RWE: Energieversorger mit Ehrgeiz

RWE: Energieversorger mit Ehrgeiz

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Die Zentrale des Energiekonzerns RWE in Essen. Obwohl das unternehmen nicht so international ist wei der Rivale E.On ergeben sich viele Vorteile.

von Andreas Wildhagen

Donnerstag präsentiert RWE-Chef Jürgen Großmann die Bilanz - das Unternehmen gibt ein gemischtes Bild ab. Fragen gibt's auch zur Rolle von Joschka Fischer.

Im rustikalen Mehrzweckbau des Essener Energieriesen geht es wieder zur Sache. RWE-Lenker Jürgen Großmann umreißt die Strategie des Unternehmens. Fazit: RWE wird immer internationaler und will mit länderübergreifenden Großprojekten in eine Liga vorrücken, in der sonst nur Gaz de France oder E.On spielen. Ob es gelingt, wird dieses Geschäftsjahr zeigen. Die Übernahme des niederländischen Versorgers Essent gilt als Teilerfolg auf dem Weg zur weiteren Internationalisierung.

Einen Schatten wirft das Prüfverfahren des Bundeskartellamtes. Das Amt nimmt Gaslieferverträge des RWE-Unternehmens Supply & Trading unter die Lupe. Immerhin: "RWE arbeitet eng mit dem Amt zusammen", heißt es zum Stand der Ermittlungen. Für RWE ist das peinlich, da Konkurrent E.On Ruhrgas, Bayerngas und die ostdeutsche VNG nicht von den Untersuchungen betroffen sind. Für die Stromkunden von RWE könnte der morgige Tag etwas Prositives bringen. Während Rivale E.On ab Mai wieder kräftig bei Preiserhöhungen zulangt - angekündigt sind 4,2 Prozent, obwohl sich die Emissionszertifikate der Kraftwerke im vergangenen Jahr verbilligt haben - stellt RWE einen solchen Preisanstieg bisher nicht in Aussicht.

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Konkurrenzpipeline Nabucco

Und obwohl der RWE-Rivale E.On wesentlich internationaler ist als der Essener Nachbar, ergeben sich einige Vorteile im RWE-Geschäft, die auf Beharrungsvermögen des Managements beruhen. RWE-Chef Großmann muss das Energiegeschäft unabhängiger machen vom deutschen Kernmarkt - so fordern es Analysten immer wieder - da nützt auch die Übernahme von Essent nichts. In Deutschland hält RWE an seinen Stadtwerkebeteiligungen fest, die E.On aufgrund von Auflagen des Kartellamtes unter dem Dach der Thüga verkaufen musste, und das Unternehmen behält auch das Stromnetz, das E.On verkaufte.

Ehrgeizigster Plan ist die Gaspipeline Nabucco. Die Bauarbeiten der Ostseepipeline, bei der auch E.On zusammen mit Gazprom beteiligt ist, haben gerade begonnen. Das Konkurrenzprojekt Nabucco durch Südosteuropa soll in einigen Wochen "Planungssicherheit" erhalten, wie ein RWE-Manager sagte. Die Leitung soll von der Osttürkei über eine Länge von 3300 Kilometern über Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich führen. RWE will sich in einigen Monaten in Turkmenistan und Aserbeidschan Gaslieferungen sichern, die über Nabucco nach Österreich und dann nach Deutschland führen sollen.

Der österreichischen Politik, die traditonelle gute Verbindungen nach Osteuropa unterhält, kommt beim extrem komplizierten Abstimmungsbedarf dieser Pipeline eine entscheidenen Rolle zu. Um RWE in diesen Ländern hoffähig zu machen, wird auch der frühere österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in den Aufsichtsrat von RWE einziehen. Schüssel ist der zweite Ex-Bundeskanzler, der in ein deutsches Aufsichtsratsgremium von Rang einzieht. Vorher gehörte der ehemalige österreichische Regierungschef Franz Vranitzky dem TUI-Aufsichtsrat an, den er mittlerweile verlassen hat. Während die Rolle von Vranitzky im TUI-Kontrollgremium unklar war, ist es ziemlich sicher, dass Schüssel das Nabucco-Projekt von RWE-Chef Großmann politisch künftig begleiten und befördern wird. 

Fischer gegen Schröder

Neben Schüssel gibt es noch ein anderes kraftvolles Aushängeschild, das sich RWE zugelegt hat - es ist der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer. Hier deutet sich in Zukunft ein Schaukampf zwischen einem anderen mächtigen Lobbyisten an - Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ist Aufsichtsratsvorsitzender des Ostsee-Pipelinesprojekts. Auf dem Terrain der Energiewirtschaft treffen diese beiden Schwergewichte aufeinander. Es fliegen bereits die Fetzen.

So nahm Fischer Russlands Energiepolitik aufs Korn und lieferte sich einen Schlagabtausch mit seinem früheren Regierungschef Schröder. Moskau denke "fast ausschließlich in den Öl- und Gaskategorien der Vergangenheit" und reagiere allergisch auf Versuche, Russlands Monopol bei Europas Gasversorgung aufzubrechen. Schröders Aussage, das EU-Pipelineprojekt Nabucco sei nur mit Gas aus Iran machbar, sei "unzutreffend" sagte Fischer.

Ob RWE mit einer derartigen Emotionalisierung des Pipelineprojektes geholfen ist, steht in den Sternen.

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