sehr diplomatische Antwort.

Klar ist: Eine unternehmerische Entscheidung hängt immer auch vom politischen und geschäftlichen Klima ab. Die slowakische Regierung hat unsere Pläne begrüßt, ebenso die ukrainische und die österreichische. Die Deutsche Bahn übernahm 2009 PCC Rail, Polens größte private Güterbahn. Als wir später erklärten, wir könnten uns eine Beteiligung an der Deutschen Bahn vorstellen, brach unter den Polen ein Sturm der Entrüstung aus...

...weil sie fürchteten, die seit Jahrhunderten beargwöhnten Russen könnten auf diese Weise indirekt Miteigentümer einer polnischen Eisenbahn werden?

Für uns war in einem solchen politischen und geschäftlichen Umfeld klar, dass wir unsere langfristigen Pläne zur Anbindung der Breitspur an das Zentrum Europas lieber dort weiterverfolgen, wo man dies ausdrücklich begrüßt.

Bleibt es trotzdem bei Ihrem Interesse an einer Beteiligung an der Deutschen Bahn?

Die Privatisierung ist für die deutsche Bundesregierung zurzeit ja kein Thema. Ich möchte mit meiner Meinung aber nicht hinter dem Berg halten. Sollte die deutsche Bundesregierung die Privatisierung der Deutschen Bahn wieder auf die Tagesordnung setzen, werden wir wieder unser Interesse bekunden.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.07.2010, 18:51 UhrAnonymer Benutzer: Sergej

    Nah SOWAS, ein Kommentator, der keine Ahnung von russischer Transportbranche hat oder wird für solche interviews gut bezahlt und ein bahn-Chef, der mit einem Verwaltungsapparat eigentlich ein Staat regieren kann - so groß ist es geworden - statt damals geplanten Organisationsverschlankung jetzt noch mehr "Vice-Presidents" gekommen (und meist ungebildeten)).
    1)"wie die russische Staatsbahn - RZD die Wirtschaftskrise bewältigt hat" bedeutet tausende Mitarbeiter in 2008/09 entlassen, den Verladern Ultimatum stellen in etwa - wenn nicht mit uns fahren, dann mit keinem, über Frachtbriefe neue Kunden akquirieren -> mit "freiwilligen" Zwang - also wie etwa "gelenkte Demokratie"
    2)"sind gleichzeitig profitabel geblieben und haben sogar die Effizienz gesteigert"... - ist das wirklich so, ist es möglich während der Krise ohne ins Geschäft zu investieren, ohne neue Technologien einzuführen, effizienter zu werden (Siemens - hat uns neue Technologien verkauft - die sogenannte High Speed intercity, die bis sie überhaupt ihre normal Geschwindigkeit erreichen verschrotten werden müssen) - Effizienz steigern - lächerliche Aussage
    3)“Tarif optimieren“ - wie kann man ein Oldtimer (z.b. ein Ford bronko, der > 20 l auf 100 schluckt) so optimieren, dass er nur noch wie heutige Autos verbraucht, nur durch ganz radikale Lösung- ein neuer Motor. Genauso mit Tarifen, die keine wirtschaftliche Hintergründe haben sondern mehr ein Ausgleichsprinzip. DAS iST NiCHT OPTiMiERENbAR.
    Usw.
    Fazit: es wird lange keine "gesteigerte Effizienz" in Geschäften geben, wo die letzte erst in Köpfen der Verantwortlichen angewandt wird und schon ganz bestimmt nicht mit alter Armee, die außer eigene Tasche, Macht und großes Aufsehen nichts im Kopf haben und wie Regierung eine einseitige Strategie verfolgt ohne die Folgen zu berücksichtigen. Das gilt eigentlich in abgemilderten Version auch für alle europäische (staatliche) bahne
    ich musste es los

  • 02.07.2010, 19:09 UhrAnonymer Benutzer: Gospodin

    Väterchen, bleibe dran !

    Wenn man das liest und mit den hochtrabenden Luftblasen aus dem Wörterbuch der Unternehmensberater vergleicht, mit dem die "Manager" der Deutschen bahn herumschwafeln, dann wünscht man direkt den Tag herbei, an dem ein solcher Eisenbahner auch hierzulande bei der bahn Mitsprache bekommt. Nötig wäre es.

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