Russland: Moskau verkauft sein Tafelsilber

Russland: Moskau verkauft sein Tafelsilber

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Sergej Sobjanin, Bürgermester von Moskau

von Florian Willershausen

Die Hauptstadt des Riesenreiches verscherbelt große Teile ihres heruntergewirtschafteten Firmenimperiums. Denn der ehemalige Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow agierte unternehmerisch glücklos - und behandelte Moskauer Unternehmen wie sein persönliches Eigentum.

Um Arbeit bis tief in die Nacht konnte sich Andrej Scharonow nicht drücken, als er kurz vor Jahresende seinen neuen Job antrat. Moskaus neuer Bürgermeister Sergej Sobjanin hat den 46-Jährigen zu seinem Vize ernannt und ihn sogleich mit einem Großprojekt betraut. Scharonow soll den tiefroten Haushalt der russischen Hauptstadt von "profilfernen Aktiva" bereinigen – auf gut Deutsch: möglichst viele Unternehmensbeteiligungen verscherbeln.

Für den smarten Banker, der zuvor Direktor der führenden russischen Investmentbank Troika Dialog war, ist das ein Kärrnerjob. Die Stadt Moskau hortet Beteiligungen an mehr als 400 Unternehmen aus diversen Branchen, darunter ein Ölkonzern, eine Airline samt Flughafen, Banken, Versicherungen, Shoppingcenter und Hotels. Die meisten dieser Unternehmen wurden wenig transparent geführt; nicht einmal die Anzahl der Beschäftigten lässt sich schätzen. Fest steht aber, dass einige dieser Beteiligungen jedes Jahr Millionenverluste bescheren.

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Moskau will 200 Beteiligungen verkaufen

Jetzt räumt Scharonow auf. Penibel hat er die Bücher der Stadt geprüft und entschieden, rund 200 Beteiligungen zu verkaufen. Analysten erwarten, dass Unternehmen wie die verlustreiche Fluggesellschaft Moskau zu Spottpreisen unter den Hammer kommen, nur um Ballast aus dem Stadthaushalt abzuwerfen. Andere wird Scharonow wohl aufpäppeln, um einen besseren Preis zu erzielen, darunter den Stadtflughafen Vnukowo. Unterm Strich könnten der Verkauf von Tafelsilber und die Trennung von Verlustbringern die klammen Kassen der Stadt um 15 Milliarden Dollar entlasten, schätzen Analysten.

Das grüne Licht für die Massenprivatisierung gab Wladimir Putin. Russlands mächtiger Premierminister installierte im Oktober seinen loyalen Gefolgsmann Sobjanin als Bürgermeister, nicht zuletzt um den Kehraus durchzusetzen. Sobjanin löste Juri Luschkow ab, den Präsident Dmitri Medwedew zuvor unehrenhaft aus dem Amt entlassen hatte.

Glückloser Ex-Bürgermeister

Luschkow gilt als Urheber der jahrelangen Misswirtschaft. Der 74-Jährige, der aus Furcht vor politischen Feinden vorige Woche eine Aufenthaltsgenehmigung in Lettland beantragt hat, führte Moskau 18 Jahre wie ein Gutsherr. Zuletzt fiel er mit absurden Plänen auf: Kampfflugzeuge sollten Schlechtwetterwolken mit Spezialchemie vor der Stadtgrenze abfangen, damit Moskau die Kosten für den Winterdienst spart. Sonst spielten Sparpläne für den Langzeit-Bürgermeister keine Rolle; stattdessen fuhr er reihenweise Unternehmen an die Wand.

Einige dieser Beteiligungen hat die Stadt Moskau von der Sowjetunion geerbt, andere kaufte die Verwaltung aus Insolvenzverfahren, um Entlassungen zu verhindern. Luschkow sei ein Politiker mit sozialer Verantwortung gewesen, sagt der Ökonom Wladislaw Below vom Europa-Institut in Moskau. Unternehmerisch habe er aber glücklos agiert.

Das ist auch der Grund für das Desaster der Airline Moskau. Jahrelang flog die städtische Fluglinie die mitunter ältesten Flieger Russlands. Die sowjetischen Spritfresser hoben meist halb leer ab. Letztlich häuften sich Schulden über 138 Millionen Euro an. Ein Teil betrifft Mitglieder des Airline-Dachverbands IATA. Auch Lufthansa Technik, so hört man in Branchenkreisen, ist auf Forderungen für Triebwerkswartungen sitzen geblieben.

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